«Gärten des Grauens»: Auch Nürnberg verbietet Schottergärten

18.04.2022 Sie sind unter dem Schlagwort «Gärten des Grauens» bekannt geworden: Geschotterte, mit Platten abgedeckte, teils gar mit Plastikpflanzen verzierte Grundstücke. Die Stadt Nürnberg verbietet nun solche Schottergärten - und ist damit nicht allein. Aus guten Gründen.

Größere und kleinere Steine liegen in einem Vorgarten. © Annette Riedl/dpa/Symbolbild

Sie bieten weder Tieren noch Pflanzen eine Heimat, heizen die Siedlungen auf und sind ästhetisch hoch umstritten: Schottergärten. Die Stadt Nürnberg hat solche großflächig mit Steinen, Kies, Geröll oder Splitt bedeckten Gartenflächen für Neubauten nun verboten. Die Mittelfranken stehen damit nicht allein auf weiter Flur: «Da kommen jede Woche, jeden Monat ein paar Kommunen hinzu», bilanziert Matthias Simon vom Bayerischen Gemeindetag.

«Der Wunsch nach einer Regelung in vielen Städten und Gemeinden in Bayern und ganz Deutschland ist da und zum Teil auch groß, weil Schottergärten, verdichtete Steingärten, Plattungen oder wie man es nennen will, mit Blick auf die Biodiversität, das Binnenklima sowie baukulturell ein Problem sind», zählt Simon auf.

Während sich über den ästhetischen Aspekt der als «Gärten des Grauens» im Internet zu unrühmlichen Ehren gekommenen Flächengestaltung letztlich streiten lässt, ist unstrittig, dass die Schottergärten ein Fiasko für die Artenvielfalt sind. Summt und brummt, flattert und wuselt es in einem vielfältig angelegten Garten, fühlen sich dem Naturschutzbund NABU zufolge noch nicht einmal Reptilien auf den monotonen Flächen wohl.

Außerdem heizen sich die Steinwüsten bei Sonneneinstrahlung stark auf, während zugleich der kühlende Effekt der Pflanzen fehlt, die dann auch nicht für das Filtern von Feinstaub zur Verfügung stehen. Zudem lassen die hoch verdichteten - meist mit einem Vlies unterlegten - Schottergärten kaum Wasser versickern, was etwa bei Starkregen zu Überschwemmungen führen kann. Das sind alles Aspekte, die mit Blick auf den Klimawandel als Problem angesehen werden.

Die bayerischen Stadt- und Gemeinderäte stützten sich also auf gute Argumente, wenn sie Schottergärten verbieten. In Nürnberg etwa gilt diese Regelung ab Juni für alle Neubaumaßnahmen - und zwar nicht nur für neue Bebauungspläne, sondern auch bei der Bebauung von Baulücken. «Eine gute Durchgrünung und qualitative Freiflächengestaltung dient dem gesunden Wohn- und Arbeitsumfeld und einem attraktiven Ortsbild und leistet einen aktiven Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel», begründet Planungs- und Baureferent Daniel Ulrich den Schritt.

Die Franken nutzen dabei eine Möglichkeit, die laut Bauministerium mit der Novelle der Bayerischen Bauordnung zum 1. Februar 2021 neu geschaffen wurde. Seither können die Gemeinden in einer örtlichen Bauvorschrift die Gestaltung und Bepflanzung der unbebauten Flächen von bebauten Grundstücken regeln. «Allerdings ändert diese Satzung wenig an der Nachverdichtungstendenz», betont Simon. Ob eine Einfahrt, ein Stellplatz, eine Garage, ein Pool neu gebaut werden dürfen, stehe auf einem anderen Blatt. «Die Satzung kann nur regeln, dass dann der letzte Quadratmeter bitte nicht auch noch mit Platte oder Schotter belegt wird.»

© dpa

Weitere News

Top News

Handy ratgeber & tests

Featured: One UI 5.0: Diese Neuerungen hat Samsung angekündigt

1. bundesliga

Transfermarkt: «Bild»: Werner-Transfer wird am Dienstag besiegelt

Tv & kino

Featured: Dustin Hoffman: Die besten Filme mit der Hollywood-Legende

Job & geld

Pfand für Kredit: Pfandleiher erwarten erhöhten Kreditbedarf

People news

Leute: Anke Engelke: Ich bin eine verkappte Lehrerin

Auto news

Verkehr: Auf Rad und im Auto: Was bei Kopfhörern zu beachten ist

Tv & kino

Neu im Kino: Die Filmstarts der Woche

Das beste netz deutschlands

Online-Angebote und Software: Zehn Finger soll'n es sein: Tippen lernen wie die Profis

Empfehlungen der Redaktion

Regional bayern

Wettbewerb um Schottergärten: Umgestaltung lockt als Gewinn

Regional rheinland pfalz & saarland

Klimawandel: Städte: Mehr Grün, weniger Schotter

Regional niedersachsen & bremen

Garten: Emder Vorgarten-Wettbewerb stößt überregional auf Interesse

Panorama

Umwelt: Wettbewerb um Schottergärten - Umgestaltung lockt als Gewinn

Regional bayern

Umwelt: Wenig Regen, viel Hitze: Stress für Bayerns Bäume

Regional rheinland pfalz & saarland

Agrarwirtschaft: Kleine Gärten, mehr Onlinehandel, immer weniger Baumschulen

Regional rheinland pfalz & saarland

Natur: Kleinere Gärten, mehr Onlinehandel: Weniger Baumschulen

Regional berlin & brandenburg

Wasser: Bürgermeister: Nicht alle halten sich an Rasensprengverbot