Ostfranken am kränksten, Freisinger am gesündesten

Es ist nicht ganz neu, dass regionale Herkunft, Bildung, Alter oder Beruf sich im Gesundheitszustand eines Menschen widerspiegeln. Ein neuer Atlas geht nun ganz tief rein in die Daten aus Bayern. Mit detaillierten und teils überraschenden Ergebnissen.
Ein Mädchen, das an Diabetes erkrankt ist, misst mit einem Blutzuckermeßgerät den Zuckergehalt. © Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Gesundheitlich geht es den Menschen ganz im Nordosten Bayerns sowie in Weiden und Straubing am schlechtesten, während die Einwohner im Landkreis Freising die gesündesten sind. Auch mit Blick auf einzelne Krankheitsbilder ergibt sich im Freistaat oftmals ein Nordost-Südwest-Gefälle. Dies geht aus dem neuen Morbiditäts- und Sozialatlas der Krankenkasse Barmer hervor, der am Donnerstag in München vorgestellt wurde.

Demnach trägt die Bevölkerung in Straubing sowie in den Landkreisen Wunsiedel, Tirschenreuth und Hof sowie in der Stadt Weiden in der Oberpfalz deutlich mehr als die durchschnittliche bundesweite Krankheitslast; mit Werten zwischen 127 und 117 Prozent. Die Landkreise an der Spitze - Freising, Dillingen an der Donau, Aichach-Friedberg, Donau-Ries und Miesbach - erreichten hingegen zuletzt gerade einmal Werte zwischen 70 und 77 Prozent. Die Landeshauptstadt München erzielte nach Berechnungen der Statistiker mit 93 Prozent genau den Durchschnittswert für Gesamtbayern.

Die Experten des Barmer-Instituts für Gesundheitssystemforschung werteten für den Atlas nicht wie bislang üblich die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen der Erwerbstätigen aus. Stattdessen rechneten sie die ambulanten und stationären Diagnosen und Arzneimittelverordnungen der Barmer-Versicherten auf die Gesamtbevölkerung hoch. Durch die große Anzahl an Versicherten bei der Barmer gelten die Daten als repräsentativ für alle Menschen in Bayern. Die aktuelle Auswertung beruht auf den Daten des Jahres 2020.

Der Atlas zeigt unter anderem regionale Unterschiede sowie den Einfluss von Geschlecht, Alter, Einkommen, Bildung und Branche auf die unterschiedlichen Krankheitsbilder auf. So haben die Bayern insgesamt zwar deutschlandweit mit die gesündesten Herzen (zehn Prozent unter dem Bundesschnitt). Doch im Landkreis Wunsiedel sind 332 je 1000 Personen herzkrank - im Kreis Donau-Ries gerade einmal 184.

Auch bei den Hauterkrankungen gibt es ein Gefälle von Nordost nach Südwest. Während im Landkreis Kronach 193 je 1000 Einwohnerinnen und Einwohner dermatologische Probleme haben, sind es im Landkreis Freising nur 115 Betroffene.

Noch größer klafft die Lücke bei Diabetes und Lebererkrankungen. Während im Ostallgäu gerade einmal 50 je 1000 Menschen Diabetes mellitus haben, sind es im Landkreis Wunsiedel mit 121 deutlich mehr als doppelt so viele. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Lebererkrankungen: Im schwäbischen Landkreis Günzburg liegt der Wert bei 40, in der oberfränkischen Stadt Hof hingegen bei 110 - bei einem landesweiten Schnitt von knapp 56.

© dpa
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