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Winterwetter legt weite Teile Bayerns lahm

Das Bundesliga-Heimspiel der Bayern ist abgesagt, am Münchner und Memminger Flughafen gibt es keinen Flugbetrieb, auf den Straßen kommt es zu Glätte-Unfällen: Schnee und Eis sorgen für Chaos im Süden und Osten Bayerns und Teilen Baden-Württembergs.
Wintereinbruch in Süddeutschland - Füssen
Schneemassen liegen in den Straßen der Altstadt von Füssen. S © Christian Wiediger/dpa

Schier endlose Schneeberge, Räumfahrzeuge im Dauereinsatz, Chaos im Verkehr - ein heftiger Wintereinbruch hat weite Teile Bayerns lahmgelegt. Der starke Schneefall und Glatteis führten zu Unfällen und langen Staus auf den Autobahnen, die Flughäfen München und Memmingen stellten vorübergehend den Flugbetrieb ein. Das Bundesliga-Heimspiel des FC Bayern München gegen den 1. FC Union Berlin am Nachmittag wurde abgesagt. Zahlreiche Bahnstrecken rund um die Landeshauptstadt München mussten gesperrt werden, in Ulm und in München übernachteten Fahrgäste in Zügen.

Spaß hatten dagegen Schlitten- und Skifahrer sowie sogar einige Surfer am Eisbach im Englischen Garten in München. An vielen Weihnachtsmärkten herrschte idyllische Winterstimmung. Einige Märkte mussten allerdings wegen Schneebruchgefahr geschlossen bleiben, etwa in der Münchner Residenz und am Tollwood-Winterfestival.

Flughäfen stellen vorübergehend Betrieb ein

Am Münchner Flughafen ist wegen starker Schneefälle bis Sonntag um 6.00 Uhr der Flugbetrieb eingestellt. Das teilte ein Flughafen-Sprecher am Samstagvormittag mit. Passagiere wurden gebeten, gar nicht erst anzureisen. Vor Abflügen am Sonntag sollten sich Fluggäste bei ihrer Airline über den Status ihres Fluges informieren, empfahl der Sprecher. Der Winterdienst sei im Einsatz, um wieder einen sicheren Betrieb zu ermöglichen. Der Allgäu Airport in Memmingen stellte wegen der anhaltenden Schneefälle am Samstag ebenfalls den Flugbetrieb ein. Die Sperrung sollte zunächst bis 15.00 Uhr gelten.

Ein Lufthansa-Sprecher verwies darauf, dass sich die Sperrung des Flugverkehrs in München auf andere Flughäfen auswirke. Rund 20 Maschinen, die in München hätten landen sollen, seien nach Frankfurt umgeleitet worden, sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport am Vormittag. Auch der Flughafen Nürnberg nahm laut einem Sprecher einzelne Maschinen auf, die München nicht mehr ansteuern konnten.

Beeinträchtigungen im Bahnverkehr

Wer mit der Bahn fährt, muss sich in Süddeutschland bis Montag auf starke Beeinträchtigungen einstellen. Das sagte eine Bahn-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur am Samstagvormittag. Unter anderem seien Oberleitungen vereist. Der Münchner Hauptbahnhof sei den ganzen Samstag nicht mehr anfahrbar. «Wie es die nächsten Tage aussieht, können wir noch nicht sagen. Wir gehen davon aus, dass es auch am Sonntag noch zu großen Einschränkungen kommen wird», sagte eine Bahn-Sprecherin. Die Regiobahn stellte ihren Zugverkehr komplett ein.

Die Zugbindung wurde aufgehoben. Die Bahn teilte mit: «Alle Fahrgäste, die ihre am 2. und 3. Dezember in Süddeutschland geplante Reise aufgrund des Wintereinbruchs in Süddeutschland verschieben möchten, können ihr Ticket zu einem späteren Zeitpunkt nutzen.»

Kilometerlange Staus auf Bayerns Autobahnen

Auf den Straßen im südlichen Bayern gab es zahlreiche Unfälle - bei den meisten blieb es laut Polizei bei Sachschäden. Der starke Schneefall verursachte lange Staus auf den Autobahnen. Auf der A8 in Richtung Salzburg erstreckte sich nahe München ein Stau zeitweise auf 30 Kilometer, sagte eine Sprecherin des ADAC am Samstagvormittag. Auch die A6 und die A9 seien stark betroffen. Der Automobilclub empfahl, vorübergehend auf nicht notwendige Autofahrten zu verzichten und wenn, dann nur mit Winterausrüstung zu fahren.

Rettungsdienste im Dauereinsatz - Stromausfälle

Die Polizei forderte die Bevölkerung auf, zu Hause zu bleiben. Polizei, Rettungsdienst, Feuerwehr und Räumdienste seien im Dauereinsatz. Viele kleinere Straßen außerhalb von Ortschaften seien stark verschneit oder durch umgestürzte Bäume blockiert. Feuerwehren, Bayerisches Rotes Kreuz und Technisches Hilfswerk waren im Dauereinsatz, unter anderem um Züge zu evakuieren und Hausdächer freizuschaufeln.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Verkehrsminister Christian Bernreiter (beide CSU) dankten den Hilfsorganisationen im Freistaat für ihren ausdauernden Einsatz. «Bleiben Sie bitte alle gesund!», schrieb Söder auf Instagram.

Umgestürzte Bäume führten zudem in Teilen Bayerns zu Stromausfällen. Betroffen seien viele Tausend Haushalte im Netzbereich von Bayernwerk, und zwar insbesondere in den Bereichen Penzberg, Kolbermoor, Freilassing, Parsberg, Vilshofen, Eggenfelden und Regen, teilte ein Unternehmenssprecher mit. Serviceteams seien seit der Nacht im Einsatz, um Schäden an Stromleitungen zu beheben und die Stromversorgung wieder herzustellen.

Kein Skibetrieb auf der Zugspitze

Schon einen Tag nach dem Start der Skisaison an der Zugspitze ist der Bahnbetrieb an Deutschlands höchstem Berg eingestellt worden. «Wir haben die Zugspitze komplett geschlossen», sagte eine Sprecherin der Bayerischen Zugspitzbahn. Weder die Seilbahn noch die Zahnradbahn könnten fahren. Es herrschte Lawinengefahr, zudem waren Bäume umgestürzt.

Schlösser und Tierpark geschlossen

In München blieb am Samstag die Residenz geschlossen, ebenfalls die Schlösser auf der Herreninsel im Chiemsee sowie Schloss Linderhof in Ettal (Landkreis Garmisch-Partenkirchen). Nicht betroffen war laut Bayerischer Schlösserverwaltung Schloss Neuschwanstein nahe Füssen im Allgäu. In München blieben auch der Tierpark Hellabrunn und die Handwerksmesse geschlossen. In Straubing und Augsburg waren Tiergarten beziehungsweise Zoo geschlossen, der ÖPNV ruhte in den beiden Städten vorübergehend. Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) empfahl, Wälder im Süden und Osten Bayerns wegen Schneebruchgefahr zu meiden.

Weiterer Schneefall erwartet

Dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge wurden im Allgäu mit 30 bis 40 Zentimetern bis Samstagnachmittag die höchsten Neuschneemengen erwartet. Nach den schweren Schneefällen an den Alpen wird in der Nacht zu Sonntag mit etwas weniger Flocken gerechnet.

© dpa ⁄ Ute Wessels und Lisa Forster, dpa
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