Grüne schließen Weiterbetrieb von Atommeilern nicht aus

Dürfen die letzten Atommeiler angesichts der Energiekrise vielleicht doch über den Jahreswechsel hinaus weiterlaufen? Selbst die Grünen schließen dies nicht mehr aus - aber nur für sehr begrenzte Zeit.
Ludwig Hartmann, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, gibt eine Pressekonferenz. © Peter Kneffel/dpa/Archivbild

Die Fraktions- und Parteispitze der bayerischen Grünen schließt eine Laufzeitverlängerung der verbliebenen Atomkraftwerke nicht aus - aber nur für einen Streckbetrieb von einigen Wochen. «Zentral ist für uns, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten», heißt es in einem Statement von Landtagsfraktionschef Ludwig Hartmann, aus dem die «Augsburger Allgemeine» als erstes zitierte. Wenn der nun laufende verschärfte Stresstest ergeben sollte, dass einzelne Atomkraftwerke «im Extremfall» zur Aufrechterhaltung der Stromversorgung und Netzstabilität notwendig seien, «müssen wir je nach Anlage entsprechend reagieren». Der Landesvorsitzende Thomas von Sarnowski äußerte sich ähnlich.

Hartmann und von Sarnowski verwiesen darauf, dass in Bayern das Risiko von Versorgungsengpässen im Winter größer sei als in anderen Bundesländern. «Bayern muss in diesem Test besonders berücksichtigt werden, weil uns die bayerische Regierung vollkommen abhängig gemacht hat von russischem Gas, sie den Ausbau von Wind- und Sonnenenergie verschlafen und den so wichtigen Netzausbau boykottiert hat», sagte Hartmann. «Das macht uns zum Sorgenkind des Bundes und bringt uns in die Situation, dass wir – je nach Ergebnis des Stresstests – eine Hochrisikotechnologie vielleicht für einige Wochen zur Überbrückung am Netz lassen müssen.» Man warte nun aber zunächst die Ergebnisse des Stresstests in den kommenden Wochen ab. «Danach entscheiden wir.»

Geprüft werden müsse «für den Extremfall» auch ein Streckbetrieb des Atomkraftwerks Isar 2, keine Laufzeitverlängerung, sagte von Sarnowski. Er erklärte: «Ein Streckbetrieb würde bedeuten, dass die vorhandenen Brennelemente für einige Monate weiterverwendet würden, ohne dass zusätzlicher Atommüll entstünde.»

Zuvor hatte auch Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) einen sogenannten Streckbetrieb von Atomkraftwerken in Deutschland über das Jahresende hinaus nicht ausgeschlossen. Auf die Frage, ob die Grünen einen Streckbetrieb der Meiler zulassen würden, sagte sie am Sonntag in der ARD-Sendung «Anne Will»: «Wenn es dazu kommt, dass wir eine wirkliche Notsituation haben, dass Krankenhäuser nicht mehr arbeiten können, wenn eine solche Notsituation eintritt, dann müssen wir darüber reden, was mit den Brennstäben ist.»

Die drei letzten Meiler müssen eigentlich bis 31. Dezember abgeschaltet werden. Bei einem Streckbetrieb würden die Kraftwerke zunächst gedrosselt, damit sie dann mit den vorhandenen Brennstäben auch über den Jahreswechsel hinaus betrieben werden können.

© dpa
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