Depressionen: Mehr Schüler im Corona-Jahr 2021 erkrankt

Dass die Corona-Pandemie der seelischen Gesundheit vieler Kinder und Jugendlicher geschadet hat, ist nicht neu. Dennoch sind die Zahlen erschreckend, die die DAK nun vorlegt. So nahmen Essstörungen bei jungen Mädchen um 130 Prozent zu. Nicht der einzige Grund zur Sorge.
Ein Junge kauert sich auf seinem Bett zusammen. © Nicolas Armer/dpa/Archivbild

Bei den bayerischen Kindern und Jugendlichen haben Essstörungen und psychische Erkrankungen wie Depressionen auch im zweiten Pandemiejahr 2021 teils massiv zugenommen. Während die psychischen Neuerkrankungen fast nur bei den Jugendlichen und dort in erster Linie bei den Mädchen stiegen, stellten die Ärzte bei allen Altersgruppen und Geschlechtern häufiger gravierendes Übergewicht fest. Dies geht aus dem Kinder- und Jugendreport der Krankenkasse DAK hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorab vorlag. Es sind nicht die einzigen negativen Entwicklungen, die die Experten im Vergleich zu der Zeit vor der Pandemie aus den Statistiken herauslesen.

«Kinder spielen bei der Verbreitung des Virus nach derzeitigem Stand des Wissens zwar nicht die Hauptrolle, aber es besteht das Risiko, dass sie langfristig zu seinen größten Opfern gehören», bilanzieren die Verfasser der Analyse. Die Wissenschaftler hatten die Daten der Jahre 2018 bis 2021 von rund 107.000 bei der DAK versicherten Kinder und Jugendlichen aus Bayern ausgewertet. Die Ergebnisse gelten als repräsentativ für den gesamten Nachwuchs im Freistaat.

Demnach nahm die Zahl der Arztbesuche während der Pandemie insgesamt zwar ab, besonders Atemwegserkrankungen, Infektionskrankheiten sowie Muskel- und Skeletterkrankungen kamen seltener vor. Zugleich stieg die Zahl neu diagnostizierter psychischer Erkrankungen und Verhaltensstörungen - vor allem bei älteren Schulkindern (10-14 Jahre) und Jugendlichen (15-17 Jahre).

Bei den 10- bis 14-Jährigen gab es im Vergleich zum Vor-Pandemie-Jahr 2019 vor allem eine Zunahme bei den depressiven Episoden mit einem Plus von 16 Prozent. Bundesweit betrug der Anstieg bei dieser Diagnose nur neun Prozent.

Bei den Jugendlichen verursachten die Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen sowie seelisch bedingte körperliche Leiden die höchsten Neuerkrankungsraten. Erstere legten seit 2019 um 19 Prozent zu; im Jahr 2021 erhielten drei Prozent aller Jugendliche im Freistaat erstmals eine entsprechende Diagnose. Noch stärker stieg die Zahl mit neu diagnostizierten Angststörungen mit einem Plus von 45 Prozent, emotionalen Störungen (+30 Prozent) sowie Depressionen (+25 Prozent). Dabei geht der Anstieg bei den Depressionen allein auf die Mädchen zurück, denn bei den Jungs sank die Neuerkrankungsrate sowohl im Schul- als auch im Jugendalter.

Die jugendlichen Mädchen machen auch in anderen Bereichen Sorgen: Die Zahl der neu an Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie («Ess-Brech-Sucht») Erkrankten nahm seit 2019 um 130 Prozent zu; der Anstieg beschleunigte sich zuletzt noch. Bei den Angststörungen betrug das Plus 51 Prozent, bei den Depressionen 40 Prozent. Zudem bekamen jüngere Mädchen zwischen fünf und neun Jahren mit plus 27 Prozent auffällig häufig erstmals Adipositas, also extremes Übergewicht, diagnostiziert.

Die Wissenschaftler konnten in den Statistiken auch sehen, dass drei Erkrankungsbilder auffällig häufig bei Kindern und Jugendlichen aus Familien mit schwierigen sozialen oder finanziellen Verhältnissen vorkamen: Depressionen, Essstörungen und Adipositas. Neu diagnostizierte Angststörungen hingegen traten besonders oft bei jugendlichen Mädchen aus Familien mit hohem sozio-ökonomischen Status auf.

© dpa
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