Mann stirbt bei Streit: Hauptangeklagter bedauert Tat

Immer wieder Drogen und Alkohol, wenig Geld: Im unterfränkischen Bad Neustadt testen junge Erwachsene ihre Grenzen. Man ist befreundet, es gibt aber auch Streit - mit fatalen Folgen für einen jungen Vater.
Ein wegen Mordes angeklagter Mann steht zum Prozessbeginn in der Stadthalle. © Daniel Karmann/dpa

Etwa zehn Monate nach dem gewaltsamen Tod eines Mannes in Unterfranken hat ein wegen Mordes angeklagter 19-Jähriger die Tat gestanden. Der kahlrasierte Mann ließ über seinen Verteidiger erklären, er bedauere das Geschehen und finde keine Worte für sein Verhalten. Dass er bei dem Opfer Schulden in Höhe von 100 Euro gehabt habe, ließ der Angeklagte zu Prozessauftakt am Dienstag vor dem Landgericht Schweinfurt zurückweisen.

Warum er letztlich im vergangenen November den 26-Jährigen bei Bad Neustadt/Saale mit einem Messer tötete, blieb zunächst unklar. Er gab aber zu, sich über das Verhalten des Opfers zuvor geärgert zu haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft den zwei Hauptverdächtigen, einem 19 und einem 21 Jahre alten Deutschen, Mord vor. Laut Anklage ärgerte sich der 19-Jährige darüber, dass der 26-Jährige von ihm 100 Euro verlangte - unberechtigterweise, wie der Anwalt des Angeklagten sagte. Alle Beteiligten sollen regelmäßig Drogen genommen und Alkohol getrunken haben, eine Ausbildung hat keiner der Verdächtigen.

Der 21-Jährige war der Staatsanwaltschaft zufolge in die Pläne des 19-Jährigen eingeweiht. Der junge Mann erklärte hingegen über seinen Anwalt, er habe nicht gewusst, dass sein Freund das Opfer töten wollte. «Ich war schockiert.» Er selbst habe am Tatort nur ein Messer dabei gehabt, weil er vermutete, das Opfer könnte ihm etwas antun. Als der 19-Jährige den 26-Jährigen plötzlich mit einem anderen Messer attackierte, habe er versucht, den Angreifer von der Tat abzuhalten.

Der dritte Angeklagte, ebenfalls 21, ist wegen Beihilfe zum Mord angeklagt - er wies die Vorwürfe mittels seines Verteidigers zurück. Zwar habe er den beiden Hauptangeklagten ein Messer geliehen, aber nicht gewusst, dass die Tötung des Opfers beabsichtigt gewesen sei. «Hieran hätte ich im Traum nicht gedacht», sagte der Verteidiger im Auftrag seines Mandanten.

Spaziergänger hatten den Toten am 22. November 2021 neben einem Radweg am Rand der Kleinstadt im Landkreis Rhön-Grabfeld entdeckt. Sechs Messerstiche wies der Körper des Mannes, der Vater einer Tochter war, auf.

Bis zum 27. Oktober sind in dem Prozess insgesamt sieben Verhandlungstage angesetzt.

© dpa
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