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Wagners Marathon-Mann: Tenor Stephen Gould beendet Karriere

Er war Bayreuths Marathon-Mann, sang die großen Wagner-Partien - nun hat der Tenor Stephen Gould überraschend seine Karriere beendet. Schon in diesem Sommer hatte er seine Auftritte bei den Festspielen abgesagt.
Stephan Gould
Fotoprobe «Tristan und Isolde» mit Stephen Gould. © Enrico Nawrath/Festspiele Bayreuth/dpa/Archivbild

Drei Mammut-Partien sollte Stephen Gould einmal mehr bei den Bayreuther Festspielen singen: Siegfried, Tristan und Tannhäuser. Das sind keine Spaziergänge. Das sind jeweils für sich Marathon-Läufe der Opernwelt. Doch die Gesundheit bremste ihn in diesem Jahr aus, er sagte ab. Nun beendet Gould seine Karriere komplett. Der US-Amerikaner müsse sich aus gesundheitlichen Gründen von der Bühne verabschieden, teilte sein Management mit.

Gould, Jahrgang 1962, zählt zu den wichtigsten Heldentenören der vergangenen Jahrzehnte. Im Mai 2015 wurde er in der Wiener Staatsoper mit dem Titel «Österreichischer Kammersänger» ausgezeichnet.

Den Bayreuther Festspielen ist Gould eng verbunden. Er debütierte hier vor 19 Jahren als Tannhäuser. Damals leitete noch Wolfgang Wagner (1919-2010) das weltberühmte Festival. Gould, der schnell zum Publikumsliebling am Grünen Hügel avancierte, sang auch häufig die Titelpartie in «Tristan und Isolde», die als besonders herausfordernd gilt. Als Tristan war er in Bayreuth erstmals 2015 zu hören, es war die Inszenierung von Festspiel-Chefin Katharina Wagner, es dirigierte damals Christian Thielemann.

2022 sagte Gould dem Sender BR Klassik: «Ein Sprinter bin ich nicht. Eher ein Langstreckenläufer. Es ist schade, dass in unserer Welt mit Tik-Tok alles in kürzester Zeit passieren muss. Wagner ist keine Oper, ist kein Entertainment. Es ist eine Meditation, ein Mantra.»

Zudem glänzte er im vergangenen Jahr beim ersten Festspiel-Open-Air in Bayreuth und bekam großen Jubel nicht nur für Ausschnitte aus Wagners Werk, sondern auch für das Lehár-Lied «Dein ist mein ganzes Herz». Die Festspiele ohne Gould, dem Bayreuther «Iron Man» - für viele Wagnerianerinnen und Wagnerianer ist das in den vergangenen Jahren undenkbar geworden.

Doch Gould schmiedet laut seinem Management schon neue Pläne: «Ich werde mich erst einmal voll und ganz auf meine Gesundheit konzentrieren und danach meinen zweiten Traum erfüllen: Ich möchte junge talentierte Sänger in Meisterklassen unterrichten, meine Erfahrungen an sie weitergeben und sie gern ein Stück auf ihrem Weg ihrer Gesangskarriere begleiten.»

Weiter sagte er: «Ich blicke voller Dankbarkeit auf meine rund dreißigjährige Karriere und die Begegnung und Zusammenarbeit mit vielen herausragenden künstlerischen Persönlichkeiten in wichtigen Opernproduktionen und Konzertprojekten rund um den Globus zurück, und der Abschied fällt mir außerordentlich schwer.»

Außer in Bayreuth und in Wien war Gould auch häufig etwa in Tokio oder Berlin zu hören. Bevor er sich im deutschen Fach etablieren konnte, sang er beispielsweise in zahlreichen Aufführungen des Musicals «Das Phantom der Oper».

© dpa ⁄ Kathrin Zeilmann und Britta Schultejans, dpa
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