Deggendorfer Mordprozess: Richter drängen auf zeitnahes Ende

Es ist ein komplexer Prozess vor dem Landgericht Deggendorf: Ein zweites Mal wird über den gewaltsamen Tod einer jungen Frau verhandelt. Es geht um Mord. Nachdem es immer wieder Verzögerungen gab, zeichnet sich nun das Ende ab.
Ein Schild mit der Aufschrift "Amts- und Landgerich Deggendorf" steht vor dem Gerichtsgebäude. © Armin Weigel/dpa/Archivbild

Im Deggendorfer Wiederaufnahmeverfahren um die Tötung einer jungen Frau aus dem Bayerischen Wald im Jahr 2016 drängen die Richter darauf, zeitnah zu einem Ende zu kommen. In dem seit April laufenden Prozess wurden mehrfach Termine für Plädoyers und Urteil anberaumt, dann aber wegen kurzfristiger neuer Anträge seitens der Verteidiger verschoben. Nun soll Ende September oder Anfang Oktober das Urteil gesprochen werden, wie am Dienstag vor dem Landgericht Deggendorf die Verfahrensbeteiligten übereinkamen.

Weitere Anträge dürften lediglich noch bis zum Ende des kommenden Verhandlungstages am 15. September gestellt werden, machte der Vorsitzende Richter eine klare Ansage. Es bestehe die Besorgnis, dass sich der Verfahrensabschluss «ohne rechtfertigenden Grund» verzögere.

Vergangenen Donnerstag hatte die Verteidigung den früheren Hausarzt des 28-jährigen Angeklagten als Zeugen laden lassen. Es ging um die Frage nach einer möglicherweise eingeschränkten Steuerungs- und Handlungsfähigkeit des Mannes zum Zeitpunkt der Tat.

Der Arzt sagte nun, der Angeklagte sei zwar wenige Wochen vor der Tat bei ihm vorstellig gewesen und habe sich aufgrund der zuvor erfolgten Trennung von seiner Freundin - und somit von seinem Sohn - in einem «psychovegetativen Erregungszustand» befunden. Das habe sich seiner Wahrnehmung nach aber nicht auf die Handlungsfähigkeit ausgewirkt. Der Patient sei «grundsätzlich zu allem in der Lage» gewesen. Er habe ihn damals aber kurzzeitig krankgeschrieben, sagte der Arzt.

Der Angeklagte hatte vor sechs Jahren seine 20 Jahre alte Ex-Freundin erstochen. Dafür war er 2017 wegen Totschlags rechtskräftig zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Aufgrund von Falschaussagen zweier Zeugen zugunsten des Angeklagten in dem ersten Prozess vor dem Landgericht Passau ist das Verfahren wieder aufgenommen worden. Dem 28-Jährigen wird im zweiten Prozess Mord vorgeworfen.

Die weitere Planung der Verfahrensbeteiligten sieht jetzt vor, am 15. September erneut den forensischen Sachverständigen zu hören, der den Angeklagten in diesem Verfahren begutachtet hatte. Danach soll die Beweisaufnahme - sollte es keine weiteren Anträge mehr geben - geschlossen werden. Am 19. September könnte mit den Plädoyers von Staatsanwalt und Nebenklagevertretern begonnen werden.

© dpa
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