Oktoberfest: Nass, kalt - und ohne Glühwein

Kälte hat manchem den Wiesnbesuch verleidet: Der Andrang hält sich in Grenzen. Bei den Getränken bleibt es trotz Kälte vor allem beim Bier.
Zahlreiche Gäste feiern im Hacker-Pschorr-Zelt den Beginn der Wiesn. © Sven Hoppe/dpa

Dicke Jacken, Regenschirme - fröstelnde Gäste: Nasskaltes Wetter dämpft weiter das Interesse am Oktoberfest. Auf den Straßen des Festgeländes herrschte am Montag wenig Betrieb - die meisten zog es ins Bierzelt. Bei Temperaturen um zehn Grad fragt mancher: Wann gibt's Glühwein?

Die Festleitung könne den Verkauf von Glühwein tageweise genehmigen, wenn - so die Betriebsvorschriften - der Eisverkauf infolge ungünstiger Witterung stark beeinträchtigt sei, hieß es auf Anfrage. Im Moment gebe es hierzu aber keine Veranlassung. In den nächsten Tagen soll es zumindest mittags um die 13 Grad haben.

2008 war bei Temperaturen unter zehn Grad Glühwein an den Eisständen ausgeschenkt worden, da diese am wenigsten Geschäft machten. Allein an den letzten Wiesn-Tagen wurden damals über 2000 Liter Glühwein getrunken. «Das Konsumangebot nähert sich bei diesen Temperaturen immer mehr dem Christkindlmarkt», kommentierte zum Wiesn-Ende der damalige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD).

Die Wiesn-Sanitätsstation musste weniger Patienten versorgen als bei der letzten prä-pandemischen Wiesn 2019. Vor allem am Sonntag sei es wetterbedingt ruhig gewesen, teilte die Aicher Ambulanz am Montag mit. Die Patienten waren in der Mehrzahl zwischen 16 und 25 Jahre alt. Blasenpflaster seien besonders gefragt gewesen, ein Grund war wohl der kilometerlange Trachten- und Schützenzug durch die Stadt.

Als erste sonntägliche Patientin mit zu viel Alkohol trugen die Helfer kurz vor 16.00 Uhr eine junge Frau aus den USA in die Station - laufen konnte sie nicht mehr. Auch am Samstag war das erste Bier-Opfer eine junge Frau. Knapp 620 Patienten versorgten die Teams am Wochenende. 2019 waren es allein am Samstag fast 560 gewesen.

Gut 30 Mal kam der mobile Computertomograph zum Einsatz, der - den Ärzten zufolge eine Weltpremiere - erstmals auf einem Volksfest steht. CTs wurden vor allem bei Kopfverletzungen gemacht, um eine lebensbedrohliche Hirnblutung auszuschließen und den Verletzten eine Einweisung ins Krankenhaus zu ersparen.

Die Polizei meldete ebenfalls einen eher ruhigen Verlauf. Es gab zwei Schlägereien. Eigens zum Oktoberfest angereiste Taschendiebfahnder legten mehreren Tätern das Handwerk.

Wissenschaftler wie Politiker rechnen mit einer Corona-Welle nach der Wiesn. Regelmäßig schnellten nach Volksfesten die Inzidenzen hoch auf um die 1000, zuletzt etwa nach dem Gillamoos in Abensberg. Die Inzidenz lag in München am Montag laut Robert Koch-Institut (RKI) bei knapp über 200.

Bei freiwilligen PCR-Tests des Münchner Radiosenders Gong 96.3 mit der Alpha Rettung München am Samstag waren zwei von hundert Oktoberfest-Besuchern positiv. Bei beiden sei die Virenlast sehr hoch, Symptome aber nicht vorhanden gewesen, teilte der Sender mit. Auch wenn die Stichprobe klein war: Das entspräche einer Inzidenz weit über der derzeit für München gemessenen von 200.

Bundesgesundheitsminister Karl-Lauterbach (SPD) hatte zum Testen vor dem Zeltbesuch gemahnt, aus «Rücksicht auf andere». Vorerkrankten riet er vom Besuch ab. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hätte am liebsten eine 1G-Wiesn nur für Getestete gehabt. Doch habe es von Bund und Freistaat keine Rechtsgrundlage gegeben, sagte er im April.

Die Wiesn dauert einen Tag länger bis 3. Oktober, da der Tag der Deutschen Einheit auf Montag nach dem letzten Wiesn-Sonntag fällt.

© dpa
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