Gymnasiallehrer von Zusatzaufgaben abgeschreckt

Der Lehrermangel erreicht langsam auch die Gymnasien. Eigentlich gäbe es eine einfache Lösung: Viele Lehrkräfte arbeiten nur Teilzeit und könnten aufstocken. Eine Umfrage zeigt, dass die Betroffenen durchaus mehr arbeiten würden - wenn's denn beim Unterrichten bliebe.
Ein Schwamm liegt an der Schultafel. © Annette Riedl/dpa/Symbolbild

Besprechungen, Konzepte und Organisationskram: Der sich abzeichnende Lehrkräftemangel an Bayerns Gymnasien könnte in der Theorie durch das Aufstocken von Teilzeitstellen abgemildert werden - doch in der Praxis schrecken unterrichtsferne Zusatzaufgaben viele in Teilzeit arbeitende Menschen davon ab. Dies hat eine Umfrage des Bayerischen Philologenverbands (bpv) ergeben, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Der Verband, der Lehrkräfte an Gymnasien und Beruflichen Oberschulen vertritt, fordert deshalb mehr Unterstützungskräfte an den Schulen und eine deutliche Entlastung der Lehrkräfte von außerunterrichtlichen Tätigkeiten.

«In den Lehrerzimmern schlummert eine "stille Reserve" an Lehrpersonal», erläuterte der bpv-Vorsitzende Michael Schwägerl. «Es arbeitet in Teilzeit und wäre unter den richtigen Bedingungen bereit, Stunden aufzustocken.» Doch weit über die Hälfte von fast 5000 Lehrkräften habe in einer verbandsinternen Umfrage angegeben, dass zusätzliche Organisations- und Verwaltungsaufgaben sowie eine Vielzahl schulischer Termine außerhalb des Unterrichts sie davon abhalte.

Dazu kämen Vertretungen und der Korrekturaufwand, auch aufgrund nachgeholter Leistungsnachweise. «Beides hat im vergangenen Schuljahr aufgrund von häufigen und lang andauernden Fehlzeiten deutlich zugenommen», erläuterte Schwägerl. Mit Blick auf die Planbarkeit und damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hingegen habe sich an den Schulen vor Ort bereits vieles getan.

«Klarer könnte das Ergebnis nicht sein: Die Kolleginnen und Kollegen wollen unterrichten und möchten dafür ausreichend Zeit haben», betonte Schwägerl. Jedoch: «Zusätzliche Projekte an den Schulen, geforderte Konzepte, die externe Evaluation, Fachsitzungen, Schulveranstaltungen, Dienstbesprechungen – je mehr gesellschaftliche und bildungspolitische Anliegen an die Schulen herangetragen werden, desto mehr gerät das Kerngeschäft des Unterrichtens in den Hintergrund.»

An den Grund-, Mittel- und Förderschulen herrscht im Freistaat seit längerem ein eklatanter Mangel an Lehrkräften. Nach Einschätzung des bpv droht dies künftig auch den Gymnasien: Nachdem für das nächste Schuljahr über 1000 Lehrkräfte angestellt wurden, sind die Wartelisten nach Angaben des Verbands nun leer. Die detaillierten Ergebnisse der Mitgliederumfrage will der Philologenverband Anfang September präsentieren.

© dpa
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