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Siemens Energy will Garantien vom Bund

Die Kombination aus riesigem Auftragsbestand und Problemen bei der Windkraftsparte sorgt bei Siemens Energy für Probleme. Nun könnte der Staat mit Milliardengarantien helfen. Die Börse reagiert panisch.
Siemens Energy
Siemens Energy kämpft mit Problemen in seiner Windkraftsparte. © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Der kriselnde Energietechnikkonzern Siemens Energy könnte Milliardengarantien vom Bund bekommen. Man führe Vorgespräche mit unterschiedlichen Parteien, darunter Partnerbanken und der Bundesregierung, erklärte das Unternehmen am Donnerstag und bestätigte damit entsprechende Berichte.

Ziel sei es, «den Zugang zu einem wachsenden Volumen an Garantien sicherzustellen, die das erwartete starke Wachstum ermöglichen». Auch das Wirtschaftsministerium bestätigte Gespräche.

Habeck: «Konstruktive Gespräche»

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck bestätigte, dass es seit Monaten immer wieder intensive Gespräche mit dem Unternehmen gebe. Die Intensität habe sich in den vergangenen beiden Wochen «noch einmal verstärkt», sagte der Grünen-Politiker am Donnerstag am Rande eines Besuchs in der türkischen Hauptstadt Ankara. «Und das sind gute konstruktive Gespräche. Wir wissen, wo der Konzern steht, und der Konzern weiß, wo die Bundesregierung steht.» Details wollte Habeck nicht nennen.

Laut «Wirtschaftswoche» soll es um Bürgschaften von bis zu 15 Milliarden Euro gehen. Das Magazin beruft sich dabei auf Finanzkreise. Auch der «Spiegel» berichtete über den Vorgang, nannte aber andere Summen. Siemens Energy kommentierte die Zahlen nicht.

Im Umfeld des Unternehmens betont man: «Wir wollen kein Cash vom Staat. Es geht ausschließlich um Bürgschaften, die in der Praxis noch nie gebraucht wurden. Das Ganze ist wie eine Rückversicherung für die Banken.»

Milliardenverluste

Grundsätzlich sind Garantien bei teuren und langfristigen Großprojekten nicht ungewöhnlich. Sie sichern beispielsweise bereits geleistete Anzahlungen der Kunden oder Ausfallrisiken ab. Das läuft in der Regel über Banken. Bei Siemens Energy hat sich inzwischen aber ein riesiger Auftragsbestand angehäuft. Das macht auch ein großes Garantievolumen nötig. Hinzu kommt, dass der Konzern seit Jahren unter massiven Problemen in seinem Windkraftgeschäft leidet, die auch im abgelaufenen Geschäftsjahr für Milliardenverluste sorgen.

«Das enorme Tempo der Energiewende sorgt für eine hohe Nachfrage nach unseren Technologien, unser Auftragsbestand liegt bei 110 Milliarden Euro», sagte ein Konzern-Sprecher. «Diese an sich positive Entwicklung führt dazu, dass wir in größerem Ausmaß Garantien an unsere Kunden vergeben müssen. Das ist eine Herausforderung für alle Unternehmen.» Man wolle daher Maßnahmen zur Stärkung der eigenen Bilanz ergreifen. Außerdem führe man «Gespräche mit der Bundesregierung, wie wir Garantiestrukturen im schnell wachsenden Energiemarkt sicherstellen können». Habeck sprach von «hausgemachten Problemen».

Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums sagte, die Bundesregierung sei «in engen und vertrauensvollen Gesprächen» mit dem Unternehmen, könne aber keine Details nennen.

Kurssturz

Die Börse reagierte mit einem massiven Absturz der Siemens-Energy-Aktie. Das Papier fiel um mehr als ein Drittel auf ein Allzeittief, konnte bis zum Nachmittag die Verluste aber ein Stück weit reduzieren. Es war bereits der zweite enorme Absturz für die Energy-Aktie im laufenden Jahr. Zuletzt war es im Juni nach dem Bekanntwerden der Qualitätsprobleme ähnlich stark nach unten gegangen.

Zum aktuellen Kurssturz trugen möglicherweise auch Spekulationen von Analysten bei, dass es zu einer Kapitalerhöhung kommen könnte. Zudem warnte Energy, dass die Geschäfte bei seiner problembeladenen Windkrafttochter auch im kommenden Jahr schlechter als vom Markt erwartet laufen könnten.

Bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr hat diese Energy mehrere Milliarden tief in den Verlust gerissen. Die genauen Zahlen für 2023 werden erst im November erwartet. Energy betonte am Donnerstag aber, dass sie sich voraussichtlich vollständig im Rahmen der Prognose befänden.

Rote Zahlen und Qualitätsprobleme

Siemens Energy kämpft seit Jahren mit Problemen in seiner Windkraftsparte, die immer wieder für Gewinnwarnungen und rote Zahlen sorgt, zuletzt durch Qualitätsprobleme bei Windrädern an Land. Für bestimmte Anlagen an Land nimmt Energy deswegen vorerst keine weiteren Aufträge an.

Andere Geschäftsfelder laufen dagegen gut, unter anderem für die Übertragung von Strom über weite Strecken gingen zuletzt immer wieder Milliardenaufträge ein. Siemens Energy liefert dabei riesige Wandler, die Wechselstrom für einen verlustarmen Transport über lange Strecken in Hochspannungs-Gleichstrom wandeln - und danach wieder in Wechselstrom für die gängigen Hochspannungsnetze.

© dpa ⁄ Christof Rührmair und Martina Herzog, dpa
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