Wenn in Städten die Lichter ausgehen: Sparmaßnahmen geplant

Durch den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine sind die Energiepreise explodiert. Nicht nur Bürger und Unternehmen sollen sparen - auch alle Behörden. Wo wollen sie den Strom- und Wärme-Verbrauch reduzieren?
Lichtstreifen von Autoscheinwerfern sind auf der beleuchteten Ludwigsstraße in München zu sehen. © Felix Hörhager/dpa/Archivbild

Kältere Schwimmbäder, ausgeschaltete Ampeln und die Reaktivierung von alten Ölbrennern. Städte und Gemeinden, aber auch Landtag und Regierung planen eine Reihe von Maßnahmen, um den steigenden Energiepreisen und einem befürchteten Gasmangel im kommenden Winter entgegenzuwirken. Ein Überblick über die Pläne in einigen der großen Städte des Freistaates, dem Landtag und der Staatskanzlei:

MÜNCHEN - In der Landeshauptstadt weist das Umweltreferat darauf hin, dass bereits in der Vergangenheit der Wärmeverbrauch in städtischen Häusern durch bauliche, technische und betriebliche Maßnahmen um 29 Prozent reduziert worden sei. Auch die Straßenbeleuchtung werde seit Jahrzehnten optimiert. Im vergangenen Jahr sei mit der Umstellung der Lampen auf energiesparende LED-Technik begonnen worden.

Die aktuelle Krise hat dazu geführt, dass in den Münchner Freibädern und bei den Außenbecken der Hallenbäder die Mindesttemperatur abgesenkt wurde, um Energie einzusparen. Außerdem wird die Umstellung des Heizkraftwerks Nord auf Gasbetrieb verschoben. Der dortige Kohleblock soll zunächst weiterlaufen und eventuell sogar die Produktion ausweiten. Bei anderen Kraftwerken würden die Stadtwerke nun zwei eigentlich schon stillgelegte Ölbrenner reaktivieren. «Die Ölreserven hierfür werden gerade aufgebaut», sagte eine Sprecherin.

NÜRNBERG: In der fränkischen Metropole wurde das sogenannte Kommunale Energie Management beauftragt, eine Liste von Einsparmaßnahmen zu erarbeiten. «Der Stadtrat wird sich zeitnah mit möglichen Maßnahmen befassen», sagte Sprecher Andreas Franke. Noch sei die Liste aber nicht fertig. Mögliche Maßnahmen seien die Beleuchtung historischer Bauwerke einzuschränken, die Straßenbeleuchtung zu reduzieren oder den Verbrauch von Warmwasser zu beschränken.

Ein weiterer Ansatz ist in Nürnberg, die Mitarbeiter künftig wieder verstärkt von zu Hause arbeiten zu lassen, um Raumkosten zu sparen. Als einen ersten Schritt wird die Stadt ab Mitte Juli bis Ende September drei von vier Hallenbädern schließen.

AUGSBURG: In Bayerns drittgrößter Stadt hat die Verwaltung ausgerechnet, dass die kommunalen Energiekosten von bislang 16 Millionen Euro um etwa 80 Prozent in diesem Jahr in die Höhe schießen könnten. Die Stadt hat nun Maßnahmen beschlossen, um den Gasverbrauch zu reduzieren und den Haushalt zu entlasten.

Zu den Maßnahmen zählt, dass auf Fassadenbeleuchtung weitgehend verzichtet wird. Auch Brunnen werden abgeschaltet. Nur die drei Monumentalbrunnen laufen noch weiter. Bei den Augsburger Freibädern wurde die Wassertemperatur um insgesamt zwei Grad reduziert, dies soll später auch für die Hallenbäder gelten. Die Straßenbeleuchtung wird künftig gedimmt. Wie die Stadt weiter berichtete, wird derzeit geklärt, ob auch Ampelanlagen abgeschaltet werden können.

REGENSBURG: Die Oberpfälzer Domstadt hat bereits am 1. April erste Maßnahmen umgesetzt. Damals seien in den Schwimmbädern die Wassertemperatur in den Becken verringert und Spül- sowie Duschintervalle reduziert worden, sagte Sprecherin Dagmar Obermeier-Kundel. «Die Außenbecken werden derzeit nur durch die Sonne beheizt.» Weitere bereits veranlasste Maßnahmen seien die Absenkung der Heiztemperaturen in Büros und Sporthallen sowie das mobile Arbeiten der städtischen Bediensteten.

WÜRZBURG: Die unterfränkische Großstadt bereitet einen Notfallplan vor, der ein Bündel von Maßnahmen enthält. Dazu zählt die Absenkung der Temperatur in den Verwaltungsgebäuden oder die Zusammenlegung von Dienststellen. Mitarbeiter sollen motiviert werden, wieder verstärkt im Home-Office zu arbeiten. Nach einem vor wenigen Tagen gefassten Stadtratsbeschluss könnten die Temperaturen im Schwimmbad gesenkt und die Straßenbeleuchtung eingeschränkt werden.

BAMBERG: Die oberfränkische Stadt verweist darauf, dass bereits seit vielen Jahren Energie eingespart werde, vor allem durch energetische Sanierung kommunaler Gebäude. Zudem seien bereits Ampeln und Laternen auf LED-Technik umgerüstet. Weitere kurzfristige Maßnahmen, die nun aufgrund der Ukraine-Krise notwendig seien, würden dann umgesetzt. «Konkrete Umsetzungspläne dafür existieren bei der Stadt Bamberg derzeit noch nicht», sagte Stadtsprecher Sebastian Martin.

PASSAU: In Niederbayern hat der Passauer Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD) alle städtischen Referate und die Tochtergesellschaften beauftragt, bis 1. August Vorschläge auszuarbeiten. In der heutigen Zeit könne die Kommune ihre Einrichtungen wie die Eisarena, eine Sauna oder das warme Lesezimmer in der Bücherei nicht uneingeschränkt betreiben. «Aus diesem Grund werden alle Bereiche uneingeschränkt unter die Lupe genommen», sagte der OB.

LANDTAG: Der Landtag plant für den Winter eine Absenkung seiner Gebäudetemperatur auf 20 Grad. Die Vorlauftemperatur der Heizungsanlage solle Schritt für Schritt abgesenkt und angepasst werden. In den Büroräumen können die Mitarbeiter die Temperatur weiter selbst regeln - man wolle im Herbst aber zu einem verantwortungsvollen Umgang aufrufen. Unabhängig von der aktuellen Situation setze man seit Jahren Energiesparmaßnahmen um, sagte ein Sprecher. Als Beispiel nannte er den Einsatz von LED-Beleuchtung, Bewegungsmeldern, Wärmerückgewinnungs- und Solaranlagen. Das Maximilianeum, in dem der Landtag hauptsächlich arbeitet, wird derzeit energetisch saniert.

STAATSKANZLEI: Aus dem Amtssitz des Ministerpräsidenten heißt es, dass Ökostrom mit der hauseigenen Photovoltaik-Anlage produziert werde. «Angesichts der aktuellen Energiesituation wurde bereits die Kühltemperatur in den Sommermonaten reduziert und die Verschattung der Südfassade durch Aufbringen von Folien optimiert», sagte ein Sprecher. In den Wintermonaten soll zudem die Raumtemperatur gesenkt werden. Derzeit werde der Eingang energetisch saniert, eine neue Telefonanlage wird unter Berücksichtigung der Energieeffizienz ausgeschrieben.

© dpa ⁄ Ulf Vogler, dpa
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