Erstes Halbjahr: Höchster Krankenstand seit Pandemiebeginn

Nachdem es in den letzten Monaten gefühlt auch noch die letzten erwischt hat, wundert die Bestätigung per Statistik kaum: Die Zahl der coronabedingten Krankschreibungen ist in die Höhe geschnellt. Die DAK-Chefin hat deshalb eine Forderung - die vielen zusagen dürfte.
Krankmeldungen liegen auf einem Schreibtisch. © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Illustration

Die Arbeitnehmer in Bayern waren im ersten Halbjahr so häufig krank wie in keinem anderen Halbjahr seit Beginn der Corona-Pandemie. Dabei gab es einen deutlichen Anstieg bei Erkältungen und Covid-19 als Ursache. Dies geht aus einer Auswertung der Krankenkasse DAK Bayern hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Insgesamt lag der Krankenstand für Januar bis Juni bei 4,1 Prozent und damit 0,7 Prozentpunkte höher als im Vorjahreshalbjahr.

«Parallel zu der schrittweisen Lockerung der Corona-Einschränkungen im März 2022 konnte sich eine ausgeprägte Erkältungs- und Grippewelle entwickeln», erläuterte die DAK-Landeschefin Sophie Schwab. Diese sei von der hoch ansteckenden Omikron-Variante begleitet worden, die so viel Arbeitsausfall bewirkt habe wie keine Corona-Variante zuvor. Hinzu komme, dass der Freistaat mit Blick auf Covid-19-Erkrankungen deutlich über dem Bundesdurchschnitt gelegen habe. «Die Omikron-Welle hat in Bayern für doppelt so viele Corona-Fehltage gesorgt wie in Hamburg oder Bremen.»

Im Bundesschnitt gingen 64 Fehltage je 100 Versicherten auf Corona zurück, in Bayern waren es 84. Das sind mehr als sechsmal so viele wie im Vorjahreszeitraum, als es im Schnitt knapp 13 Fehltage wegen Corona gab.

Fast jeder fünfte Fehltag im Job (18,4 Prozent) ging auf das Konto einer Atemwegserkrankung. Husten und Schnupfen waren weit verbreitet: Wurden im Vorjahreszeitraum deswegen noch 40 Fehltage je 100 Versicherten registriert, schnellte die Zahl im ersten Halbjahr auf rund 137 Tage hoch.

Insgesamt kam jeder Beschäftigte statistisch auf 7,45 Fehltage, 1,36 Tage mehr als im Vorjahresvergleich. Damit ist wieder das Niveau von vor der Pandemie erreicht. Atemwegserkrankungen waren im ersten Halbjahr 2022 vor Muskel-Skelett-Erkrankungen und psychischen Erkrankungen die häufigste Ursache für eine Krankschreibung.

«Deshalb fordern wir, dass die Krankschreibung per Telefon zu einer dauerhaften Lösung wird, um die Ansteckungsgefahr in den Arztpraxen zu reduzieren», betonte Schwab. «Unmittelbar nach der politischen Sommerpause muss für eine Dauerlösung die gesetzliche Grundlage geschaffen werden.»

Die Krankenkasse hat für die Daten alle Krankschreibungen des ersten Halbjahrs 2022 der DAK-versicherten Beschäftigten aus Bayern ausgewertet. Da es sich dabei um rund 351.000 Menschen handelt, gelten die Zahlen als repräsentativ für sämtliche Erwerbstätigen.

© dpa
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