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Prozess um Angriffe am Pasinger Bahnhof

Gemeinsame Übergriffe, Raub, Körperverletzung: Jugendgewalt beschäftigt die Behörden und Bayern immer mehr. Um einen ganz speziellen Hotspot der Gewalt geht es derzeit vor dem Landgericht München I.
Prozess gegen Jugendliche wegen Raub und Köperverletzung
Vier Angeklagte sitzen zum Prozessauftakt wegen Raub und vorsätzlicher Körperverletzung im Gerichtssaal. © Lennart Preiss/dpa

Heftige Gewalt-Attacken auf Passanten, Prügeleien auf einem Spielplatz, geraubte Handys, Geldbörsen, Taschen: Vor dem Landgericht München I hat am Dienstag ein Prozess um Angriffe von Jugendlichen und jungen Männern am Pasinger Bahnhof begonnen. Die Gegend galt laut Polizei zum Zeitpunkt der Taten Ende 2022 und Anfang 2023 als ein Jugendgewalt-Hotspot in München.

Die Staatsanwaltschaft wirft zwei 17-Jährigen, einem 19- und einem 21-Jährigen verschiedene Gewalttaten und Raub vor. Drei von ihnen sollen unter anderem dabei gewesen sein, als eine Gruppe von 15 bis 20 Jugendlichen und jungen Männern zwei Passanten in einer Unterführung überfiel und sie mit Fäusten und Tritten traktierte.

Die drei räumten die Vorwürfe gegen sie zwar über ihre Anwälte ein - machten aber auch Einschränkungen. Einen Schraubenzieher, der bei dem Angriff eine Rolle gespielt haben soll, hatte demnach beispielsweise keiner der Angeklagten gesehen.

Der 21-Jährige, der in U-Haft sitzt, ließ über seinen Anwalt erklären, dass er sich für die Übergriffe schäme und sich bei seinen Opfern entschuldigt habe. Er gab sich reumütig, kleinlaut, fast schüchtern und damit ein Bild von sich ab, dass wenig zu dem passte, wie ein Mitangeklagter ihn schilderte: «Er hatte das Sagen in Pasing, jeder hatte vor ihm Angst», sagte der 19-Jährige. «Wenn der da war, waren alle leise.»

Und so habe er selbst, ein auffallend schmächtiger und kleiner junger Mann, sich auch fühlen wollen in der Gruppe. «Ich wollte, dass die Leute auch auf mich hören. Ich wollte so sein wie die anderen», sagte er. «Er weiß, dass er sich komplett falsch verhalten hat», sagte sein Anwalt.

Der Prozess ist nicht der erste um die gewalttätigen Übergriffe von Jugendgruppen am und um den Pasinger Bahnhof. Bereits im September hatte das Landgericht einen 19-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung und Raubes in mehreren Fällen zu einer Jugendstrafe von vier Jahren und elf Monaten verurteilt und einen weiteren Angeklagten zu drei Jahren und neun Monaten Jugendstrafe. Ein weiteres Verfahren ist außerdem beim Jugendschöffengericht anhängig.

Der Fall ist exemplarisch für einen beunruhigenden Trend im Freistaat. Behörden und auch Justizminister Georg Eisenreich (CSU) sehen die Entwicklung mit «Sorge», wie er kürzlich bei der Vorstellung der Strafverfolgungsstatistik sagte.

Die Zahl der verurteilten jugendlichen Gewalttäter in Bayern ist laut dieser Statistik gestiegen. 641 Jugendliche wurden demnach im vergangenen Jahr wegen eines Gewaltdelikts rechtskräftig verurteilt. Das waren 4,6 Prozent mehr als 2021.

Besonders deutlich fiel die Steigerung mit 14,7 Prozent bei gefährlicher Körperverletzung auf, worunter beispielsweise Angriffe mit Messern, Baseballschlägern oder aus Gruppen heraus zählen. 477 Jugendliche wurden 2022 deswegen rechtskräftig verurteilt, 2021 waren es 416.

«Ein großer Teil der schweren und wiederholten Taten wird durch eine kleine Gruppe von Intensivtätern und aus Gruppen heraus verübt», sagte Eisenreich. Diese müssten «frühzeitig gestoppt werden». Das Phänomen sei vor allem in den Städten im Freistaat verbreitet, sagte er: «Es gibt einen Unterschied zwischen Stadt und Land.»

© dpa ⁄ Britta Schultejans, dpa
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