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Bergschäden durch nahen Tagebau? Bürger wollen Klärung

In Tauer unweit des Tagebaus Jänschwalde häufen sich Schäden an Gebäuden und in der Landschaft. Die Bürger schlagen Alarm und sehen die Leag am Zug. Die will nun Sachverständige einsetzen.
Schäden im Umfeld des Tagebaus Jänschwalde
Die Fassade der Dorfkirche in Tauer ist gerissen. © Patrick Pleul/dpa/Archivbild

Christian Stecklina ist seine Aufregung anzumerken. Der 44-jährige Einwohner aus Tauer diskutiert an den Informationsständen des Bergbaubetreibers in einem Hotel der Gemeinde mit Mitarbeitern des Unternehmens. Vermesser, Geologen, Rekultivierer informieren an diesem Abend in einem örtlichen Hotel über ihre Arbeit. Sie haben zum Bürgerdialog eingeladen, denn in der Gemeinde, unweit vom Tagebau Jänschwalde, häufen sich Schäden an Mauern von Gebäuden, sterben Bäume, trocknen Wiesen aus.

Für die Betroffenen ist klar: Es sind Bergschäden, die der Tagebaubetreiber regulieren muss. «Mir geht's darum, den Konzern dahin zu bringen, dass er die Kuh vom Eis holt, statt rumzutaktieren», sagt Stecklina und spricht damit offenbar für viele.

Rund 20 Anträge auf Bergschäden sind in den vergangenen Monaten eingegangen, wie der zuständige Bearbeiter bei der Leag, Martin Klausch, auf Nachfrage berichtet. Das sei eine hohe Zahl im Vergleich zu anderen Jahren. «Wir haben überall das Thema Bergschäden, aber nirgends so viele Anträge wie in Tauer», stellt Klausch dar. Er habe bei dem Treffen weitere Anträge von Bürgern erhalten.

An den Ständen erhalten die Einwohner Einblick in Datengrundlagen verschiedener Bereiche des Tagebaubetreibers. «Wir wollen mit den Leuten ins Gespräch kommen, wir werden uns jeden Antrag anschauen», versichert Klausch. Zur Untersuchung würden nun mehrere unabhängige Sachverständige eingesetzt. Sie sollen bei den Antragstellern die Schäden begutachten. Bislang könne man keine Besonderheiten für die Schäden erkennen, sagt der Leag-Fachmann Klausch.

«In den letzten fünf Jahren konnte man zuschauen, wie Bäume eingegangen sind, Gräben trocken liegen», hält Stecklina dagegen. Er wohnt an den Laßzinswiesen und besitzt dort auch Fläche. Seine Familie ist dort seit Generationen beheimatet. Dem Feuchtgebiet wird pro Jahr bis zu 25 Millionen Kubikmeter gehobenes Bergbauwässer zugeführt.

Leag-Experten haben für die Jahre 2018 bis 2022 trotzdem eine negative Bilanz von 1268 Millimetern pro Quadratmeter errechnet. Als Junge habe er nasse Füße gehabt, wenn er über die Wiesen ging. Jetzt sei häufig nur Steppe, würden Bäume absterben, sagt Stecklina. «Ich bin kein Aktivist, kein Grüner, ich bin einfach nur ich - ein Vater mit drei Söhnen, der lebenswerte Natur hinterlassen will. Ich hab da echt Angst, dass das nicht mehr machbar ist.»

Bei der Bürgermeisterin von Tauer, Karin Kallauke, haben Gebäude auf dem Hof große Risse. Sie unterstützt die Bürgerinitiative im Ort, die sich aus 40- bis 50-Jährigen zusammensetzt, wie sie erzählt. Alle sorgten sich um die Zukunft, um die Enkel, wenn «die Leag die Schotten dicht macht» und was dann als Hinterlassenschaft bleibt.

Unterdessen erklärt der Leiter Markscheiderei bei der Leag, Marko Hein, an einem Stand, wie Veränderungen an der Erdoberfläche vermessen werden. Dabei geht es um jährlich durchgeführte Messungen der Höhenveränderungen. Hein sagt, die Messungen wiesen keine signifikanten Bodenbewegungen auf. Er spricht von plus minus zwei bis drei Millimeter, «Messrauschen» nennt er das. Die 23 Höhenfestpunkte in und um Tauer hätten keine wesentlichen Veränderungen dokumentiert.

«Grundsätzlich gibt es eine andere Auffassung, was die Ursachen der Schäden angeht», benennt der grüne Kreistagsabgeordnete Andreas Stahlberg den Konflikt. Die Leag habe die Datengrundlage, die die Bürger nicht kennen würden. Insofern sei Misstrauen nachvollziehbar. Den Informationsabend mit Dialogcharakter nennt Stahlberg aber eine «vertrauensbildende Maßnahme». Einmal mehr fordert er die Wiedereinrichtung der Schlichtungsstelle für Bergschäden, doch mit einer anderen Schlichtungsordnung. Ein Fehler sei gewesen, dass die Bergbaubetreiber die Teilnahme an der Schlichtung ablehnen konnten.

Die drei Jahre bestehende Schlichtungsstelle wurde nach einer Evaluation im Dezember 2022 geschlossen. Das Wirtschaftsministerium hatte dies damals nicht der Öffentlichkeit mitgeteilt, was für Kritik gesorgt hatte. Betroffene von Tagebauschäden können jetzt ohne die Stelle nur noch vor Gericht um Schadenersatz kämpfen. Zwar sind auch Meldungen direkt an die Leag möglich, es fehlt aber eine unabhängige Entscheidung.

Für die Bürger von Tauer ist klar: Sie wollen, dass Schäden als Bergschaden anerkannt werden. Dabei sehen sie die Leag am Zug, denn der Grundwasserspiegel, den der Betreiber für den Tagebau absenken muss, führt ihrer Ansicht nach zur Austrocknung des torfhaltigen Bodens. Doch eine Schadensregulierung könnte ein langwieriger Prozess werden.

Die bisherige Auswertung aller relevanten Bewertungskriterien durch die Leag habe gezeigt, so das Unternehmen, dass nur in sehr vereinzelten Fällen ein Zusammenhang zwischen den in Tauer angezeigten Schäden und dem Tagebau Jänschwalde bestehe. «Dem Versuch, sinkende Grundwasserstände in Verbindung mit baulichen Schäden zu bringen, widerspricht die Leag daher entschieden», heißt es. Vielmehr wirkten andere Faktoren wie bauliche Maßnahmen an Gebäuden im Umfeld und der Klimawandel.

© dpa ⁄ Silke Nauschütz, dpa
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