Mann wegen 56-fachen Mordversuchs an Geflüchteten angeklagt

Im Rausch soll in Niederbayern ein Mann versucht haben, ein Flüchtlingsheim mit mehr als 50 Menschen darin niederzubrennen. Die Staatsanwaltschaft erkennt eine rassistische Tat - der wegen zahlreicher versuchter Morde Angeklagte sieht es ganz anders.
Der Angeklagte (r) spricht im Verhandlungssaal des Landgerichts mit seinem Verteidiger Georg Karl. © Armin Weigel/dpa

Wegen 56-fachen versuchten Mordes durch einen Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in Niederbayern steht seit Donnerstag ein 42 Jahre alter Mann vor dem Landgericht in Landshut. Zu Beginn des Prozesses sagte der Versicherungskaufmann aus, dass er sich an die Tatnacht wegen seiner starken Alkoholisierung kaum erinnern könne. Die Staatsanwaltschaft gesteht dem Mann zwar eine Enthemmung durch den Alkohol zu, er habe aber weiterhin das Unrecht seiner Tat erkennen können.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft legte der Angeklagte in einer Nacht im Oktober 2021 in Simbach am Inn nach einem Discobesuch und einem Streit mit seiner Lebensgefährtin an mehreren Stellen bei der Unterkunft für Asylbewerber Feuer. Gründe sollen persönliche Verärgerung und seine «fremdenfeindliche Grundeinstellung» gewesen sein. Den Tod von Menschen habe er billigend in Kauf genommen, weil er den Flüchtlingen «das Lebensrecht in Deutschland absprach», heißt es in der Anklage.

Die Bewohner konnten den frühmorgens zwischen 5.00 und 6.00 Uhr gelegten Brand noch vor Eintreffen der Feuerwehr löschen, der Sachschaden blieb mit rund 15.000 Euro überschaubar. Während der Brandstiftung waren 56 Menschen in dem Gebäude, insgesamt 67 Personen waren dort gemeldet.

Mitangeklagt sind in dem Verfahren ein ebenfalls 42 Jahre alter Bekannter des Hauptangeklagten sowie die 32 Jahre alte Freundin des mutmaßlichen Brandstifters. Beide sollen von dem Vorhaben des 42-Jährigen gewusst haben, ohne dies der Polizei zu melden. Ihnen wird insofern eine Nichtanzeige geplanter Straftaten vorgeworfen.

Vor Gericht bestritt der Hauptangeklagte, dass er rechtsradikale Einstellungen habe. Die Staatsanwaltschaft stützt sich allerdings auch auf mehrere Sprachnachrichten, die der Mann in der Tatnacht an die beiden Mitangeklagten sowie seine geschiedene Ehefrau geschickt habe.

Demnach soll er unter anderem im Dialekt geäußert haben: «I geh jetzt ins Asylantenheim aufe (...) Und i zünds a! Und wene stirb dann stirb i... dann stirb i für meine Kinder und für mei Vaterland», soll der Mann seiner Partnerin mitgeteilt haben. Seine Kinder sollten «ohne Asylanten» aufwachsen, habe es in der Mitteilung an die Ex-Ehefrau geheißen. «I geh jetzt aufe zum Asylantenheim ... und dann krachts!», soll er in einer anderen Nachricht erklärt haben.

Der Hauptbeschuldigte sagte dazu, dass er sich diese Nachrichten nicht erklären könne und selbst auch «extrem schockiert» deswegen sei. Er habe niemanden schaden wollen. In dem Prozess sind noch weitere Verhandlungstage geplant.

© dpa
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