Bahn bleibt bei umstrittener Variante von Brenner-Nordzulauf

Die Bahn-Planungen für die künftige Strecke zum neuen Brenner-Tunnel sind rund um Rosenheim heftig umstritten. Doch die Kritik führt nicht zu einer neuen Planung. Das Unternehmen glaubt, auch vor Gericht wird es nichts an dem Projekt zu rütteln geben.
Ein Güterzug fährt durch das Inntal. © Angelika Warmuth/dpa/Archivbild

Die Deutsche Bahn (DB) hält an ihrer umstrittenen Variante für den sogenannten Brenner-Nordzulauf bei Rosenheim fest. Die Vorstellung der Pläne des Unternehmens hatte im Sommer für erheblichen Ärger im oberbayerischen Umland gesorgt. Die Kritik führt allerdings nicht zu einer Umplanung.

Ein «Stresstest» habe die Vorteile der bisherigen Auswahltrasse bestätigt, teilte die DB nun mit. «Aus Sicht der Sachverständigen und Gutachter wurden alle Kritikpunkte widerlegt.» Die Bahn betonte, die geplante Neubaustrecke entlaste Menschen von lautem Güterverkehr. Auf der bisherigen Bahnlinie würden künftig dann nur noch 28 von bisher 146 Güterzügen bleiben. Die favorisierte Strecke habe das «beste Kosten-Wirksamkeits-Verhältnis».

Die Bahn hatte vier andere untersuchte Varianten ausgeschlossen. Es geht um neue Gleise zwischen Ostermünchen im Landkreis Rosenheim und Grafing im Landkreis Ebersberg. Anwohner und Politiker der Region hatten gegen die Festlegung der DB protestiert. «Wir sind entsetzt darüber, mit welcher Arroganz und Ignoranz sich die Bahn über die gemeinsamen Vorschläge von Kreistag, Gemeinden, engagierten Bürgern und Landwirtschaft für einen bestandsnahen Ausbau hinwegsetzt», sagte der Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß (CSU).

Nach dieser Kritik hatte die Bahn eine nochmalige «ergebnisoffene Überprüfung» zugesichert. Nunmehr sei aber das Trassenauswahlverfahren für den Abschnitt Grafing-Ostermünchen abgeschlossen, betonte die Bahn. «Das Ergebnis wird aus Sicht der DB sowohl im späteren Planfeststellungsverfahren als auch einer juristischen Überprüfung standhalten.»

Die Bürgerinitiative Brennernordzulauf Landkreis Ebersberg kritisierte, dass die Bahn an ihren Planungen festhält. Der sogenannte Stresstest sei nur eine «fadenscheinige Prüfung» gewesen und das Ergebnis nicht überraschend, teilte die Initiative am Freitag mit. Sie forderte eine unabhängige Prüfung, da bei der DB «bereits schon auf dem ersten Blick zahlreiche Unstimmigkeiten auffallen».

In dieser Woche machten auch die Regierungsfraktionen im Landtag in München erneut klar, dass sie eine andere Trasse als die Bahn bevorzugen. Die DB solle die geplante Trasse für den Brenner-Nordzulauf neu priorisieren, forderte die CSU. Die Freie-Wähler-Fraktion betonte, es sei wichtig, dass solch ein Projekt von den Menschen vor Ort akzeptiert werde. Beide Parteien sprachen sich für die Variante aus, die sich stark an der bisherigen Bahnlinie orientiert.

Die mehr als 15 Kilometer lange Strecke soll später als Zubringer zum Brenner-Basistunnel dienen. Der Tunnel wird in Österreich und Italien gebaut und soll etwa in zehn Jahren fertig sein. Die deutsche Strecke zum Tunnel soll allerdings erst deutlich später in Betrieb gehen, etwa in zwei Jahrzehnten.

© dpa
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