Lebenslange Haft für Mord an Ex-Mann der Tochter

08.04.2022 Ein kleiner Ort wird an einem Samstagvormittag von einer blutigen Gewalteskalation erschüttert. Auch noch vor Gericht spricht die Täterin schlecht über ihr Opfer - wird aber widerlegt und verurteilt.

Die Angeklagte hält sich im Gerichtssaal einen Ordner vor ihr Gesicht. © Nicolas Armer/dpa/Archivbild

Mitten in einer oberfränkischen Kleinstadt hat eine Frau ihren früheren Schwiegersohn und Vater ihrer Enkelin mit zahlreichen Messerstichen getötet - nun ist sie wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. «Er war unserer Meinung nach ein liebevoller Vater», betonte der Richter am Landgericht Bamberg am Freitag mit Blick auf das 32 Jahre alte Opfer. Die Täterin hatte ihn als gewalttätigen Alkoholiker beschrieben - was sich laut Gericht aber als Falschbehauptung herausstellte.

Der 32-Jährige war im vergangenen Juli zu seiner geschiedenen Ehefrau nach Ebermannstadt (Landkreis Forchheim) gekommen, um die gemeinsame zweijährige Tochter abzuholen und erstmals alleine Zeit mit ihr zu verbringen. An der Haustür aber überraschte ihn die 54 Jahre alte ehemalige Schwiegermutter - und stach mit einem Messer zu. Der Mann konnte noch 80 bis 100 Meter zu einer Kreuzung flüchten, sie fügte ihm immer wieder Stiche zu, mindestens elf hatte er am Ende.

«Verrecken soll er», rief sie laut Zeugenaussagen in Richtung des Sterbenden. Man solle ihm nicht helfen. Der 32-Jährige verblutete. Im Prozess berief die Täterin sich auf Erinnerungslücken, zahlreiche Zeugen hatten die Tat mitten in dem Ort aber mitansehen müssen.

Die Deutsche hatte eine Erklärung verlesen lassen, in der das Opfer mit vermeintlichen Belegen in ein schlechtes Licht gerückt wurde - was sich laut Richter so nicht bestätigen ließ. «Die Behauptung, er hätte sein Kind oder seine Frau geschlagen, ist falsch», betonte er. Das habe die Tochter der Täterin - die grundsätzlich positiv für ihre Mutter ausgesagt hätte - selber bestätigt.

Auch ihre Aussagen, er sei Alkoholiker gewesen oder habe die Familie kurz nach der Geburt in ein Haus in unzumutbarem Zustand gebracht, stellten sich als nicht richtig heraus, wie der Richter mit Verweis auf Aussagen von Jugendamtsmitarbeitern und einer Hebamme sagte. Der 32-Jährige sei vielmehr immer um seine Tochter bemüht gewesen.

Die Täterin lebte laut dem Gericht in einer sehr engen Beziehung mit der Tochter, einer regelrechten Symbiose. Als Tatmotiv könne man sich eigentlich nur vorstellen, dass sie diese enge Beziehung und die zur Enkelin durch den Kontakt des Mannes mit der Zweijährigen gefährdet sah. «Das hat sie nicht akzeptiert», sagte der Richter. «Sie wollte verhindern, dass zwischen Enkelkind und Vater, vielleicht auch zwischen Tochter und Vater wieder eine enge Beziehung besteht.»

Die Frau hatte auf eine sehr schwere Kindheit verwiesen, ihr Vater sei früh gestorben, vom Lebensgefährten ihrer Mutter sei sie geschlagen und sexuell missbraucht worden. Sie habe lange an einem Baggersee gehaust und die Schule ohne Abschluss abgebrochen, weil sie Geld verdienen musste. Die Aussagen ließen sich laut Gericht nicht mehr überprüfen, spielten in dem Urteil aber auch keine Rolle.

Sie arbeitete etwa als Lastwagenfahrerin, wegen Crystal-Meth-Konsums verlor sie aber schon vor Jahren ihren Führerschein. Den Konsum betonte sie auch im Prozess - eine Haarprobe war aber negativ. Das Gericht hielt sie für voll schuldfähig und wegen des unvermittelten Angriffs das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt. Anders hätte sie demnach auch gar keine Chance gegen den ihr körperlich deutlich überlegenen früheren Soldaten gehabt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der Anwalt der Täterin, Alexander Schmidtgall, hatte auf Totschlag plädiert und kündigte an, in Revision zu gehen.

© dpa

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