Schriftstellerin Özdamar ist Büchner-Preisträgerin 2022

Sie ist erst die zwölfte Frau, die die renommierte Auszeichnung bekommt. Neue Büchner-Preisträgerin ist die Schriftstellerin Emine Sevgi Özdamar. Nach Meinung der Jury verdankt die deutsche Literatur ihr «einen hochpoetischen Sound».
Emine Sevgi Özdamar, türkisch-deutsche Schriftstellerin. © Heike Steinweg/SV/Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung/dpa

Die Schriftstellerin Emine Sevgi Özdamar bekommt den Georg-Büchner-Preis 2022. Das teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung am Dienstag in Darmstadt mit. Özdamar ist die zwölfte Frau, die mit dem seit 1951 vergebenen, renommierten Preis ausgezeichnet wird.

«Mit Emine Sevgi Özdamar zeichnet die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung eine herausragende Autorin aus, der die deutsche Sprache und Literatur neue Horizonte, Themen und einen hochpoetischen Sound verdankt», teilte die Jury zur Begründung mit. Die am 10. August 1946 in der Türkei geborene Schriftstellerin, Schauspielerin und Theaterregisseurin bereichere seit über drei Jahrzehnten die deutschsprachige Literaturszene mit ihren Romanen, Erzählungen und Theaterstücken. Özdamar lebt in der Türkei und in Berlin.

Zu ihren bekanntesten Büchern gehört der Roman «Das Leben ist eine Karawanserei: hat zwei Türen, aus einer kam ich rein, aus der anderen ging ich raus». Für einen Auszug daraus erhielt sie 1991 den Ingeborg-Bachmann-Preis. Das Buch ist ebenso wie die Nachfolge-Werke «Die Brücke vom Goldenen Horn» (1998) und «Seltsame Sterne starren zur Erde» (2003) autobiografisch geprägt. Alle drei Romane wurden wegen ihrer literarischen Qualität von der Kritik hoch gelobt. Das gilt auch für ihr jüngstes Werk «Ein von Schatten begrenzter Raum», das 2021 erschien und für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war.

Özdamar wurde in Malatya in der Türkei geboren und wuchs in Istanbul und Bursa auf. 1965 kam sie erstmals nach West-Berlin. Nach dem Militärputsch in der Türkei 1971 kehrte sie nach Berlin zurück. In den 80er Jahren begann sie in Deutschland zu schreiben.

Ungewohnte literarische Stilmittel und aus dem Türkischen inspirierte Sprechweisen prägten ihre Texte, hieß es am Dienstag von der Jury. Diese würden neben intimen persönlichen Erfahrungen ein breites Panorama deutsch-türkischer Geschichte entfalten, vom Ersten Weltkrieg bis in die Gegenwart.

Kulturstaatsministerin Claudia Roth teilte am Dienstag mit: «Wir verdanken Emine Sevgi Özdamar große Literatur, die uns teilhaben lässt an der Zwiesprache der deutschen mit der türkischen Kultur. Dieses Miteinander, in all seinen Facetten, ist zu einem Teil unserer Geschichte geworden.»

Seit 1951 vergibt die Akademie den Preis an Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die in deutscher Sprache schreiben. Zu den Preisträgern gehören Max Frisch (1958), Günter Grass (1965) und Heinrich Böll (1967) sowie zuletzt Terézia Mora, Lukas Bärfuss, Elke Erb und Clemens J. Setz. Der Preis an Özdamar wird am 5. November im Staatstheater in Darmstadt verliehen.

Die Autorin ist bereits mit einer Vielzahl von Preisen ausgezeichnet worden und bekommt im November auch den Schillerpreis der Stadt Mannheim. Die Laudatio wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier halten.

© dpa
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