Gericht zu «Cold Case»: Entscheidung nicht vor Oktober

1993, kurz vor Weihnachten: Eine 13-Jährige verschwindet im unterfränkischen Karlstadt. Fast 30 Jahre später gibt es eine Mordanklage, aber das Gericht lässt sie nicht zu. Nun studiert die höhere Instanz die Akten.
Ein Flugblatt, auf dem die Bevölkerung um Hinweise auf einen Mordfall in Karlstadt (Opfer: Sabine B.) gebeten wird, liegt auf einem Autodach. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Anfang Mai hat das Landgericht Würzburg eine Mordanklage zu einem Verbrechen vor fast drei Jahrzehnten nicht zugelassen - nun muss sich das Oberlandesgericht (OLG) Bamberg mit der Sache befassen. Hintergrund ist eine Beschwerde der Staatsanwaltschaft gegen die Würzburger Entscheidung. «Dem Verteidiger und dem Nebenklägertreter wurde eine Frist zur Stellungnahme zum Antrag der Generalstaatsanwaltschaft bis Mitte Juli eingeräumt», teilte ein OLG-Sprecher mit. Mit Blick auf den Umfang des Verfahrens sowie die anstehende Urlaubzeit könne mit einer Entscheidung frühestens im Oktober gerechnet werden. Zunächst hatte das «Main-Echo» darüber berichtet.

Im vergangenen Dezember hatte die Staatsanwaltschaft Würzburg einen zur Tatzeit 17 Jahre alten Mann wegen Mordes angeklagt. Er soll demnach ein Mädchen namens Sabine kurz vor Weihnachten 1993 in Karlstadt (Landkreis Main-Spessart) getötet haben.

Das Gericht hatte vor rund zwei Monaten erklärt, aufgrund der Ermittlungsergebnisse komme eine Beteiligung des Beschuldigten an der Tat in Betracht. Dennoch ließen die Beweise keine sichere Rekonstruktion eines Tathergangs zu, der einen Mordvorwurf belegen könne. Eine Anklage wegen anderer Straftatbestände - etwa wegen Totschlags - sei wegen der Verjährungsfristen nicht mehr möglich.

Der Verdächtige aus dem Landkreis Main-Spessart war bereits im Januar 2021 nach neuerlichen Durchsuchungen wegen Mordverdachts festgenommen worden. Wenige Wochen danach wurde der Mann wieder freigelassen. Das Ermittlungsverfahren lief aber weiter. Der Mann stand schon früher im Fokus der Ermittler. Zu seinem möglichen Motiv hat die Staatsanwaltschaft seither keine Angaben gemacht.

Das Opfer war zuletzt auf einem Bauernhof im Stadtteil Wiesenfeld gesehen worden. Dort wurden später in einer Jauchegrube die Jacke und Kleidung des Mädchens gefunden - aber nicht die 13-Jährige. Als der schwere Betondeckel einer abseits liegenden Güllegrube hochgehoben wurde, entdeckten die Ermittler die Leiche. Die Schülerin kam nach Angaben der Staatsanwaltschaft gewaltsam ums Leben.

© dpa
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