Zwischen Computer und Kunst: Herbert W. Franke ist tot

Physik, Mathematik, Chemie, dazu Psychologie und Philosophie - was Herbert W. Franke studierte, zeugt von seinem umfassenden Interesse. Er galt als Universalgelehrter und obendrein als Pionier der Medienkunst. Nun ist er gestorben, mit 95 Jahren.
Als Pionier in der Computergrafik stellt sich Herbert W. Franke in der Kunsthalle Bremen vor einem seiner Werke vor. © Ingo Wagner/dpa/Archivbild

Der Künstler, Physiker und Science-Fiction-Autor Herbert W. Franke ist tot. Er sei am Samstag im Alter von 95 Jahren im Kreise seiner Familie im oberbayerischen Egling (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) gestorben, teilte Susanne Päch, die Ehefrau des Verstorbenen, über einen PR-Berater mit. Der in Österreich geborene Franke galt als Pionier der Computerkunst und Vordenker des Metaverse, eines digitalen Raums. 1979 hatte er das Festival Ars Electronica in Linz mitbegründet.

Franke wurde am 14. Mai 1927 in Wien geboren. Dort studierte er auch Physik, Mathematik und Chemie mit den Nebenfächern Psychologie und Philosophie. Auch die Höhlenforschung faszinierte ihn, ebenso wie die Computerkunst.

Österreichs Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) nannte Franke einen Universalgelehrten, der in vielem seiner Zeit voraus gewesen sei. «Er war einer der Ersten, der die ästhetisch-künstlerischen Möglichkeiten der Computertechnologie erarbeitete, dachte seine wissenschaftlichen Fragestellungen als Autor seiner Science-Fiction-Romane und Kurzgeschichten weiter», sagte sie.

Frankes Ehefrau meldete sich auf dem Twitteraccount ihres Mannes zu Wort. «Herbert nannte sich gerne den Dinosaurier der Computerkunst», schrieb Päch auf Englisch. Er sei in dem Wissen gestorben, dass eine Gemeinschaft von Künstlern und Kunstbegeisterten seine Arbeit zutiefst schätze und sich um seine Kunst und sein Vermächtnis kümmere.

Auf die Biennale in Venedig schaffte Franke es 1970 mit einem Siebdruck. Das mit einem Digitalcomputer geschaffene Werk sei sein erstes gewesen, bei dem er den Zufall mit einem Algorithmus zusammenarbeiten ließ, berichtete Päch. Zudem war er Mitglied der Schriftstellervereinigung PEN Deutschland und schrieb Science-Fiction-Werke wie «Der grüne Komet» oder «Zentrum der Milchstraße». Lehraufträge hatte er unter anderem in München an der Ludwig-Maximilians-Universität und der Akademie der Bildenden Künste. Das österreichische Bundeskulturministerium verlieh ihm 2007 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse.

Noch am 1. Juni hatte Franke 100 NFTs veröffentlicht aus seiner Serie «Math Art» - Non-Fungible Tokens (deutsch: nicht austauschbare Wertmarke), die als digitale Echtheitszertifikate auf fassbare Objekte oder virtuelle Güter verweisen. Sein erster NFT Drop sei innerhalb von 30 Sekunden ausverkauft gewesen, sagte Päch.

Zu bewundern waren seine Werke kürzlich noch im Francisco Carolinum für Fotografie und Medienkunst. Das Museum in Linz hatte Franke anlässlich seines 95. Geburtstages am 14. Mai eine Ausstellung gewidmet, die erst Anfang Juli endete.

© dpa
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