Meisterausbildung in Bayern bleibt kostenpflichtig

Wer im Handwerk Meister werden will, muss sich das auch leisten können oder ein Unternehmen finden, das die Ausbildung bezahlt. Das wird im Freistaat auch so bleiben - zumindest vorerst.
Ein Arbeiter führt auf einer Baustelle Schweißarbeiten an einer Brücke aus. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild

Die Meisterausbildung in Bayern bleibt weiter kostenpflichtig. Obwohl sich das Kabinett am Dienstag im Schwerpunkt mit der beruflichen Bildung befasste, spielte das Thema nach Aussage von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger in den Beratungen keine Rolle. Der Freie-Wähler-Chef verwies zudem darauf, dass der Bund rund 220 Millionen Euro zur Verfügung stellen müsste, um die Kosten in Bayern decken zu können, wenn die Meisterausbildung kostenlos würde. Auch Bayern müsste dann noch 92 Millionen Euro beisteuern.

Die Kritik aus dem Landtag ließ nicht lange auf sich warten: SPD, Grüne, FDP und AfD forderten unisono, dass die Meisterausbildung kostenfrei werden müsse. «Meister und Master müssen gleichwertig und die Meisterausbildung kostenlos sein», sagte etwa der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Albert Duin. Einen «Tag des Handwerks» einmal jährlich an den Schulen ins Leben zu rufen, reiche nicht aus, um das Handwerk zu stärken. Ab dem Schuljahr 2022/2023 sollen alle Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen in Bayern einen verpflichtenden «Tag des Handwerks» absolvieren. Ziel sei es, dabei den Mädchen und Jungen handwerkliche Tätigkeiten näher zu bringen

Der Ministerrat setzte dagegen zur Stärkung des Handwerks auf ein vierteiliges Maßnahmenpaket. In den kommenden Jahren sollen rund 57 Millionen Euro in den Bau neuer, digitaler und moderner Bildungszentren fließen. Dies solle sowohl gegen den Fachkräftemangel als auch bei der fortschreitenden Digitalisierung helfen. Nach den Worten von Aiwanger geht es auch darum, den bestehenden Investitionsstau abzubauen.

Die Staatskanzlei teilte mit: «Das Handwerk ist eine tragende Säule für die wirtschaftliche Entwicklung und Beschäftigung in den bayerischen Regionen. Auch für die Bewältigung der Energiewende sind leistungsfähige und technologiekompetente Handwerksbetriebe unabdingbar.»

Dazu soll den Angaben zufolge auch der berufspraktische Unterricht in den überbetrieblichen Bildungszentren des Handwerks ab 2023 um mehr als zwei Millionen Euro pro Jahr aufgestockt werden. Die «überbetriebliche Lehrlingsunterweisung» stelle sicher, dass die Auszubildenden unabhängig von der Spezialisierung des Ausbildungsbetriebs sowie der Betriebsgröße ihren Beruf umfassend und auf dem modernsten technologischen Niveau erlernen könnten.

Fachkräftemangel, Materialengpässe und explodierende Energiekosten belasteten die Handwerksbetriebe. Ihnen sollten keine zusätzlichen Belastungen durch Kostensteigerungen im Ausbildungsbereich entstehen. Bayerns Handwerk habe eine «außerordentliche Rolle» für die Zukunft und Stabilität des Landes, betonte Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU).

Ferner soll das Förderprogramm «Handwerk Innovativ» über das Jahresende hinaus verlängert und erweitert werden. Damit würden die bayerischen Handwerksorganisationen auch künftig in die Lage versetzt, neuen technologischen Entwicklungen mit eigenen Forschungs- und Entwicklungsprojekten zu begegnen, hieß es weiter. Dazu zählten etwa der 3D-Druck, kollaborative Roboter (Cobots), Künstliche Intelligenz oder die Anwendung der 5G-Übertragungstechnik. Zudem sollen die Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit zwischen Handwerksorganisationen und Hochschulen verbessert werden.

Das bayerische Handwerk äußerte sich nicht zur Meisterausbildung, lobte aber die neue Förderung der beruflichen Bildung. «Unser Land steht vor großen Herausforderungen. Um diese zu bewältigen, brauchen wir ein starkes Handwerk», sagte Franz Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT). Da das Handwerk primär selbst ausbilde, sei es wichtig, mehr junge Leute für eine Lehre zu gewinnen. «Es gibt viele attraktive Karrierewege außerhalb der Hörsäle. Das müssen wir den Schülerinnen und Schülern aufzeigen.»

© dpa
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