Coronapandemie: «Dramatische Entwicklung» an Kliniken

Corona kommt wieder stärker in den bayerischen Krankenhäusern an. Die Zahl der Patienten auf Normal- und Intensivstationen steigt und viele Mitarbeiter fallen aus. Kliniken berichten von schwierigen Zuständen.
Eine Pflegerin bedient eine Herz-Lungen-Maschine. © Fabian Strauch/dpa/Symbolbild

Angesichts vieler Corona-Infektionen bei Patienten und Ausfällen beim Personal ächzen die Kliniken im Freistaat unter der Belastung. Das Uniklinikum Würzburg meldete sich am Freitag mit einer Art Hilferuf: Die Belastungsgrenze sei überschritten. «Eine solche andauernde Belastungsphase mit so hohen Patientenzahlen gab es seit Beginn der Pandemie noch nicht», betonte der Ärztliche Direktor Professor Jens Maschmann. Die Entwicklung, speziell in der aktuellen Woche, sei «dramatisch». Und auch aus München sind ähnliche Töne zu hören.

In Würzburg könne es «ab sofort in allen Klinikbereichen zur Verschiebung von planbaren und nicht dringlichen Behandlungen kommen», hieß es vom Klinikum. Hintergrund ist, dass einerseits viele Patienten mit Corona-Nachweis versorgt werden müssten. Gleichzeitig falle Personal in nahezu allen Berufsgruppen aus, oft sehr kurzfristig.

Bei der städtischen München Klinik mit fünf Standorten ist die Situation ähnlich. Die Lage sei «angespannt», sagt Geschäftsführer Axel Fischer auf Anfrage. «Mein größtes Problem sind bei den steigenden Patientenzahlen die Personalausfälle», erklärt er. «Aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr im privaten Raum haben wir wahnsinnig viele infizierte Mitarbeiter. Und dazu kommt, dass die Personaldecke nach zweieinhalb Jahren Corona bereits angespannt ist.»

Am Dienstag behandelte die München Klinik 146 Corona-Patienten, 12 davon auf Intensivstationen. Doch laut Fischer sei gar nicht so entscheidend, wie viele Betten mit ihnen belegt seien. «Wir sollten eher auf die Betten schauen, die wir nicht belegen können, worunter wichtige andere Therapien leiden - wegen Personalausfällen und Isolationsmaßnahmen.»

An der Uniklinik Würzburg werden mit Stand Freitag nach Klinikangaben 65 Patienten mit SARS-CoV-2 versorgt, davon 59 auf Normalstationen, die übrigen sechs Patienten intensivmedizinisch. Bei den Normalstationen sei dies «ein trauriger Höchststand».

Jeder habe sich eine Erholung im Sommer gewünscht, sagt Maschmann. «Leider ist das Gegenteil eingetreten: Rekordzahlen bei den Patienten und wachsende Personalausfälle». Es sei nötig, dass die Überlastung wieder auf die politische Tagesordnung komme.

Sein Münchner Kollege Fischer verweist zudem auf die «finanziell katastrophale Situation» bei den großen Maximalversorgern: «Die Einnahmen brechen wegen wegfallender Operationen ein, während die Kosten extrem steigen und es keinen wirtschaftlichen Ausgleich des Staates mehr gibt.»

Die Zahlen der Corona-Patienten in bayerischen Kliniken steigen seit rund eineinhalb Monaten deutlich. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit meldete am Freitag unter Berufung auf das RKI 1427 hospitalisierte Fälle in den letzten sieben Tagen in Bayern. Noch Mitte Juni waren es nicht einmal halb so viele. Auch auf den Intensivstationen gehen die Zahlen inzwischen deutlich nach oben. Das Intensivregister meldete am Freitag 238 Patienten in Bayern. Auch das ist eine Verdoppelung seit der ersten Juni-Woche.

© dpa
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