Garching braucht kein hoch angereichertes Uran

Schon lange sorgt die Auswahl des Urans für den Forschungsreaktor FRM II für Ärger. Kritiker fürchten den Einsatz von waffenfähigem Material. Liefert eine «bahnbrechende Berechnung» nun die Lösung?
Die Forschungs-Neutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz (FRM II) der Technischen Universität München in Garching. © Bernhard Ludewig/Bernhard Ludewig, FRM II / TUM /dpa/Archivbild

Der Forschungsreaktor FRM II in Garching bei München kann auch mit niedrig angereichertem Uran betrieben werden. Zu diesem Ergebnis sind Forscher der Technischen Universität München (TUM) und Experten aus den USA gekommen, teilte die TUM am Freitag in Garching mit. Sie sprach von einer «bahnbrechenden Berechnung». Damit sei die theoretische Grundlage für die Umsetzung der Genehmigungs-Vorgaben vorhanden, um in Zukunft auf bisher verwendetes hoch angereichertes Uran als Brennstoff zu verzichten. Der Reaktor steht zur Behebung von Schäden seit 2020 still. Er soll aber wieder anfahren.

Über den Einsatz des von mit zu 93 Prozent angereicherten Urans hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder Streit gegeben. Atomgegner sprechen von waffenfähigem Material. Sie klagen vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof gegen den Betrieb. Es müsse mindestens auf unter 50 Prozent angereichertes Material verwendet werden. Die Betriebsgenehmigung von 2003 gab vor, baldmöglichst auf einen niedriger angereicherten Brennstoff umzurüsten.

2020 hatten die Wissenschaftsministerien von Bund und Bayern festgelegt, im Jahr 2023 aufgrund der bis dahin vorliegenden Forschungsergebnisse über die Brennstoffvariante zu entscheiden. Bis 2025 soll das neue Genehmigungsverfahren eingeleitet werden.

Der Präsident der TUM, Thomas Hofmann, betonte die große Bedeutung des Forschungsreaktors für Wissenschaft und Innovation: «Forschende aus aller Welt kommen nach Garching und nutzen die Neutronen für wissenschaftliche Untersuchungen.» Dazu gehörten etwa die Analyse von Energiespeichermaterialien und Batterien. «Ich bin sehr froh, dass nun rechnerisch die Grundlage erbracht ist, den FRM II auf einen LEU-Brennstoff umzurüsten und damit die Basis für einen Weiterbetrieb der Neutronenquelle vorhanden ist."

In einer aufwendigen Studie hatte Christian Reiter, Reaktorphysiker am FRM II und Leiter der Theorie Division des TUM Center for Nuclear Safety and Innovation, mit seiner Gruppe Änderungen durchgerechnet. Das Ergebnis: Ein Brennelement mit niedrig angereichertem Uran sei für den FRM II reaktorphysikalisch möglich und lasse sich mit den vorhandenen Systemen betreiben; ein großer Umbau der Neutronenquelle sei dafür zudem nicht erforderlich.

Die Simulationen der TUM-Forschenden habe das Argonne National Laboratory (ANL) in den USA unabhängig und mit anderen Computercodes ebenfalls berechnet, hieß es weiter. Reiter betonte, dass er als Voraussetzung für die Berechnungen in seiner Studie von der Annahme ausgehe, dass der neue Brennstoff in Deutschland zulassungsfähig sein müsse und die neuen Brennelemente mit den vorgeschlagenen Änderungen hergestellt werden könnten. Über die tatsächliche technische Erfüllbarkeit dieser Bedingungen treffe die Studie keine Aussage.

«Wir haben gezeigt, dass es reaktorphysikalisch möglich ist, den FRM II mit einem LEU-Brennelement zu betreiben. Jetzt ist ein Grundstein für die Entscheidung gelegt», sagte der Wissenschaftliche Direktor des FRM II, Peter Müller-Buschbaum.

© dpa
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