Traurige Nachricht: Bartgeier Wally tot, Schwester im Anflug

30.05.2022 Bis zuletzt hatten alle gehofft, doch nun ist klar: Das vor einem Jahr ausgewilderte Bartgeier-Weibchen Wally lebt nicht mehr. In wenigen Tagen kommen wieder zwei junge Bartgeier in den Nationalpark Berchtesgaden - einer davon ist Wallys kleine Schwester.

Das Bartgeier-Weibchen Wally. © Michael Wittmann/Landesbund für Vogelschutz /dpa/Archivbild

Niemand hatte ernsthaft damit gerechnet, doch nun ist es traurige Gewissheit: Das vermisste Bartgeier-Weibchen Wally ist tot. Ein Kletterteam des Landesbundes für Vogelschutz LBV fand am Samstag im Zugspitzmassiv bei Garmisch-Partenkirchen die Reste des seit Mitte April verschwundenen Tieres. In einer unzugänglichen Felsrinne auf 1500 Metern Höhe lagen Knochen, Federn, Ring und Sender, wie der LBV am Montag mitteilte.

«Uns war immer bewusst, dass solche Rückschläge passieren können, dennoch sind wir über den Tod von Wally bestürzt», sagte der LBV-Vorsitzende Norbert Schäffer. Warum Wally starb, ist unklar.

Die Ursachen werden noch untersucht. Die Tiere könnten bei der Kollision mit Seilbahnkabeln, durch Vergiftung mit bleihaltiger Jagdmunition oder durch illegalem Abschuss sterben. Es gebe aber auch natürliche Ursachen wie Lawinen oder Kämpfe mit Steinadlern.

Wally und das Bartgeier-Weibchen Bavaria waren im vergangenen Sommer mehr als 100 Jahre nach der Ausrottung der Bartgeier in Deutschland im Nationalpark Berchtesgaden ausgewildert worden. In einer guten Woche sollen zwei junge Bartgeier-Weibchen aus demselben Zuchtproramm in Spanien folgen - eine davon ist Wallys kleine Schwester, die zweite die Cousine von Bavaria.

Der Ausflug zur Zugspitze war laut LBV Wallys erster großerer Trip über mehrere hundert Kilometer - sie kehrte nicht davon zurück. Wally galt als standorttreuer und häuslicher als Bavaria, die ihre Kreise bis nach Wien zog. Sie war just zur Zeit von Wallys Verschwinden einmal wieder in den Nationalpark Berchtesgaden zurückgekehrt.

Bavaria sei wohlauf, betonte der LBV. Die beiden Vögel haben eine große Fan-Gemeinde. Viele Menschen verfolgten die Ausflüge der beiden auf der LBV-Seite - und nahmen Anteil am Verschwinden Wallys.

Als sie im April plötzlich nicht mehr geortet werden konnte, wurde angenommen, sie habe nur den Sender verloren. Dass der nach allen Daten und Beobachtungen gesunde Vogel in den unzugänglichen Hängen des Naturschutzgebiets Reintal umgekommen sein könnte, hielten auch internationale Experten bis zuletzt für unwahrscheinlich. Laut Nationalpark-Projektleiter Ulrich Brendel überleben neun von zehn Jungvögeln im internationalen Auswilderungsprogramm das erste Jahr.

Als der LBV kürzlich erstmals ein kurzzeitiges Signal des GPS-Senders erhielt, starteten die Naturschützer die Suche. Sieben Mal seien geübte Kletterer aufgebrochen und hätten sich in den Felsen abgeseilt, ehe sie auf Federn und Knochen, Wallys Beinring und den GPS-Sender stießen.

«Das Team ist hoffnungsvoll mit einer noch genaueren Vorstellung vom möglichen Fundort losgezogen, doch ein solch trauriges Ergebnis ist natürlich für alle Projektbeteiligten bitter», sagte LBV-Projektleiter Toni Wegscheider. «Wir sind zu 90 Prozent davon ausgegangen, dass dort nur der Sender liegt.»

Auch in anderen Ländern wie Österreich, Frankreich oder der Schweiz gibt es gelegentlich Todesfälle. Insgesamt verläuft laut LBV die Wiederansiedlung der Bartgeier in den europäischen Alpen aber so erfolgreich wie kaum ein anderes Auswilderungsprogramm.

Am 9. Juni sollen nun die beiden nächsten Bartgeier in den Nationalpark Berchtesgaden kommen. Sie werden in derselben Nische wohnen wie 2021 ihre älteren Verwandten. Die Jungvögel heißen noch nach ihren Zuchtnummern BG1145 und BG1147. Doch auch sie sollen «richtige» Namen bekommen wie ihre beliebten Vorgängerinnen. Deren Auswilderung hatten viele Menschen per Live-Webcam intensiv verfolgt.

Bartgeier sind mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,90 Metern die größten Brutvögel der Alpen, für Mensch und Tier aber ungefährlich: Sie fressen nur Aas - und von diesem wiederum fast nur die Knochen.

© dpa

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