Münchens OB Reiter nach Stammstrecken-Fiasko sauer auf Bahn

Die zweite Stammstrecke für die Münchner S-Bahn könnte bis zu neun Jahre später kommen - und mehrere Milliarden mehr kosten. Entsprechend sauer ist der Oberbürgermeister. Vor allem, weil von der Bahn zu den Zahlen nichts zu hören ist.
Züge der S-Bahn München fahren an der Baustelle entlang. © Matthias Balk/dpa/Archivbild

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat sich nach Bekanntwerden der mutmaßlich jahrelangen Verspätung und Kostenexplosion bei der zweiten Münchner S-Bahn-Stammstrecke verärgert über die Deutsche Bahn gezeigt. Er könne sich gar nicht vorstellen, wie es dazu kommen könne. «Das Schlimme ist doch, dass uns die Bahn ja auch gar nichts sagt dazu, das ist das absolut Ärgerliche daran», sagte Reiter am Freitag auf Bayern 2 in der «Radiowelt am Morgen». «Wir alle sind davon ausgegangen, dass die Stadt München als Betroffene informiert wird. Ich stelle fest, dass es bis heute keine Information gibt an die Stadt München. Ich finde das erschreckend, wie man da mit uns umgeht.»

Am Vortag war bekanntgeworden, dass das bayerische Verkehrsministerium von einer Steigerung der Kosten von anfangs angesetzten 3,85 Milliarden auf bis zu 7,2 Milliarden Euro ausgeht. Die Inbetriebnahme der zweiten zentralen S-Bahn-Strecke durch die Münchner Innenstadt könnte sich demnach von 2028 auf 2037 verzögern.

Allerdings beklagten auch die Projektbetreuer des Ministeriums, dass sie die aktuelle Kalkulation der Bahn nicht kennen würden und es sich bei den Angaben deshalb um Schätzungen handele. Eine Sprecherin der Deutschen Bahn wiederum betonte: «Wir stehen im regelmäßigen Austausch mit unseren Projektpartnern. Dies umfasst auch die Zeit- und Kostenpläne des Projekts, die wir aktuell überprüfen.» Allerdings sei diese Überprüfung noch nicht abgeschlossen, weshalb sie sich inhaltlich zu dem Vorgang nicht äußern wolle.

Obwohl die Fakten von der Bahn noch nicht auf dem Tisch liegen, gibt es bereits Streit zwischen München und Berlin über die Frage, wer die Kostensteigerung finanziert. Bei Abschluss der Verträge im Jahr 2016 hieß es, der Bund übernehme auch bei Mehrkosten 60 Prozent der förderfähigen Kosten. Am Donnerstag hingegen verwies Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) darauf, dass die Verantwortung für die Sicherstellung der Gesamtfinanzierung des Vorhabens beim Freistaat Bayern liege.

Eine Aussage, die Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) nicht so stehen lassen wollte. «Natürlich ist der Bund an der zweiten Stammstrecke beteiligt!» Die Bayern brauchten «weder Hinhaltetaktik noch fadenscheinige Ablenkungsmanöver, sondern endlich Klarheit», wie es mit der Strecke weitergehe.

© dpa
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