Gift-Mord am Großvater: Mutter und Tochter müssen in Haft

In die Leibspeise ihres Vaters soll eine Frau eine tödlich Überdosis an Medikamenten gemischt haben. Das Landesgericht Traunstein verurteilte sie dafür zu einer lebenslangen Haftstrafe. Die Verteidigung will das nicht akzeptieren.
Die Justitia ist an einer Scheibe am Eingang zum Oberlandesgericht zu sehen. © Rolf Vennenbernd/dpa/Symbolbild

Weil sie ihren pflegebedürftigen Vater vergiftet haben soll, ist eine Frau am Mittwoch vom Landgericht Traunstein zu lebenslanger Haft wegen Mordes verurteilt worden. Die 55-Jährige soll dem Mann eine Überdosis an Medikamenten unter sein Lieblingsgericht - saures Lüngerl - gemischt und ihn dadurch getötet haben. Die Tochter der Frau und Enkelin des 75 Jahre alten Opfers wurde zu vier Jahren Haft verurteilt. Die Anwälte der beiden Frauen kündigten an, das Urteil anfechten zu wollen.

Auslöser sei ein Streit um die Immobilie des 75-Jährigen gewesen, meinte der Vorsitzende Richter. Anders als die Staatsanwaltschaft sah er aber nicht Habgier als Motiv für den Mord. «Ihr Ziel war der Schutz der Familie.» Die 30-jährige Tochter der Hauptbeschuldigten habe zu dem Zeitpunkt in der Wohnung über ihrem Großvater gelebt und sei für dessen Pflege und Versorgung verantwortlich gewesen. Das enge Zusammenleben habe aber zu immer mehr Spannungen geführt, sagte der Richter. Der Großvater habe gewollt, dass die Tochter und ihr Mann ausziehen. Dagegen wollte die Mutter nach Einschätzung des Gerichts vorgehen.

So soll sie vor mehr als einem Jahr seine Leibspeise vergiftet haben. Ihre Tochter habe das mitbekommen, sei ihrem Großvater allerdings nicht zu Hilfe gekommen. Die beiden Frauen hätten ein enges Verhältnis zueinander gehabt, sagte der Richter. Für die Tochter sei es eine schwierige Situation gewesen, sie habe aber «wissentlich die falsche Entscheidung getroffen» und keine Hilfe geholt.

Nach dem Tod des 75-Jährigen habe die Jüngere das Geschehene nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren können. Sie habe sich anderen Angehörigen teils anvertraut. Dieses «menschliche Verhalten» habe schließlich zu dem Strafverfahren geführt. Die Angehörigen des Opfers erstatteten Anzeige, die Leiche wurde exhumiert.

In seinem Schlussplädoyer am Montag hatte der Staatsanwalt von einem «fast perfekten Mord» gesprochen. Der angeklagten Mutter warf er niedrige Beweggründe und Heimtücke vor. Der Tochter hielt die Staatsanwaltschaft ein Teilgeständnis zugute und forderte eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren.

Die Anwälte der zwei Frauen kündigten nach der Urteilsverkündung an, Rechtsmittel einlegen zu wollen. Sie hatten Freispruch für die Mutter und eine sechsmonatige Bewährungsstrafe für die Tochter gefordert.

© dpa
Weitere News
Top News
Fußball news
18. Spieltag: BVB springt auf Champions-League-Platz - 2:0 in Leverkusen
Tv & kino
Saarland: Rührende Freude bei Filmfestival Max Ophüls Preis
People news
Niederländisches Königshaus : Oranje-Prinzessin Amalia in der Karibik
Musik news
Rockband: 50 Jahre Kiss: Am Anfang kamen nur zehn Zuschauer
Das beste netz deutschlands
Featured: DeepL Write: So nutzt Du die KI-Schreibhilfe für Texte
Das beste netz deutschlands
Featured: Chat GPT: So nutzt Du den KI-Bot von OpenAI
Internet news & surftipps
Extremismus: SPD-Abgeordneter für 14-Tage-Speicherpflicht für IP-Adressen
Reise
Flüge verspätet und gestrichen: Streik am Düsseldorfer Airport: Diese Rechte haben Reisende
Empfehlungen der Redaktion
Panorama
Prozess: «Fast perfekter Mord» am Vater - lebenslange Haft gefordert
Regional bayern
Landgericht Traunstein: Zwei Frauen sollen pflegebedürftigen Vater ermordet haben
Regional bayern
Prozess: «Fast perfekter Mord»: Staatsanwalt fordert lebenslang
Regional nordrhein westfalen
Urteil: Sechsjährige Tochter ermordet: 13 Jahre Haft für Mutter
Regional nordrhein westfalen
Mönchengladbach : Verurteilt: Rentnerin tötet Partnerin mit 26 Stichen
Regional bayern
Deggendorger Prozess: Mord statt Totschlag: Härteres Urteil für den Angeklagten
Panorama
US-Rapper: George Floyds Familie kündigt Klage gegen Kanye West an
Regional bayern
Missbrauch: Prozess: Mutter soll Tochter zu Prostitution gezwungen haben