Originell und eindringlich: Ovationen für «Tannhäuser»

Die Inszenierung originell, die sängerischen Leistungen fantastisch: Der «Tannhäuser» ist das Juwel unter den derzeit laufenden Produktionen bei den Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth. Das zeigte sich wieder bei der diesjährigen Premiere am Montag im Festspielhaus: Mit Ovationen feierte das Publikum den gelungenen Abend.
Mit der Wiederaufnahme von Richard Wagners Oper «Tannhäuser» wurden am 08.08.2022 die Bayreuther Festspiele fortgesetzt. © Enrico Nawrath/Festspiele Bayreuth/dpa

Bravo-Rufe galten Stephen Gould in der Titelrolle: Noch am Samstag hatte der US-amerikanische Tenor die Rolle des Siegfried in der «Götterdämmerung» krankheitsbedingt absagen müssen. Doch nun war er wieder da, brachte die kräftezehrende Rolle des Tannhäuser stimmig und mit großer Textverständlichkeit auf die Bühne und gestaltete insbesondere die Rom-Erzählung mit großer Eindringlichkeit.

Wieder da war auch der britische Travestiekünstler Le Gateau Chocolat, der im vergangenen Jahr wegen Corona-Bestimmungen nicht anreisen konnte. Er ist sozusagen das Gesicht der gefeierten Inszenierung von Tobias Kratzer aus dem Jahr 2019.

Zunächst fährt er gemeinsam mit Tannhäuser, Venus und einem kleinwüchsigen Oskar Matzerath (Manni Laudenbach) in einem Bus als bunte Künstlertruppe durch die Welt – kleine Gags inklusive: So landen die vier in Salzburg und merken ihren Irrtum erst vor dem dortigen Festspielhaus. Über Landstraßen geht es dann rasant nach Bayreuth zum Sängerwettstreit.

In der ersten Pause geben Venus, Oscar und die Dragqueen sogar eine Live-Performance im Festspielpark. Und auch später beim Sänger-Wettstreit sind die drei mit auf der Bühne.

Pop- und Hochkultur sind keine Gegensätze - diese Botschaft vermittelt Kratzers Interpretation witzig und kurzweilig, aber auch mit großer Ernsthaftigkeit und nie oberflächlich. Selbst eine beiläufige und doch unmissverständliche Sympathiebekundung für die Ukraine bringt der Regisseur unter.

Lise Davidsen besticht mit ihrem farbigen Sopran und berührender Darstellung der Elisabeth, die sich am Ende die Pulsadern aufschneidet. Eine schwungvolle und spielfreudige Venus gibt Ekaterina Gubanova.

Markus Eiche singt den Wolfram von Eschenbach mit warmem Bariton, Albert Dohmen zeichnet einen kraftvollen Landgraf Hermann. Mit souveräner Gelassenheit und sehr sängerfreundlich lenkt Dirigent Axel Kober das Festspielorchester und wird zurecht bejubelt. Und dass die exzellenten Chöre (Leitung: Eberhard Friedrich) in Bayreuth gefeiert werden, versteht sich von selbst. Die Richard-Wagner-Festspiele dauern noch bis zum 1. September.

© dpa
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