Erste Schwünge auf der Zugspitze: Entspannter Saisonstart

Wenig Schnee, viel Enthusiasmus: Zum Saisonauftakt zog es die ersten Wintersportler auf Deutschlands höchsten Berg. Nach Corona ist die Energiekrise auch auf den Pisten das beherrschende Thema.
Wintersportler sitzen auf der Zugspitze in einem Sessellift. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Symbolbild

Zum Start riss die Wolkendecke kurzzeitig ein wenig auf: Bei ein paar winterlichen Sonnenstrahlen zogen Skifahrer an der Zugspitze ihre ersten Schwünge. An Deutschlands höchstem Berg (2962 Meter) hat am Freitag die Skisaison begonnen. Vor allem Stammgäste nutzten bei insgesamt eher trübem Wetter die Chance auf erste Abfahrten in knapp 3000 Metern Höhe. Die ersten standen morgens schon eine Stunde vor der ersten Bergbahn am Parkplatz in Grainau und klipsten die Schnallen ihrer Skischuhe zu.

Mangels Schnee lief zunächst nur ein Lift. Eingefleischte Ski-Fans hielt es dennoch nicht zuhause. «Besser einer als keiner», lautete der Kommentar zu dem noch eingeschränkten Lift-Angebot. Auch in Winterberg im Sauerland startete die Saison, ebenfalls mangels Schnee mit vorerst nur zwei Ski-Liften.

Die Sprecherin der Bayerischen Zugspitzbahn, Verena Tanzer, sprach von einem freudigen und entspannten Start. Viele Gäste kamen auch zum Rodeln und lieferten sich Schneeballschlachten. Corona-Auflagen gibt es keine. Die Schilder zur Maskenpflicht sind abmontiert. In der Seilbahn zum Zugspitzplatt trugen nur wenige freiwillig Maske.

Die Branche steht nach zwei Corona-Jahren dennoch erneut vor einer Ausnahme-Saison. Angesichts höherer Energiekosten haben die Liftbetreiber vielerorts die Preise angehoben, im Schnitt um etwa zehn Prozent, Energiesparen steht groß auf der Agenda.

Die Zugspitzbahn will rund zehn Prozent Energie sparen. Lifte sollen jenseits der Stoßzeiten langsamer fahren. Sessellift-Sitze bleiben unbeheizt und Heizstrahler an Brotzeithütten ausgeschaltet. Andernorts wollen die Betreiber auf das inzwischen bei vielen beliebte Nachtskifahren bei Flutlicht verzichten.

Die Krise hat erneut eine Debatte um den Einsatz von Schneekanonen ausgelöst. Die Liftbetreiber haben angekündigt, weniger zu beschneien, Umweltschützer wollen jedoch einen kompletten Verzicht.

«Schneekanonen waren aufgrund ihrer schlechten Ökobilanz schon immer problematisch, in der derzeitigen Krisensituation sind sie schlicht unmoralisch», wandte sich der Vorsitzende des Bundes Naturschutz in Bayern, Richard Mergner, zum Saisonstart an die Seilbahnbetreiber. Mit einem Verzicht könnten in Bayern in einem Winter bis zu 16 Millionen Kilowattstunden Strom und Millionen Liter Wasser gespart werden, sagte Mergner.

Umweltschützer verlangen angesichts des Klimawandels zudem einen Stopp der staatlichen Förderung neuer Lifte und Schneekanonen. Bayern bezuschusst Modernisierungen mit bis zu 35 Prozent, dazu können auch Beschneiungsanlagen zählen. Damit sollen die bayerischen Skigebiete konkurrenzfähig bleiben. «Die Touristen sollen bei uns bleiben und nicht ins Ausland fahren müssen zum Skifahren. Auf der Fahrt dorthin wird sicher mehr Energie verbraucht als die Seilbahn in Bayern verbraucht», sagte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) kürzlich.

«Wir schauen, wo wir sparen können, aber ganz ohne Beschneiung geht es einfach nicht», erläutert auch die Sprecherin der Zugspitzbahn, Tanzer. Die Zugspitzbahn beschneit auf verschiedenen niedriger liegenden Pisten des Gebiets Garmisch Classic. Andernfalls könnte der Betrieb dort nicht zum so wichtigen Weihnachtsgeschäft starten.

An der Zugspitze selbst wird hingegen grundsätzlich nicht beschneit. Umso mehr fehlt in der Höhe nach dem extrem heißen Sommer der Schnee. Vom Altschnee, extra in geschützten Mulden für die nächste Saison zusammengeschoben, ist kaum etwas übrig.

In Winterberg, wo die Bergstationen nur auf gut 700 Metern liegen, hieß es, man hoffe auf niedrige Temperaturen für die Beschneiung - und auf den angekündigten leichten Schneefall zum Wochenende. Ein paar Zentimeter sollen kommen, wie Sprecherin der Wintersportarena Sauerland, Susanne Schulten, sagte. «Dann hat man einen schönen winterlichen Eindruck.»

In den Nachbarländern hat der Betrieb vor allem in Gletscher-Skigebieten bereits begonnen: In Saas Fee, Zermatt, St. Moritz und Grindelwald in der Schweiz ziehen die Skifahrer schon ihre Schwünge, ebenso in Ischgl und in Sölden in Österreich.

© dpa
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