Studie: Bayern hat zweitbestes Bildungssystem in Deutschland

Im Freistaat rühmt man sich gerne für die Qualität im Bildungswesen. Bestätigung findet das regelmäßig in einer Studie, die den Fokus gezielt auf wirtschaftliche Aspekte legt. Aber es gibt auch Kritik.
Eine Schülerin meldet sich im Unterricht. © Marijan Murat/dpa/Symbolbild

Bayern hat laut einer aktuellen Erhebung das zweitbeste Bildungssystem in Deutschland. Das ergab eine am Mittwoch veröffentlichte Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, die von der Metall- und Elektro-Industrie finanziert wird. Spitzenreiter ist danach Sachsen, Platz drei belegt Thüringen.

Bayern erreicht den Angaben zufolge in den Handlungsfeldern Berufliche Bildung und Bildungsarmut Platz 1 und in den Feldern Digitalisierung, Integration, Schulqualität und Forschungsorientierung den 2. Platz. Kritisch sehen die Autoren der Studie die wenigen Ganztagsplätze in Kitas und Grundschulen, hier landete der Freistaat nur auf Rang 13 - dies monieren auch andere Studien seit Jahren immer wieder am bayerischen Bildungssystem.

Die Bewertung des Bildungssystems erfolgt nach Angaben der Autoren ausdrücklich aus bildungsökonomischer Sicht. Bewertet wird, inwiefern die Bundesländer Bildungsarmut reduzieren, zur Fachkräftesicherung beitragen und Wachstum fördern.

«Bayerns erneuter zweiter Platz beim Bildungsmonitor bestätigt, dass wir bei der Bildung einen erfolgreichen Weg gehen. Garant für den bayerischen Erfolg sind dabei die hohe Schulqualität und die hervorragende berufliche Bildung», sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). Das zeige, dass Kinder und Jugendliche in Bayern bestens darauf vorbereitet würden, ihr späteres Leben mit Ausbildung oder Studium erfolgreich fortzusetzen.

Auch Bayerns zweiter Platz bei der Digitalisierung bestätige, dass das Bildungssystem zukunftsorientiert ausgerichtet sei. «In Bayern werden nicht nur die technischen Rahmenbedingungen bereitgestellt, unsere Lehrkräfte setzen die digitalen Medien auch regelmäßig im Unterricht ein. Da die Digitalisierung alle Lebensbereiche zunehmend durchdringt, werden wir uns auf diesem zweiten Platz aber nicht ausruhen, sondern auch in Zukunft weiter in die Digitalisierung investieren», betonte Piazolo.

Die hohe Qualität der Schulbildung sei Grundlage für den späteren beruflichen Erfolg und damit auch für die Fachkräftesicherung der Betriebe, sagte der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft, Bertram Brossardt.

Nach einem Schulabschluss biete die bayerische Wirtschaft den Schülerinnen und Schülern vielversprechende Chancen auf einen Ausbildungsplatz, sagte Brossardt. Das gehe auch aus aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit und der Sommerumfrage in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie hervor. «Derzeit kommen auf eine Bewerberin oder einen Bewerber in Bayern branchenübergreifend rechnerisch 1,66 offene Stellen.» 92 Prozent der befragten Betriebe würden ihre Azubis in diesem Jahr übernehmen.

Schlusslicht im Ranking ist hinter Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt der Zwei-Städte-Staat Bremen. «In fast der Hälfte der Bundesländer haben sich die Bildungssysteme seit 2013 unterm Strich verschlechtert», sagte der Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, Hubertus Pellengahr.

An allen Schulen sollten nach Ansicht der Autoren Vergleichsarbeiten durchgeführt werden, um Wissenslücken systematisch zu ermitteln. Zudem müssten die Förderinfrastruktur ausgebaut und mehr Lehrkräfte in den sogenannten MINT-Fächern - Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik - ausgebildet werden.

Zum ersten Mal wurde im Bildungsmonitor auch die Digitalisierung betrachtet. Die Bedeutung digitaler Kompetenzen nehme in den kommenden Jahren deutlich zu, hieß es. Entsprechend relevant sei die Digitalisierung im Bildungssektor.

Deutschlandweit sollten nach Ansicht der Initiative 20.000 zusätzliche IT-Stellen an den Schulen bereitgestellt werden. «Neue Laptops oder Tablet-Computer werden monatelang nicht ausgepackt, da sich niemand für die Installation von Programmen zuständig fühlt oder Datenschutzbedenken im Weg stehen», sagte Pellengahr. «Unser Bildungsföderalismus hat viele Vorteile. Sie werden nur viel zu selten genutzt.»

Der Bildungsmonitor wird seit 2004 jährlich im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft erhoben. Die Initiative beschreibt sich selbst als überparteiliches Bündnis aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Sie wird von den Arbeitgeberverbänden der Metall-und Elektro-Industrie finanziert.

© dpa
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