Noch ein Corona-Effekt? Weniger Menschen verurteilt

Wer sich über die geltenden Gesetze hinwegsetzt und erwischt wird, findet sich schnell auf der Anklagebank wieder. Ein Blick in die Statistik offenbart dabei durchaus interessante Entwicklungen.
"Im Namen des Deutschen Volkes" ist auf einer alten Bekanntmachung in einer Mappe zu lesen. © Peter Kneffel/dpa/Archivbild

Wegen der gesunkenen Zahl von Straftaten auf der Straße während der Corona-Pandemie ist in Bayern im vergangenen Jahr auch die Zahl der Verurteilungen deutlich zurückgegangen. Es falle aber auf, «dass die Straftaten im Internet hingegen deutlich zugenommen haben», sagte Justizminister Georg Eisenreich (CSU) am Mittwoch bei der Vorstellung der Strafverfolgungsstatistik 2021 in München. Nur mit der Pandemie lasse sich der Rückgang nicht generell erklären, die Gründe dürften erst in den kommenden Jahren nachvollziehbar werden.

Ebenfalls nach oben gingen die Zahlen bei Kapitaldelikten: 61 Personen wurden wegen Totschlags verurteilt (+ 17,3 Prozent), 24 wegen Mordes (+50 Prozent).

Insgesamt seien 2021 von Bayerns Strafgerichten 109.024 Personen verurteilt worden, sagte Eisenreich. 2020 waren fast 117.000 Menschen rechtskräftig in Bayern verurteilt worden. 2019 lag die Zahl der Verurteilten sogar bei 121.250. Die Mehrzahl der Verurteilten war männlich, Frauen hatten gerade einmal einen Anteil von 17,2 Prozent. Die Statistik wird jährlich erstellt und bildet die rechtskräftig abgeschlossenen Verfahren vor bayerischen Strafgerichten ab.

Von allen Verurteilten mussten am Ende aber nur rund sechs Prozent ohne Bewährung ins Gefängnis, so Eisenreich. In mehr als 83.000 Fällen seien Geldstrafen verhängt worden. Nur 16 147 mal seien Freiheitsstrafen verhängt worden, davon 65,2 Prozent zu Bewährung. «Das bedeutete, man muss schon wirklich was getan haben, um ins Gefängnis zu müssen», sagte Eisenreich.

In einzelnen Deliktgruppen lägen durchaus Effekte aus der Pandemie als mögliche Gründe für die insgesamt rückläufigen Zahlen auf der Hand. So hätten Straftaten im Straßenverkehr und in der Folge auch Verurteilungen traditionell den größten Anteil an der Kriminalität insgesamt. Dennoch seien die Verurteilungen hier um 9,2 Prozent gegenüber 2020 gesunken.

Die Zahl der Trunkenheitsdelikte habe sogar um 16,2 Prozent abgenommen, hieß es weiter. Auch die Zahl der Diebstähle und Wohnungseinbrüche sei zurückgegangen: Bei den Diebstahlsdelikten sei mit 10.773 Verurteilten ein deutlicher Rückgang um 18,3 Prozent festzustellen, hieß es. Beim Wohnungseinbruchsdiebstahl sei ein Rückgang um 16,2 Prozent zu verzeichnen gewesen.

Dagegen zeigt die Statistik steigende Zahlen bei Verurteilungen wegen der Verbreitung, des Erwerbs und des Besitzes kinderpornografischer Inhalte. Hier wurden 558 Personen verurteilt, 18 Prozent mehr als 2020 (473). Auch die Zahl der Verurteilten wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern ist 2021 um 6,2 Prozent gestiegen. Bei den Stalking-Fällen gab es ein deutliches Plus um 16,5 Prozent auf 106 Verurteilungen.

Mit Blick auf die Corona-Pandemie verzeichnete die Erhebung ein extremes Plus beim sogenannten Subventionsbetrug: Wurden 2020 noch «nur» 70 Personen deswegen verurteilt, so waren es 2021 bereits 307 - ein Plus von 338,6 Prozent.

Die meisten Verurteilten waren Deutsche (61.293). Der Anteil der nicht-deutschen Täter, die in Bayern verurteilt wurden (47.731), sank damit um 6,5 Prozent im Vergleich zu 2020 (51.030). Der prozentuale Anteil an allen Verurteilten ist den Angaben zufolge aber gleich geblieben und liegt bei 43,8 Prozent (43,6 Prozent in 2020).

© dpa
Weitere News
Top News
1. bundesliga
18. Spieltag: Hofmann trifft doppelt: Gladbach feiert ersten Auswärtssieg
Tv & kino
Schauspieler: Dimitrij Schaad erhält Ulrich-Wildgruber-Preis
Tv & kino
Schauspielerin: Sandra Hüller beim Filmfestival Max Ophüls
Tv & kino
Featured: Bridgerton: Die richtige Reihenfolge der Bücher
Das beste netz deutschlands
Featured: DeepL Write: So nutzt Du die KI-Schreibhilfe für Texte
Das beste netz deutschlands
Featured: Chat GPT: So nutzt Du den KI-Bot von OpenAI
Internet news & surftipps
Extremismus: SPD-Abgeordneter für 14-Tage-Speicherpflicht für IP-Adressen
Reise
Flüge verspätet und gestrichen: Streik am Düsseldorfer Airport: Diese Rechte haben Reisende
Empfehlungen der Redaktion
Regional rheinland pfalz & saarland
Justiz: Pandemie hinterlässt Spuren in Strafverfolgungsstatistik
Regional bayern
Justiz: Bayerns Strafgerichte verurteilen immer weniger Menschen
Regional niedersachsen & bremen
Justiz: Weniger Verurteilungen in Niedersachsen
Regional baden württemberg
Verbrechen: 40 Prozent mehr Verurteilungen wegen Kinderpornografie
Regional bayern
Jusitz: Seit 2012 über 1628 Jahre Knast vermieden
Regional bayern
Laut Justizminister: Spezial-Staatsanwalt für Antisemitismus erfolgreich
Regional sachsen
Landtag: Bis Juni fast 4400 Strafanzeigen wegen Graffiti in Sachsen
Regional thüringen
Freizeit: Fitnessstudios nach Corona-Pandemie weiter mit Problemen