Zverev kritisiert Aus für russische Profis: «Eine Familie»

22.04.2022 Das Wimbledon-Aus für russische Tennisprofis lässt auch Alexander Zverev nicht kalt. Der Olympiasieger hat selbst russische Wurzeln und arbeitet mit einem Ukrainer zusammen. Und: Einer seiner besten Freunde ist beim Rasen-Klassiker betroffen.

Alexander Zverev spricht im Rahmen der ATP-Tour in München bei einer Pressekonferenz. © Sven Hoppe/dpa

Tennis-Olympiasieger Alexander Zverev sprach - so beschrieb er es selbst - aus dem Herzen. Mit dem Beschluss der Wimbledon-Organisatoren, russische und belarussische Tennisprofis vom Rasen-Klassiker auszuschließen, zeigte sich der Deutsche alles andere als glücklich. «Die Entscheidung zeigt, dass die verschiedenen Tennis-Gemeinschaften nicht zusammenstehen», sagte der 25-Jährige am Freitag. «Wir spielen das ganze Jahr auf der Herren-Tour mit einer Regel. Nämlich, dass die russischen Tennisspieler nicht unter russischer Flagge spielen dürfen.»

Er sehe keinen Grund, Einzelspieler in Wimbledon auszuschließen, betonte Zverev in München. Gleichzeitig befürwortete Deutschlands bester Tennisspieler die Entscheidung des Weltverbands ITF, Russland und Belarus von Mannschaftswettbewerben wie dem Davis Cup auszuschließen. «Das finde ich völlig korrekt. Weil das sind wirklich Sanktionen gegen Russland», sagte Zverev.

Als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine hatten die Wimbledon-Organisatoren beschlossen, dass Profis aus Russland und Belarus bei dem Rasen-Klassiker im Sommer nicht dabei sein dürfen. Betroffen davon ist neben dem Weltranglisten-Zweiten Daniil Medwedew auch Zverevs guter Kumpel Andrej Rubljow. Wie am Freitag bekannt wurde, prüft auch Italiens Regierung einen möglichen Ausschluss russischer Tennisprofis beim Turnier im Mai in Rom.

Die Damentennis-Organisation WTA erwägt nun Sanktionen gegen Wimbledon - das berichtete die französische Sportzeitung «L'Equipe» unter Berufung auf eine entsprechende E-Mail von WTA-Chef Steve Simon. Darin verurteile der Amerikaner zwar den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Simon verweise aber auch darauf, dass noch nie einer Spielerin die Teilnahme an einem Turnier aufgrund der Handlungen ihrer jeweiligen Regierung verwehrt worden sei.

Dieser Meinung ist auch Zverev, der den Krieg als «unmenschlich» bezeichnete. «Das darf nicht auf der Welt passieren. Alles andere, auch der Sport, steht momentan an dritter oder vierter Stelle», erklärte der Hamburger. Wimbledon mache aktuell allerdings, «was sie wollen». Rubljow etwa lebt seit vielen Jahren in Spanien, Medwedew in Frankreich. «Sie können am Ende nichts dafür, dass sie aus Russland kommen», sagte Zverev, der mit «einem seiner besten Freunde» Rubljow im Kontakt stehe.

Der Russe zeigte sich von der Entscheidung ebenso enttäuscht wie sein Landsmann Karen Chatschanow. «Ich bin betrübt und ratlos, dass diese Dinge jetzt gerade jetzt passieren, dass wir an diesen Punkt gekommen sind», sagte Chatschanow am Freitag. Rubljow hatte angeboten, sein Preisgeld in Wimbledon zu spenden. «Ich denke schon, dass man diesen Einzelsportlern die Chance geben sollte, zu zeigen, dass sie gegen Krieg sind. Wenn Andrej sein ganzes Preisgeld spenden will, warum sollte er dann nicht in Wimbledon spielen?», fragte Zverev.

Der 25-Jährige wies auch auf weitere sportliche Konsequenzen des Wimbledon-Beschlusses hin. «Irgendwann ergibt auch die Tennis-Rangliste keinen Sinn. Wenn du als Top-Spieler kein Grand Slam spielen darfst, macht es keinen Sinn, die Rangliste zu haben», sagte Zverev.

Die Entscheidung der Wimbledon-Organisatoren sorgt auch unter aktuellen und früheren Profis für reichlich Kontroversen.
Der serbische Top-Star Novak Djokovic und Tennis-Ikone Martina Navratilova kritisierten den Alleingang. Die Russin Darja Kasatkina reagierte mit Verständnis. Zverev sieht nun die Profi-Organisationen ATP, WTA und ITF in der Pflicht: «Wir sind alle Tennisspieler. Wir sind alle eins. Wir sind eine große Familie.»

Viele Tennisprofis, darunter auch die ukrainische Top-Spielerin Jelena Switolina, fordern seit Kriegsbeginn von ihren russischen Kollegen ein klarere Haltung. Das Problem: Wer sich in Russland öffentlich gegen den Krieg ausspricht, dem droht neben strafrechtlichen Konsequenzen auch der komplette Verlust der Existenz. Es darf öffentlich nicht das Wort Krieg benutzt werden, sondern nur die von Kremlchef Wladimir Putin festgelegte Formulierung «militärische Spezial-Operation».

Zverev selbst wurde in Hamburg geboren und hat russische Eltern. Sein Bruder Mischa stammt aus Moskau. Als Manager seines Bruders arbeitet Mischa auch mit dem Ukrainer Sergej Bubka junior zusammen.

© dpa

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