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Bahnbrücke über der Oder: Züge können bald schneller fahren

In einer spektakulären Aktion ist eine neue Bahnbrücke in Küstrin-Kietz (Märkisch-Oderland) über die Oder nach Polen geschoben worden. Der Verschub hatte am Montagvormittag begonnen und war am Dienstagnachmittag beendet. Im Dezember soll die Brücke als Grenzverbindung in Betrieb gehen, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Die Bauarbeiten für das zweigleisige Bauwerk hatten 2021 begonnen.
130 Meter lange Eisenbahnbrücke
Schaulustige stehen auf der Straßenbrücke über der Oder und beobachten das Einschieben der neuen Eisenbahnbrücke über den Fluss. © Patrick Pleul/dpa

Züge können die Brücke künftig mit bis zu 120 Kilometern pro Stunde statt bisher 30 km/h passieren. Dadurch wird nach Bahnangaben die Streckenkapazität gesteigert, die Fahrzeiten werden verkürzt. «Diese Brücke ist das zentrale Bauwerk in Richtung Polen», hatte Brandenburgs Verkehrsminister Guido Beermann (CDU) am Montag erklärt. Mehr Verkehr auf der Schiene gehe nur durch Ausbau und mehr Strecken.

«Der Brückenschlag nach Polen ist für eine Elektrifizierung und Zweigleisigkeit vorbereitet, es fehlt leider noch immer die positive und unterstützende Entscheidung aus dem Bundesverkehrsministerium», hieß es von der Interessengemeinschaft Ostbahn (IGOB) am Dienstag. Sie dringt trotz Absage durch den Bund auf den zweigleisigen Ausbau und die Elektrifizierung der Strecke RB 26 Richtung Polen.

Das Bündnis sieht die Verbindung von Berlin nach Küstrin-Kietz als eine der stärksten Linien im deutsch-polnischen Verkehr. Der Bund wiederum betrachtet die Verbindung als Nahverkehrsstrecke.

Die Eisenbahnbrücke verband einst Berlin mit Königsberg (heute: Kaliningrad/Russland) als Teil der sogenannten Ostbahn. Im Ersten Weltkrieg wurde die 1867 gebaute Brücke stark beschädigt, 1920 aus Teilen anderer zerstörter Brücken wiederhergerichtet. Auch im Zweiten Weltkrieg war das Bauwerk stark umkämpft.

Die neue Brücke war nach Angaben der ausführenden Firma auf deutscher Seite vormontiert und dann auf Schwerlasttransporter gehoben worden. Diese brachten die 130 Meter lange Stahlkonstruktion Richtung Fluss. Zentimeter für Zentimeter wurde die Brücke dann mit Hilfe von Pontons dann 180 Meter über das Wasser geschoben.

Für die Deutsche Bahn ist es das derzeit größte Brückenprojekt in Brandenburg. Das Unternehmen investierte rund 50 Millionen Euro Bundesmittel in Planung und Bau. Das Netzwerk aus sich kreuzenden Zugstäben im großen Brückenbogen besteht nach DB-Angaben aus kohlenstofffaserverstärkten Kunststoffen (Carbon) - weltweit sei das ein Novum bei einer Bahnbrücke dieses Ausmaßes.

© dpa
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