Nach Zugunglück prüft Bahn rund 200.000 Betonschwellen

Das schwere Bahnunglück in Oberbayern Anfang Juni hat Konsequenzen für die gesamte Bahninfrastruktur in Deutschland. Die DB hat begonnen, Betonschwellen systematisch zu untersuchen.
Der Schriftzug mit Logo steht an der Zentrale der Deutschen Bahn in Berlin. © Fabian Sommer/dpa/Symbolbild

Mehr als einen Monat nach dem schweren Zugunglück im oberbayerischen Garmisch-Partenkirchen mit mehreren Toten will die Deutsche Bahn (DB) Tausende Betonschwellen überprüfen. Die Arbeiten seien vorsorglich, teilte der Konzern am Mittwoch mit. Bei den untersuchten Betonschwellen handele es sich um den gleichen Bautyp wie auf dem Streckenabschnitt des verunglückten Zugs. Die dort verwendeten Schwellen würden derzeit von den ermittelnden Behörden überprüft.

«Auch wenn die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind und die Unfallursache noch nicht feststeht, hat die DB rein vorsorglich entschieden, baugleiche Schwellen im Netz zu untersuchen», teilte die Bahn mit. Sollten Auffälligkeiten festgestellt werden, würden diese Schwellen schnellstmöglich ausgetauscht. In einigen Fällen sei dies bereits passiert. Durch die Arbeiten könne es zu Umleitungen oder Verspätungen kommen, hieß es weiter.

Am 3. Juni war ein Regionalzug in Bayern von Garmisch-Partenkirchen nach München entgleist. Vier Frauen sowie ein 13-Jähriger starben. 16 Menschen wurden schwer verletzt, etwa 50 leicht. Es war einer der schwersten Bahnunfälle in den vergangenen Jahren in der Bundesrepublik.

Zuletzt gab es immer mehr Hinweise, die für den von Anfang an bestehenden Verdacht sprachen, dass das Unglück durch technische Mängel verursacht worden sein könnte. So ist in einer Drucksache des Verkehrsausschusses des Bundestages von einer Schienenverschiebung und «zum Teil vorgeschädigten Betonschwellen» die Rede. Es soll zu Brüchen in den Schwellen gekommen sein, wodurch sich unter der Last der Züge die Schienen verschoben hätten.

Die Ermittler hatten sich bislang zu den Erklärungen aus dem Bundestagsdokument nicht im Detail geäußert. Auch knapp eineinhalb Monate nach dem Unglück ist die Strecke weiter gesperrt. Die Staatsanwaltschaft hat wegen der laufenden Untersuchung die Gleise noch nicht freigegeben. Wann dies erfolgt, ist unklar. Danach müssen zunächst einmal umfangreiche Reparaturarbeiten stattfinden, bevor wieder Züge fahren können. Die Bahn hat vorläufig einen Schienenersatzverkehr mit Bussen zwischen Oberau und Garmisch-Partenkirchen eingerichtet.

Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt gegen drei Bahnmitarbeiter wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung. Was ihnen genau vorgeworfen wird, ist nicht bekannt. Bis zum Abschluss des Verfahrens bleibe offen, ob die Beschuldigten tatsächlich eine Schuld treffe, hatte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft betont.

Insgesamt sollen laut DB nun bundesweit rund 200.000 der Schwellen im gesamten deutschen Streckennetz geprüft werden. Dies entspricht den DB-Angaben zufolge etwa 0,25 Prozent aller Betonschwellen im Netz. Im Schnitt seien die Bauteile 15 Jahre alt.

© dpa
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