Münchner Wiesn gestartet: «Fest von Freude und Freiheit»

In München herrscht wieder Ausnahmezustand. Nach zwei Jahren Pause wegen der Corona-Pandemie hat das Oktoberfest begonnen. Die Bierfreunde stürmen - Corona hin oder her - die Zelte.
Oktoberfestbesucher drängen sich auf dem Gelände. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Nach zwei Jahren Corona-Zwangspause wird in München wieder das Oktoberfest gefeiert. Trotz kühlen Wetters strömten am Samstag die Menschen zu Zehntausenden auf das Volksfest. Nach einem Supersommer mit Sonne satt spielte Petrus just an diesem Wochenende nicht mehr mit.

Regen hin oder her: Am Sonntag zieht erstmals seit 2019 wieder einer der größten Trachten- und Schützenzüge der Welt zum Oktoberfest durch München. Erwartet werden rund 9000 Teilnehmer. Straßen in der Innenstadt werden dafür gesperrt. Trachtler, Schützen, Fahnenschwinger, Jäger und Mitglieder von Musikkapellen und Spielmannszügen laufen mit. Begleitet werden sie von Festkutschen und Brauerei-Gespannen. Gruppen aus vielen Teilen Deutschlands, aber auch aus dem Ausland reisen an.

In festlich geschmückten Ehrenkutschen fahren Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und Wiesnchef Clemens Baumgärtner (CSU) mit.

Reiter hatte am Samstag das erste Fass Bier mit drei Schlägen angezapft und das Fest eröffnet. Ein wenig schien er nach der langen Pause aus der Übung. In früheren Jahren hatte er nur zwei Schläge gebraucht. Die erste Maß reichte er Söder, um mit ihm auf eine friedliche Wiesn anzustoßen.

Reiter, der im Frühjahr nach reiflicher Überlegung grünes Licht für das Volksfest gegeben hatte, sagte nun, das sei eine gute Entscheidung gewesen. «Alle freuen sich drauf - und das freut einen als Oberbürgermeister einfach am meisten.» Festleiter Clemens Baumgärtner (CSU) sagte über die Eröffnung, alles sei gelaufen «wie ein Uhrwerk». Es sei «ein überragendes Gefühl, wieder hier sein zu dürfen».

Für Söder ist das Massenereignis ein «Fest von Freude und Freiheit». Er sei dafür, «dass es keine Verbote von Liedern gibt», sagte Söder, der dafür im Festzelt nach anfänglichen Buhrufen laut bejubelt wurde. Vor dem Fest war diskutiert worden, ob der umstrittene Schlager «Layla» auf der Wiesn gespielt werden soll oder nicht.

Auch wenn ohne Auflagen gefeiert wird, ist Corona nicht verschwunden. Die Behörden mahnten Besucher, bei Erkältungssymptomen einen Test zu machen und nicht krank zum Fest zu kommen. Mediziner rechnen nach der Wiesn wie nach anderen Volksfesten mit einer Corona-Welle. Auch OB Reiter erwartet eine Welle nach dem Fest. Wichtig sei aber die Lage in den Kliniken, und dort gebe es keine außergewöhnlichen Belastungen.

Unter den Besuchern waren am Samstag viele junge Leute, fast niemand trug eine Corona-Schutzmaske. Auch einige Prominente ließen sich bereits blicken, unter anderem Thomas Gottschalk, Jan Hofer, Richard Lugner sowie die Politikerin Dorothee Bär. Vor der Pandemie waren pro Jahr rund sechs Millionen Besucher zum wohl größten Volksfest der Welt gekommen.

Die erste «Bierleiche» gab es am frühen Nachmittag. Eine junge «volltrunkene» Frau sei um kurz nach 14 Uhr versorgt worden, sagte der Sprecher der Sanitätsstation Aicher Ambulanz, Markus Strobl. Die rund 120 Mitarbeiter der Sanitätsstation waren ab Samstagnachmittag im vollen Einsatz, die Teams rückten fast im Fünf-Minuten-Takt aus.

Rund 600 Polizistinnen und Polizisten sorgen während der zwei Festwochen bis zum 3. Oktober für Sicherheit. Sie werden von uniformierten Polizisten aus Frankreich und Italien sowie Taschendieb-Fahndern aus mehreren Ländern unterstützt.

© dpa
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