«Der Umfang des Grauens»: Vertuschungsvorwürfe gegen Bischof

Die Eichstätter Aufarbeitungskommission macht dem früherem Bischof Brems heftige Vorwürfe: Er soll einem Missbrauchstäter bei der Flucht vor der Polizei geholfen haben. Doch auch unter dem aktuellen Bischof Hanke gab es wohl schwere Versäumnisse in dem Fall.
«Bischöfliches Ordinariat» steht auf einem Schild der Diözese Eichstätt. © Armin Weigel/dpa/Archivbild

Ein Bericht der Unabhängigen Aufarbeitungskommission im Bistum Eichstätt (UAK Eichstätt) erhärtet schwere Vertuschungsvorwürfe gegen den früheren Bischof Alois Brems. Er soll Missbrauchsfälle demnach nicht nur vertuscht, sondern einem Täter sogar bei dessen Flucht vor der Polizei geholfen haben. «Trotz der zahlreichen schweren Verfehlungen des Priesters in den 1960er Jahren, die bei seinen Opfern großes Leid ausgelöst haben, wurde er in seiner verbrecherischen Handlungsweise nicht gestoppt», sagte der heute amtierende Bischof Gregor Maria Hanke über den am Donnerstag veröffentlichten Bericht.

«Dass diese Taten ausgeführt und zudem aktiv vertuscht wurden, ist ein erschütternder Vorgang, der restlos aufgearbeitet werden muss.» Das Erbe von Bischof Brems müsse neu bewertet werden, sagte Hanke. «Ich bitte zudem die Kommunen und Institutionen, die Bischof Brems gewürdigt haben, das Gedenken an ihn ihrerseits zu überdenken.» Brems war von 1968 bis 1983 Bischof von Eichstätt. Er starb 1987.

Die Vorwürfe gegen ihn waren schon vor einigen Wochen bekannt geworden. Bei dem Mann, dessen Taten Brems gedeckt haben soll, handelt es sich um einen 2016 gestorbenen Priester, der in den 1960er Jahren Mädchen missbraucht haben soll. «Nach aktuellem Kenntnisstand wissen wir von zehn Betroffenen aus den 1960er Jahren», sagte Bistumssprecherin Pia Dyckmans.

Wie die Mediengruppe Bayern Ende Oktober berichtete, erstatte eine Betroffene damals Anzeige, die Staatsanwaltschaft war informiert. Doch der Priester konnte sich dem Bericht zufolge rechtzeitig absetzen - er wurde Missionar in Afrika und später in Lateinamerika. Zudem habe die Bistumsleitung ihn unterstützt, sich mit einem anderen Namen zu tarnen, hieß es. In den 1980er Jahren, als die Vorwürfe gegen ihn längst verjährt waren, kehrte der Priester in seine Heimatdiözese Eichstätt zurück und soll dort viele Jahre wieder in einer Pfarrei gearbeitet haben.

Doch damit nicht genug: Wie die UAK Eichstätt berichtet, wurde der Mann dann Jahrzehnte später in einem Seniorenheim in Schwabach erneut übergriffig. Wie der Eichstätter Kreisverband der Caritas schon am Samstag mitteilte, beschuldigen Zeugen den Mann, in den Jahren 2011 und 2012 als Hausgeistlicher des Seniorenheims sowohl Mitarbeiterinnen als auch Bewohnerinnen belästigt zu haben.

Bischof Hanke räumte nun auch persönliche Verfehlungen in dem Dall ein: Als der Wiederholungstäter aus Schwabach in das Erzbistum Bamberg zog, habe das Bistum Eichstätt nicht «über die verbrecherische Vergangenheit des Priesters informiert».

Der Mann habe von Ende 2012 bis Juli 2014 als Aushilfsgeistlicher in der Gebetsstätte Heroldsbach (Landkreis Forchheim) gelegentlich Gottesdienste gehalten, bestätigte das Erzbistums Bamberg. Von Juli 2014 bis zu seinem Tod im Oktober 2016 habe der Priester dann in Bamberg gelebt. Bisher seien keine derartigen Vorwürfe aus seiner Zeit in Heroldsbach und Bamberg gemeldet geworden, sagte ein Bistumssprecher erst am Dienstag. Das Erzbistum und auch das Bistum Eichstätt rufen mögliche Betroffene von sexuellen Übergriffen auf, sich zu melden.

«Ich muss selbstkritisch anmerken, dass ich nach ersten Gesprächen aus dem Jahr 2010 sofort hätte reagieren müssen. Die Tatsache, dass von einem Täter auch in hohem Alter in einem Seniorenheim noch Gefahr ausgehen kann, hab ich mir damals nicht vorstellen können», sagte Hanke. «Der Umfang des Grauens war mir nicht bekannt. Das war ein großer Fehler, aus dem ich schmerzhaft gelernt habe.»

© dpa
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