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Gemeinsames Friedensgebet von Juden und Muslimen abgesagt

Ein interreligiöses Zeichen für den Frieden - das war das erklärte Ziel einer Gebetsveranstaltung von Juden, Muslimen und Christen in der Münchner Innenstadt. Stattdessen gibt es Kritik, eine kurzfristige Absage und enttäuschte Reaktionen.
Dieter Reiter
Dieter Reiter (SPD), Oberbürgermeister von München, spricht während eines Interviews. © Matthias Balk/dpa

Ein für Montagabend geplantes gemeinsames Friedensgebet von Juden und Muslimen in München ist nach Kritik kurzfristig abgesagt worden. «Es war Voraussetzung für die Übernahme meiner Schirmherrschaft, dass auch ein Vertreter der jüdischen Glaubensgemeinschaft ein Gebet spricht. Das ist nun leider nicht mehr der Fall», sagte Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) einer Mitteilung zufolge am Montag. «Das bedauere ich, habe aber auch Verständnis dafür. Die Zeit ist derzeit offenbar nicht reif, um in und für München ein gemeinsames Friedensgebet zu ermöglichen.»

Eigentlich hätten bei der Veranstaltung auf dem Marienplatz unter anderem der Penzberger Imam Benjamin Idriz und der Rabbiner Jan Guggenheim von der Israelitischen Kultusgemeinde München Gebete sprechen sollen. Auch der evangelische Landesbischof Christian Kopp und der katholische Münchner Dompfarrer Monsignore Klaus Peter Franzl sollten teilnehmen.

Doch im Vorfeld hatte sich an der Rolle des Muslimrats München bei der Veranstaltung entzündet. Zumindest im Jahr 2018 hatten dem Verein nach Angaben der Stadt München auch Moscheevereine mit Verbindungen zur Deutschen Muslimischen Gesellschaft (DMG) angehört, die laut bayerischem Verfassungsschutz «als Zweig der ägyptischen Muslimbruderschaft bekannt ist». Laut Einschätzung des Verfassungsschutzes richten sich die Bestrebungen der DMG «gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland». Der Verein Muslimrat München selbst war den damaligen Angaben der Stadt zufolge aber kein Beobachungsobjekt des Verfassungsschutzes.

Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, der Grünen-Politiker Volker Beck, hatte nach einem Bericht der «Jüdischen Allgemeinen» zu den Verbindungen von DMG und Muslimrat dennoch die Absage des Friedensgebets gefordert. «An sich ist es ein schöner Gedanke, wenn Muslime, Christen und Juden gemeinsam für Frieden beten», sagte Beck. «Ich halte das Friedensgebet in dieser Konstellation für eine Veranstaltung, die nur dazu dient, hamasverharmlosende und islamistische Positionen zu hofieren und zu schützen.» An OB Reiter gewandt sagte Beck: «Ich denke, so wie jetzt sollte die Veranstaltung nicht stattfinden und Sie sollten nicht Ihr Schirmherr sein.»

Imam Idriz zeigte sich am Montag enttäuscht von der Absage. «Die Intention war ausdrücklich, sich zum Miteinander der Religionsgemeinschaften zu bekennen», sagte Idriz, dessen Verein Münchner Forum für Islam die Veranstaltung initiiert hatte. «Leider wurde durch kurzfristige Absagen von jüdischer, evangelischer und katholischer Seite dieser Intention die Grundlage entzogen.»

Die Münchner Muslime hätten «ein Zeichen des Friedens» setzen wollen. «Wann, wenn nicht jetzt, müssen wir alle Kräfte dafür aufbringen, dass wir einander gegenseitig achten, wertschätzen und erstnehmen», sagte Idriz. «Dass dies in München nicht möglich sein soll, bleibt eine sehr bittere Erfahrung, nicht nur für Muslime.»

© dpa
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