Warnung der Wirtschaft: Standort in Gefahr

Appelle, Mahnungen und Warnungen sind täglich Brot für Interessenverbände jeder Art. Die Warnungen der Wirtschaft vor einem drohenden Super-Gau für Bayerns Unternehmen gehen jedoch über das Übliche weit hinaus.
Bertram Brossardt, vbw Hauptgeschäftsführer, spricht bei einer Pressekonferenz. © Tobias Hase/dpa/Archivbild

Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) warnt in dramatischen Worten vor einer existenziellen Bedrohung für Bayerns Unternehmen. Alle drei Säulen - Industrie, Handwerk und Handel - seien in Gefahr, sagte Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt am Freitag. Ursache sei «ein noch nie da gewesener Krisen-Cocktail»: rasant steigende Energiekosten, Sorgen um die Versorgungssicherheit, Preissteigerungen, Materialengpässe, Lieferschwierigkeiten und Arbeitskräftemangel.

Die vbw geht Brossardt zufolge davon aus, dass die erwartete Rezession bis ins übernächste Jahr andauern wird. Die Energieversorgung werde auch im übernächsten Winter 2023/24 «extrem schwierig». Wenn Blumenläden oder Gastronomen in großer Zahl schließen müssten, sei das nicht nur ein wirtschaftliches Problem, sagte Brossardt. «Das ist für unser Bayern auch eine sehr emotionale Frage.» In der Industrie wird nach Worten des vbw-Hauptgeschäftsführers wieder verstärkt über die Verlagerung der Produktion ins Ausland diskutiert. «Unser Standort ist einfach zu teuer.»

Die Gewerkschaften sehen die Lage vieler Unternehmen ebenfalls als sehr schwierig, halten die Abwanderung ins Ausland aber für das falsche Rezept. Standortverlagerung sei schon in der Vergangenheit ein Irrweg gewesen, sagte der DGB-Landesvorsitzende Bernhard Stiedl unter Verweis auf die gestörten internationalen Lieferketten.

«Eine Abwanderung von Unternehmen ins Ausland gilt es daher ebenso zu verhindern wie Entlassungen von Arbeitskräften». Stiedl forderte «passgenaue Stabilisierungsprogramme» für Betriebe. «Wenn staatliche Gelder fließen, müssen die Unternehmen in die Pflicht genommen werden, Beschäftigung zu sichern und gute Arbeit anzubieten.» Stiedl plädierte für kräftige Lohnerhöhungen, um die Binnennachfrage und die Wirtschaft insgesamt zu stärken - eine Forderung, die Brossardt ablehnt.

Um Bayerns Energieversorgung sicherzustellen, forderte der vbw-Hauptgeschäftsführer die Staatsregierung auf, den langsamen Ausbau der erneuerbaren Energien zu beschleunigen und sich mit aller Kraft für die geplanten Stromtrassen von Nord- nach Süddeutschland einzusetzen: «Wir brauchen diese Stromleitungen.» Die Bevölkerung müsse überzeugt werden. «Ohne das geht es derzeit nicht.» Brossardt forderte darüber hinaus, auch Wasserkraft und Biogasanlagen in Bayern wieder auszubauen.

© dpa
Weitere News
Top News
Reise
Weitgehend unentdeckte Perlen : Südosten Europas will 2023 mit Kulturhauptstädten glänzen
Fußball news
Fußball-WM in Katar: Bierhoffs Votum für Füllkrug: «Zentraler Stürmer immer gut»
Musik news
Musik: Trauer um Fleetwood-Mac-Musikerin Christine McVie
Internet news & surftipps
Internet: Dschungel-TV «7 vs. Wild» an Spitze der Youtube-Charts 2022
People news
Film: Diane Kruger: «Wollte lange keine Kinder haben»
Tv & kino
Featured: Nicht so stille Weihnachten: Das sind Deine GigaTV-Highlights im Dezember
Auto news
Rutschgefahr: Fahren auf Eis und Schnee: Mit Vorsicht und viel Gefühl
Internet news & surftipps
Umfrage: DGB: Viele empfinden Digitalisierung im Job als Belastung
Empfehlungen der Redaktion
Wirtschaft
Energiekrise: Das Gespenst der Deindustrialisierung
Regional bayern
Energiekrise: Verband sieht Wirtschaftsstandort Bayern in Gefahr
Regional bayern
Preisanstieg: Bayerns Gas- und Ölrechnung doppelt so hoch
Regional bayern
Energie: Sorge vor Gasmangel: Aiwanger und vbw für schnellere Hilfe
Regional bayern
Industrie: Metall- und Elektroindustrie exportiert mengenmäßig weniger
Regional bayern
Gewerkschaften: Deutschlernen in der Metallindustrie mit Flüchtlings-Tarif
Regional bayern
Wirtschaft: Fußball-WM für Einzelhändler ein lahmes Geschäft
Regional bayern
Arbeitsmarkt: Bayern will längere Höchstarbeitszeit: Kritik