Pflegebedürftige: Studie zu psychischen Belastungen

03.07.2022 Das Ergebnis dürfte nicht überraschen: Eine Studie zeigt, dass Pflegebedürftige und ihre Angehörige während der Corona-Pandemie unterschiedlichen psychischen Belastungen ausgesetzt gewesen sind. Weitere Studienteilnehmer werden noch gesucht.

Ein Betreuer geht in einem Pflegeheim mit einer Bewohnerin über den Flur. © Bernd Weißbrod/dpa/Symbolbild

Wie hat sich die Corona-Pandemie auf Pflegebedürftige und ihre Angehörigen ausgewirkt? Dieser Frage geht seit 2021 der Bayerische ambulante Covid-19 Monitor nach. Zwischenergebnisse zeigen nun: «Die Pandemie war und ist eine starke psychische Belastung für Pflegebedürftige wie auch für pflegende Angehörige», sagte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek am Sonntag. Die Studie läuft unter Federführung des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München. Auch physische und soziale Auswirkungen sollen untersucht werden.

Holetschek zufolge zeigt der Zwischenbericht, dass pflegende Angehörige besonders gefordert gewesen seien, weil Entlastungsmöglichkeiten wie Tageseinrichtungen, Kurzzeitpflege oder Ergotherapie ausfielen. Dagegen habe sich bei Angehörigen von Pflegebedürftigen, die in stationären Einrichtungen leben, aufgrund der Kontaktbeschränkungen die Sorge um die Pflegebedürftigen erhöht.

Studienleiter Jochen Gensichen, Direktor am Institut für Allgemeinmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität, sagte: «Das Gefühl des Alleinseins hat bei Pflegebedürftigen mit und ohne Covid-Erkrankung im Vergleich zu vor der Pandemie deutlich zugenommen.» So änderten sich vertraute Beziehungen, wenn sie nur noch über das Telefon gelebt werden könnten. Diese unterbrochenen Prozesse in Familien hätten Pflegebedürftige besonders beeinträchtigt.

Der Bayerische ambulante Covid-19 Monitor soll Daten und Analysen für künftige Pandemien oder vergleichbare Krisensituationen liefern, sagte Holetschek. Ziel sei es, passende Präventions- und Nachsorgestrategien in die Wege zu leiten. Das könnten beispielsweise Long-Covid-Ambulanzen oder psychologische Betreuungs- und Therapieangebote sein.

Neben der Situation der Pflegebedürftigen erfasst die Studie auch die Folgen psychischer und physischer Belastungen wie Burnout und Depression bei Pflegekräften und Angehörigen. Auch Hausärzte werden befragt.

Neben dem Uni-Klinikum München sind die Katholische Stiftungshochschule München sowie die Universitätskliniken in Würzburg und Erlangen an dem Projekt beteiligt. Das Gesundheitsministerium stellt für die Studie Fördermittel in Höhe von 3,4 Millionen Euro bereit.

Im ersten Jahr haben sich dem Ministerium nach rund 500 Personen an der Studie beteiligt. Weitere Teilnehmer werden gesucht. Angesprochen sind Pflegebedürftige, Nicht-Pflegebedürftige, die eine Corona-Infektion hatten, sowie pflegende Angehörige und Pflegekräfte.

© dpa

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