Nach Kritik an Corona-Politik kämpft Amtsarzt vor Gericht

Für Corona-Skeptiker ist er der Beleg, dass der Staat in der Pandemie weit über das Ziel hinausgeschossen ist. Amtsarzt Pürner wurde nach öffentlicher Kritik an den Regierenden auf einen neuen Posten versetzt. Nun will er mit Hilfe der Justiz seinen Ruf retten.
Friedrich Pürner, demonstriert an der Coronastation das richtige Ablegen einer Atemschutzmaske. © Stefan Puchner/dpa/Archiv

Der in der Corona-Krise als Leiter des Gesundheitsamtes im Landkreis Aichach-Friedberg abgelöste Behördenchef Friedrich Pürner versucht vor Gericht seinen Ruf wieder herzustellen. Das Verwaltungsgericht in Augsburg verhandelte am Donnerstag mehrere Klagen des Mediziners gegen den Freistaat. «Ich möchte rehabilitiert werden», sagte Pürner in der Verhandlung.

Pürner musste im Herbst 2020 kurzfristig seinen Posten räumen, nachdem er die Corona-Politik der Staatsregierung kritisiert hatte. Pürner wurde dann ans Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit versetzt. Dies war von ihm und vielen anderen als Strafversetzung des Beamten verstanden worden.

Mittlerweile ist er an der Regierung von Oberbayern beschäftigt. Dort ist er für die Abnahme von Gesundheitsprüfungen zuständig. Der 55-Jährige machte klar, dass es ihm darum gehe, wieder angemessen als Amtsarzt beschäftigt zu werden. Er müsse noch 10 bis 12 Jahre in dem Job arbeiten und sei bereits am Ende seiner Karriere. «Ich bin doch politisch verbrannt», meinte er.

Der Vertreter des Freistaats widersprach in dem Prozess, dass Pürner damals mit seiner Versetzung ans Landesamt sanktioniert werden sollte. Pürner sollte an der Digitalisierung der Gesundheitsämter mitarbeiten und sei dafür qualifiziert gewesen. «Ein Schaden hat der Kläger nicht gehabt.»

Der Fall hatte in der Pandemie über Schwaben hinaus für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Pürner hatte beispielsweise die Maskenpflicht und die Schließung ganzer Schulklassen bei einzelnen Corona-Fällen kritisiert. Corona-Skeptiker sahen ihn daher als Vorbild, auch Kollegen solidarisierten sich mit ihm. Ein im Internet veröffentlichter offener Brief wurde von Hunderten Medizinern unterzeichnet. Bis heute kommentiert Pürner insbesondere auf Twitter die Corona-Politik kritisch.

Im März 2021 beschäftigte sich auch der Landtag in München mit dem Fall, weil eine Bürgerin eine Petition pro Pürner eingereicht hatte. Wegen des schwebenden Verfahrens beim Verwaltungsgericht wurde über die Petition damals aber zunächst nicht entschieden.

Letztlich einigten sich die Parteien in der Verhandlung am Donnerstag darauf, unter Moderation des Gerichts noch einmal nach einer gütlichen Einigung zu suchen. Die Klagen Pürners ruhen so lange.

© dpa
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