Attacke auf Monet-Gemälde: Museum schließt zunächst

Die Attacke von Klimaaktivisten auf ein Gemälde des französischen Impressionisten Claude Monet löst Empörung aus. Der Museumsbund spricht von einer Instrumentalisierung auf Kosten des Kulturguts. Und das Potsdamer Museum Barberini verschärft die Kontrollen.
Das beleuchtete Museum Barberini spiegelt sich nach dem Regen im nassen Kopfsteinpflaster. © Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa

Nach dem Angriff von Klimaaktivisten auf ein Gemälde von Claude Monet wird das Potsdamer Museum Barberini zunächst geschlossen. Man wolle sich mit den Leihgebern der Ausstellung verständigen, sagte Museumsdirektorin Ortrud Westheider am Montag auf dpa-Anfrage. Die Hoffnung sei, am nächsten Montag, dem Reformationstag, wieder öffnen zu können.

Der Museumsgründer und Kunstmäzen Hasso Plattner hatte die Schließung zuvor in den «Potsdamer Neuesten Nachrichten» angekündigt. «Wir werden in dieser Zeit überlegen, wie wir die Sicherheit erhöhen können.» Das Museum wird von der Hasso Plattner-Stiftung betrieben. Es werde sofort Kontakt zu allen Leihgebern aufnehmen, sagte Plattner. Dort wird seit Samstag eine Surrealismus-Ausstellung gezeigt, mit Leihgaben aus 50 Museen und Privatsammlungen. Plattner sprach von einer Gefahr, dass es künftig «schwerer bis unmöglich» werde, für Ausstellungen im Museum Barberini Leihgeber zu überzeugen.

Auch der der Deutsche Museumsbund (DMB) warnte vor schwerwiegenden Folgen des Vorfalls für den Kunstbetrieb. «Ein unmittelbarer Kunstgenuss ist so bald nicht mehr möglich - da geht es hin», sagte der Sicherheitsexperte des DMB und der Hasso-Plattner-Stiftung, Remigiusz Plath, am Montag der Deutschen Presse-Agentur. «Wir werden von den Klimaaktivisten instrumentalisiert, um Aufmerksamkeit zu erregen - auf Kosten des Kulturguts.»

Der Museumsbund empfehle als Sicherheitsmaßnahmen eine Verglasung der Kunstwerke und den Einsatz von mehr Personal, erläuterte Plath. Doch eine Verglasung von großen Formaten sei gar nicht möglich. Da könne nur eine Glasscheibe vor das Gemälde gehängt werden. «Und diese Maßnahmen kosten ebenso wie mehr Personal viel Geld - und das können sich nicht alle Museen leisten», sagte der Experte. «Hundertprozentige Sicherheit haben Sie dann nur, wenn das Werk im Keller im Depot ist.»

Das Museum Barberini verschärfte am Tag nach der Attacke die Kontrollen der Besucher. Es fänden Taschenkontrollen statt, teilte eine Museumssprecherin am Montag mit. Weiterhin dürften nur Taschen bis zu einer Größe von DIN A4 in die Ausstellung mitgenommen werden.

Die Polizei ermittle gegen zwei Beschuldigte wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch, erklärte eine Polizeisprecherin. Ihnen werde vorgeworfen, das Gemälde am Sonntagnachmittag mit einer gelben Flüssigkeit bespritzt zu haben. Anschließend hätten sich die beiden in der Nähe des Bildes mit jeweils einer Hand festgeklebt.

Nach Angaben der Klimaschutz-Protestgruppe «Letzte Generation» hatten ein Mann und eine Frau am Sonntag Kartoffelbrei auf das Gemälde geschüttet. Die Gruppe forderte von der Politik wirksame Maßnahmen zur Begrenzung des Klimawandels. Das verglaste Bild wurde nach der Attacke untersucht und wurde laut Museum demnach nicht beschädigt.

Die beiden Klimaaktivisten hätten bei der Attacke Umhängetaschen getragen, die der erlaubten Größe entsprachen, so die Museumssprecherin. «Der Kartoffelbrei befand sich in kleinen Behältern, die theoretisch auch unbemerkt hätten am Körper getragen werden können.» Nach neuesten Angaben der Sprecherin waren an der Attacke insgesamt fünf bis sechs Menschen beteiligt.

Die Stiftung des Museumsgründers und Multimilliardärs Hasso Plattner hatte das Bild von Monet im Jahr 2019 für knapp 111 Millionen Euro in New York erworben. «Herr Plattner ist sehr betroffen», sagte die Museumssprecherin. «Wir stimmen unser Vorgehen eng mit ihm ab.»

Ende August hatten sich zwei junge Frauen in der Berliner Gemäldegalerie am Rahmen des Gemäldes «Ruhe auf der Flucht nach Ägypten» von Lucas Cranach dem Älteren (1472-1553) festgeklebt. Sie trugen dabei ein Plakat der «Letzten Generation». Zuvor hatte es ähnliche Aktionen von Klimaschutz-Aktivisten im Frankfurter Städel und in der Dresdner Gemäldegalerie gegeben. Die Gruppe macht schon länger mit Blockaden von Autobahnen und Kreuzungen von sich reden.

© dpa
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