Homophobe und transfeindliche Übergriffe sind Alltag

Queere Menschen und nicht zuletzt auch Transpersonen werden in Berlin regelmäßig angepöbelt oder angegriffen. Die Justizsenatorin will sich damit nicht abfinden.
Die Regenbogenfahne gilt als ein Zeichen gegen Diskriminierung von queeren Menschen. © Federico Gambarini/dpa/Symbolbild

Beleidigungen Herabsetzungen, Bedrohungen oder körperliche Gewalt: homosexuellen- und transfeindliche Übergriffe gehören in Berlin zum Alltag. Das geht aus den Zahlen des neuen «Monitoringberichts zu trans- und homophober Gewalt» hervor, den die Senatsverwaltung für Justiz, Vielfalt und Antidiskriminierung am Montag vorgestellt hat. Nach deren Angaben ist die von der Polizei in Berlin registrierte Zahl der Straftaten, die sich gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche und andere queere Menschen (LSBTIQ*) richtet, weiter gestiegen. Statistisch erfasst wurden im vergangenen Jahr 456 Fälle, 2020 waren es 377.

Der neue Monitoring-Bericht solle helfen, das Dunkelfeld im Bereich homosexuellen- und transfeindlicher Übergriffe aufzuhellen und dazu beitragen, dass sich die Anzeigebereitschaft sowie das Vertrauen in staatliche Stellen erhöhen, sagte Justizsenatorin Lena Kreck (Linke) bei der Präsentation der Daten. «Je mehr Wissen wir haben, umso besser können wir entscheiden, wie Politik nachsteuern muss.»

Mit weitem Abstand am häufigsten sind Beleidigungen, die annähernd die Hälfte der Delikte (48,5 Prozent) ausmachen. In 13,2 Prozent der Fälle geht es um Körperverletzung, bei 9,6 Prozent um gefährliche Körperverletzung.

Die bei der Polizei angezeigten Straftaten konzentrieren sich häufig auf Ausgeh- und Wohnviertel der queeren Community. So entfiel ein Viertel der Delikte (24,8 Prozent) auf den Bezirk Mitte, jeweils ein Fünftel auf Tempelhof-Schöneberg (17,6 Prozent) und Friedrichshain-Kreuzberg (17,4 Prozent). In nicht ganz der Hälfte aller Fälle (44,3 Prozent) konnten im Zeitraum 2010 bis 2021 Tatverdächtige ermittelt werden. Der Männeranteil lag bei durchschnittlich 90 Prozent.

Häufig sind es Mehrfach- und Wiederholungstäter: Mehr als drei Viertel (75,9 Prozent) der ermittelten Tatverdächtigen waren schon zuvor polizeilich bekannt. Aber auch wenn Tatverdächtige ermittelt werden konnten, sind strafrechtliche Konsequenzen nicht die Regel: In 40 Prozent der Fälle wurden die Verfahren eingestellt.

Für den Monitoring-Bericht, der einen Schwerpunkt auf transfeindliche Übergriffe legt, gab es auch eine Befragung von Transpersonen, also Menschen, die sich dem Geschlecht, das ihnen bei Geburt zugeschrieben wurde, nicht zugehörig fühlen. Sie bestätigen die statistischen Daten: Transfeindliche Beleidigungen, Bedrohungen und gezielte Einschüchterungen wurden sehr häufig beschrieben.

Der Monitoringbericht dient laut Justizverwaltung auch als Diagnosemittel für bisherige Maßnahmen zur Unterstützung von Transpersonen. So mache der Report deutlich, dass mehr transspezifische Beratungsangebote und Anti-Gewalt-Arbeit in Berlin notwendig seien und bestehende Strukturen dahingehend ausgebaut werden müssten. «Das Flickenwerk der Beratungslandschaft muss passgenauer gestaltet werden», sagte Kreck.

Gleichzeitig müsse das Wissen über Transgeschlechtlichkeit in Behörden und anderen Institutionen durch Qualifizierungsmaßnahmen steigen, um das Verständnis für die Anliegen von Transpersonen zu erhöhen.

© dpa
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