Brandenburg bremst bei Vorstoß zu Berliner Nachfolgeticket

Noch drei Tage können Fahrgäste die Aktionsfahrkarte nutzen, dann gilt auch in Berlin und Brandenburg wieder der gewohnte Tarif. Berlin will das schnell ändern, doch das wird nicht ganz einfach.
Passagiere gehen an einem Bahnhof an Fahrkartenautomaten vorbei. © Jan Woitas/dpa/Symbolbild

Berlins Senat steht mit seiner Idee eines eigenen Nachfolgeangebots für das 9-Euro-Ticket vor schwierigen Gesprächen mit Brandenburg. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) wandte sich am Wochenende gegen den Vorstoß aus der Hauptstadt und sagte der «Märkischen Oderzeitung» («MOZ»/Samstag): «Hier muss ein bundeseinheitliches, attraktives und seriös finanziertes Modell gefunden werden, das für Flächenländer ebenso funktioniert wie für Stadtstaaten.»

Die Fahrgäste nutzten an diesem Samstag und Sonntag zum letzten Mal das 9-Euro-Ticket für Wochenendausflüge; mit dem Monat August endet die Rabattaktion. Nach Angaben eines Bahnsprechers gab es aber keinen größeren Andrang in den Zügen als während der zurückliegenden Wochenenden. Im Berliner Stadtverkehr sind Busse und Bahnen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) seit Beginn der 9-Euro-Aktion wieder nahezu so gefüllt wie vor Corona. Zu Beginn der Sommerferien waren sie teils sogar voller.

Der Berliner Senat will ab 1. Oktober eine vom Land finanzierte Anschlusslösung für das 9-Euro-Ticket. Wie diese aussehen kann, ist noch offen. Die SPD der Regierenden Bürgermeisterin Franziska Giffey schlug ein lokales Ticket für monatlich 9 Euro zumindest für die Stadt Berlin vor. Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) sagte aber, dass zunächst der Bund eine Anschlussregelung vorlegen müsse und es dann eine gemeinsame Lösung mit Brandenburg geben solle.

In Brandenburg zeigte sich auch Verkehrsminister Guido Beermann (CDU) irritiert. «Der Vorstoß der Berliner SPD war nicht mit dem Land Brandenburg abgestimmt», kritisierte er. Berlin und Brandenburg bildeten einen Verkehrsverbund. Dabei müssten die Interessen auf einen Nenner gebracht werden, auch bei der Ausgestaltung der Tarife. Zunächst müsse es aber darum gehen, wie das Angebot im ÖPNV trotz starker Energiepreissteigerungen aufrechterhalten werden könne.

Auch die Fraktionschefin der Grünen im Brandenburger Landtag, Petra Budke, wandte sich gegen einen Alleingang: «Eine Übergangslösung muss für den ganzen VBB gelten und darf nicht an der Stadtgrenze von Berlin nach Brandenburg enden!».

Die Naturfreunde Berlin forderten dagegen: «Wenn Brandenburg nicht mitmachen will, muss Berlin allein handeln.» Einfach ist das aber nicht. Berlin legt seine Fahrpreise im gemeinsamen Tarif mit Brandenburg fest. Dazu gibt es den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), dem neben den Ländern auch die 14 Landkreise und vier kreisfreien Städte Brandenburgs angehören, außerdem 36 Verkehrsunternehmen. Der Tarif wird vom Aufsichtsrat beschlossen.

«Die Zahlen zeigen: Das 9-Euro-Ticket wurde insgesamt sehr gut angenommen», teilte die BVG am Wochenende mit. Nach vorläufiger Bilanz hat das Unternehmen bis zum 23. August rund 3,3 Millionen 9-Euro-Tickets verkauft. Dadurch habe die Fahrgastnachfrage im Durchschnitt der drei Monate bei 94 Prozent des entsprechenden Zeitraums 2019 gelegen. Im Mai seien es noch 80 Prozent gewesen.

«Das Ticket wurde insbesondere in den Nebenzeiten genutzt, also zum Beispiel zum Einkaufen, in der Freizeit und für Ausflüge», bilanzierte die BVG. Es habe aber auch zu den Spitzen-Pendlerzeiten mehr Fahrgäste als im Mai dieses Jahres gegeben. Bis Mitte September will die BVG ermitteln, wie viele Fahrgäste wegen der günstigen Monatskarte ihr Auto stehen ließen.

BVG-Chefin Eva Kreienkamp hob hervor, dass das Ticket nicht nur günstig, sondern vor allem leicht verständlich war. «Einfach gestaltete Ticketsysteme müssen daher eine Maßgabe bei allen Überlegungen zu neuen Angeboten sein», sagte sie mit Blick auf die Diskussionen über Nachfolgelösungen. «Die drei Monate haben den Nahverkehr in den Fokus gerückt», sagte Kreienkamp. Er müsse nun langfristig attraktiv gestaltet werden.

© dpa
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