Lehrer fühlen sich bei der Inklusion allein gelassen

30.05.2022 Bei der Inklusion von Menschen mit Behinderung fühlen sich Lehrkräfte nach Einschätzung des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) allein gelassen. Der BLLV bezieht sich dabei auf eine Befragung von 695 Lehrkräften zum schulischen Alltag, wie der Verband am Montag mitteilte. «Inklusion wird heute nur durch den Einsatz und den pädagogischen Idealismus von Lehrerinnen und Lehrern am Leben gehalten», sagte die Vorsitzende des BLLV, Simone Fleischmann. Inklusion dürfe kein «Sparmodell» sein, sagte sie ans bayerische Kultusministerium gerichtet.

Schwamm und Kreide liegen in einem Klassenraum unter einer Tafel. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild

97 Prozent der befragten Lehrkräfte halten laut BLLV die Inklusion unter den derzeitigen Rahmenbedingungen für nicht realisierbar. Lediglich von Schulbegleitung, Kollegium und Schulberatung vor Ort fühlten sich die Lehrkräfte unterstützt. Doch es fehle vor allem an Personal, guten Fortbildungsangeboten und Zeit.

Auch Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf werden laut Umfrage bei der Klassenbildung kaum berücksichtigt. So seien inklusive Klassen meist so groß wie nicht-inklusive. Lehrkräfte hätten dann nicht mehr Zeit, sich den einzelnen, förderbedürftigen Kindern zu widmen. Zudem hätten die Lehrerinnen und Lehrer kaum Möglichkeiten sich fortzubilden. «Natürlich gibt es Fortbildungen und Unterstützungssysteme, aber nur in homöopathischen Dosen», betonte Fritz Schäffer, der Leiter der Abteilung Schul- und Bildungspolitik des Verbandes.

Der BLLV fordert daher, dass bei Budgetierung und Stundenzuweisung an den Schulen Kinder mit Förderbedarf dreifach gezählt werden. Dadurch würden Klassen, denen Kinder mit Förderbedarf angehören, kleiner. So hätten die Lehrkräfte mehr Zeit, diese Kinder bedarfsgerecht zu fördern. Auch müsse es nach Ansicht des BLLV mehr Fortbildungsmöglichkeiten, mehr Lehrerstunden sowie Stunden für Sonderpädagogen an Schulen geben, die sich für Inklusion einsetzen.

Der Freistaat hat seit 2011 rund 1100 neue Stellen für die Umsetzung der Inklusion bereitgestellt, teilte das bayerische Kultusministerium mit. Ein großer Teil dieser Stellen werde mit Lehrkräften für Sonderpädagogik oder Lehrkräften zur Unterstützung von Einzelinklusion besetzt. Ebenso sei das Thema Inklusion fester Bestandteil der Lehrerbildung.

© dpa

Weitere News

Top News

Musik news

Berlin: «Familie wieder zusammen»: Seeed mit Open-Air-Marathon

Tv & kino

Medien: RBB-Affäre führt zu weiteren personellen Konsequenzen

1. bundesliga

Transfers: Wechsel perfekt: Timo Werner kehrt zu RB Leipzig zurück

Familie

57.000 Produkte: Studie zeigt Umweltauswirkungen tausender Lebensmitteln auf

People news

Leute: Trauer um «Grease»-Star Olivia Newton-John

Das beste netz deutschlands

Tipps für Eltern: Kinderfotos im Netz anonymisieren oder Zugriff beschränken

Handy ratgeber & tests

Featured: James-Webb-Aufnahmen in VR: Die Bilder des Weltraumteleskops kannst Du jetzt auch in Virtual Reality bestaunen

Auto news

Umfrage: Viele Autofahrer trauen sich Fahrprüfung nicht mehr zu

Empfehlungen der Redaktion

Regional bayern

Maßnahmen: Schulstart am Montag: Noch eine Woche Testpflicht

Regional bayern

Sachsen stellt 719 Lehrkräfte zum zweiten Halbjahr ein

Inland

Schulen in Deutschland: Umfrage: Fast alle Lehrkräfte am Rand der Erschöpfung

Regional bayern

Omikron-Welle auch in Schulen spürbar: Noch keine Schließung

Regional baden württemberg

Bildung: Gewerkschaft: Lehrer-Umfrage muss «Alarmsignal» sein

Regional bayern

Bildung: Lehrermangel an Grund- und Mittelschulen spitzt sich zu

Regional bayern

Schulen: Thüringen hofft auf Hilfe von Russisch-Lehrern im Ruhestand

Regional bayern

Krieg in der Ukraine: «Willkommensgruppen» an Schulen geplant