Fragestunde: Was sagt die Bahn zur zweiten Stammstrecke?

Bislang sind es nur Befürchtungen: Der Bau der zweiten Stammstrecke für die S-Bahn könnte deutlich teurer werden und sehr viel später fertig sein. Konkrete Zahlen nannte die Bahn bislang nicht. Nun muss sie sich in München den Fragen von Stadt und Freistaat stellen.
Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern. © Peter Kneffel/dpa

Wie viel wird die zweite S-Bahn-Stammstrecke in München kosten und wann kann sie in Betrieb genommen werden? Fragen, auf die sich die Stadt München und der Freistaat Bayern dringend Antworten erhoffen. Am Mittwoch soll die Deutsche Bahn (DB) Rede und Antwort stehen, erst in der Vollversammlung des Münchner Stadtrats, dann in der Staatskanzlei. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat den Termin selbst in die Hand genommen, seit Ende Juni bekannt wurde, dass es Hinweise auf massive Kostensteigerungen gibt und jahrelange Verzögerungen bei dem Großprojekt zu befürchten sind.

Zu dem Treffen mit Söder in der Staatskanzlei hat sich der Bahn-Vorstandschef Richard Lutz angekündigt, auch Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sowie Landräte umliegender Landkreise nehmen an dem für 13.00 Uhr angesetzten Treffen teil. Bereits am Vormittag erwartet der Stadtrat Klaus-Dieter Josel, den Konzernbevollmächtigten der Bahn für Bayern. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) will sich unter anderem dafür einsetzen, dass sich schon vor Fertigstellung der Stammstrecke bereits das Angebot und die Betriebsqualität deutlich verbessern.

Die drängendste Frage in beiden Gremien: Wie sehen die Zahlen wirklich aus? Derzeit geht das bayerische Verkehrsministerium davon aus, dass die Kosten für den Bau der zweiten S-Bahn-Röhre quer durch die Münchner Innenstadt von 3,85 auf bis zu 7,2 Milliarden Euro steigen könnten. Zudem könnte sich die Inbetriebnahme von 2028 auf 2037 verzögern. Details dazu liegen aber bislang nicht vor.

Ob die Bahn am Mittwoch wirklich die ersehnten Zahlen vorlegen kann, ist fraglich. Eine neue Nutzen-Kosten-Analyse wurde in Auftrag gegeben. Doch bei der Frage nach den Ergebnissen hatte Josel erst kürzlich im Verkehrsausschuss des Landtags die Abgeordneten auf Ende September, Anfang Oktober vertröstet. Auch Söder schränkte ein: Er rechne nicht damit, dass bei dem Treffen der «gordische Knoten» durchschlagen werde, aber er hoffe auf «belastbare Fakten». Bis zum Herbst müssten die endgültigen Entscheidungen über die weitere Finanzierung des Projekts stehen. Einen Baustopp lehnen Söder und Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) kategorisch ab.

© dpa
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