Tarifgespräche für Metaller begonnen: Keine Annäherung

Es könnten lange Verhandlungen werden: Der Auftakt der Tarifrunde für die bayerische Metall- und Elektroindustrie blieb erst einmal ohne Ergebnisse. Die Lage ist verfahren: Beide Seiten haben ihre liebe Not mit der Energiekrise.
Ein Mann hat eine Trillerpfeife im Mund. © Julian Stratenschulte/dpa

Die erste Verhandlungsrunde für rund 855.000 Beschäftigte in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie ist am Donnerstag ohne Annäherung der weit auseinander klaffenen Positionen zu Ende gegangen. Die Tarifparteien wollen sich zur zweiten Gesprächsrunde am 6. Oktober in München treffen. Die Atmosphäre des Auftaktes sei sachlich gewesen, sagten die beiden Verhandlungsführer, Johann Horn von der Gewerkschaft IG Metall und Angelique Renkhoff-Mücke vom Verband der bayerischen Metall- und Elektroindustrie nach Ende der rund 80-minütigen Verhandlungen in Nürnberg. Die Beschreibung der Lage sei identisch, die daraus zu ziehenden Schlüsse unterschieden sich jedoch deutlich, hieß es.

Der bestehende Tarifvertrag in der Branche läuft Ende September aus. Die Friedenspflicht endet am 28. Oktober. IG-Metall-Verhandlungsführer Horn betonte nach Ende der Verhandlungen, die Bereitschaft der Arbeitnehmer, ihre Ziele notfalls auch kämpferisch durchzusetzen, sei enorm hoch. Die Arbeitgeber könnten ihre erhöhten Kosten über höhere Preise weitergeben - die Arbeitnehmer seien dazu nicht in der Lage und bräuchten höhere Einkommen, um ihre Lebenshaltungskosten weiter decken zu können.

Bereits am Donnerstag waren 4000 Metaller aus ganz Bayern nach Nürnberg gereist, um ihren Forderungen mit Fahnen und Trillerpfeifen Nachdruck zu verleihen. «Wenn es nicht anders geht, werden wir auch einen starken Arbeitskampf führen», sagte Horn, machte aber auch deutlich: «Wir brauchen keinen Arbeitskampf, wenn wir ein gutes Angebot kriegen, machen wir eine Lösung am Verhandlungstisch.»

Die Gewerkschaft fordert acht Prozent mehr bei Löhnen und Gehältern bei einer Laufzeit des neuen Tarifvertrages von zwölf Monaten. Einmalzahlungen seien diesmal nicht mehr akzeptabel, betonte Horn. Die Arbeitnehmer hätten seit 2018 keine grundsätzliche Lohnerhöhung mehr erhalten. «Jetzt ist es Zeit für eine kräftige, dauerhafte Tariferhöhung», sagte Horn. «Wir wollen keine Einmalzahlung, wir wollen eine nachhaltige Entwicklung», sagte Horn.

Die Verhandlungsführerin der Arbeitgeber, Angelique Renkhoff-Mücke, bezeichnete die Forderung als nicht erfüllbar. «Acht Prozent sind nicht annehmbar, sind nicht realitätsnah», sagte sie vor Beginn der Gespräche und rief zu einer vernünftigen Balance auf.

«Die Ausgangssituation liegt schon mal sehr, sehr weit auseinander», räumte sie ein. Es gelte jetzt eine Lösung zu finden, die für die große Mehrheit der Metall- und Elektrounternehmen tragbar sei, nicht nur für einzelne, die gegenwärtig eine sehr gute Geschäftslage hätten. Die derzeit noch günstige Auftragssituation vieler Unternehmen werde sich abschwächen. Einen möglichen Arbeitskampf bezeichnete sie als «kontraproduktiv». «Das würde zusätzlich die Unternehmen weiter schwächen.» Eine Produktionsunterbrechung durch einen Arbeitskampf würde aus ihrer Sicht einen unaufholbaren Schaden verursachen, der letztlich auch für die Belegschaften spürbar würde.

In anderen Bundesländern sind die Tarifverhandlungen bereits gestartet, etwa in Niedersachsen/Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg. Nordrhein-Westfalen sollte am Freitag folgen. Einen Pilotbezirk haben die Tarifparteien noch nicht festgelegt.

Einfluss auf die Gespräche könnte auch die Konzertierte Aktion von Bundeskanzler Olaf Scholz haben. Dabei wollen Gewerkschaften, Arbeitgeber und Bundesregierung gemeinsam Möglichkeiten ausloten, wie die Folgen der Energiekrise bewältigt werden können.

© dpa
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