Bund Naturschutz fordert schnelle Abschaltung von Isar 2

Ein defektes Ventil im Meiler Isar 2 bringt die Atomdebatte einmal mehr ins Rollen. Auch wenn der Schaden wohl nicht gefährlich ist, dürfte er die Diskussion nun in eine andere Richtung lenken.
Wasserdampf steigt aus dem Kühlturm des Atomkraftwerks (AKW) Isar 2. © Armin Weigel/dpa

Nach dem Bekanntwerden eines Ventilschadens im Kernkraftwerk Isar 2 fordert der Bund Naturschutz (BN) die sofortige Abschaltung des Atommeilers. «Die schockierenden Informationen des Atomkraftwerksbetreibers Preussen-Elektra über einen anscheinend bis vor kurzem entweder nicht entdeckten oder vertuschten Schaden eines kaputten Ventils im Reaktor bestätigen die Befürchtungen des Bundes Naturschutz: Das Atomkraftwerk ist nicht sicher und muss schleunigst abgeschaltet werden», sagte der Vorsitzende des BN, Richard Mergner, der Deutschen Presse-Agentur in München.

Mergner erhebt zudem schwere Vorwürfe gegen die Politiker, die seit Monaten eine Laufzeitverlängerung für den 1988 erbauten Reaktor in Essenbach bei Landshut forderten: «Es ist skandalös, dass Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gemeinsam mit CDU-Chef Friedrich Merz und den Ministern Hubert Aiwanger und Thorsten Glauber (beide Freie Wähler) noch vor kurzem in einem Show-Termin im AKW Isar vom weltweit sichersten Atomkraftwerk gesprochen haben.»

Weiter sagte Mergner: «Statt ihre Energie in Ablenkdiskussionen über den Weiterbetrieb von Atomkraftwerken zu verpulvern, sollten CSU und Freie Wähler endlich ein engagiertes bayerisches Energiesparkonzept und die massive Beschleunigung des Ausbaus von Wind- und Sonnenenergie beschliefen, bewerben und und umsetzen.»

Am Montag war bekanntgeworden, dass der Betreiber von Isar 2, Preussen-Elektra, das Bundesumweltministerium schriftlich darüber informiert hat, dass das Kraftwerk spätestens im Oktober wegen einer Leckage für rund eine Woche stillgelegt werden müsse, sollte es über das Jahresende hinweg als Energiereserve eingeplant werden. Eine spätere Reparatur sei nicht möglich, weil der Reaktor dann wegen der reduzierten Leistung der Brennstäbe nach dem Stillstand nicht mehr hochgefahren werden könne, hieß es vom Betreiber.

Das Bundesumwelt- und das Bundeswirtschaftsministerium hatten daraufhin erklärt, es müsse erneut geprüft werden, ob Isar 2 weiter, wie bisher geplant, als Reservekraftwerk infrage komme, das neben dem Meiler in Neckarwestheim (Baden-Württemberg) noch bis April Strom liefern könnte. Die Reparatur sei nach Auskunft des Betreibers nicht notwendig, sollte das AKW wie durch den beschlossenen Atomausstieg zum Jahresende den Leistungsbetrieb beenden.

Wegen des bislang zum Jahresende gesetzlich festgelegten Atomausstiegs waren die eigentlich alle zehn Jahre vorgeschriebenen periodische Sicherheitsüberprüfungen nicht mehr durchgeführt worden. Dies hatten Kritiker immer wieder als unkalkulierbares Sicherheitsrisiko identifiziert.

Ein Sprecher des bayerischen Umweltministeriums hatte den Fall am Montagabend als «sicherheitstechnisch unbedenklich» eingestuft. Er sei der Aufsichtsbehörde des Landes bekannt. «Es handelt sich um kein meldepflichtiges Ereignis.» Sicherheit habe oberste Priorität. «Das bayerische Umweltministerium bleibt daher bei der durch ein Gutachten des TÜV Süd bestätigten Haltung: Ein Weiterbetrieb des Kernkraftwerks Isar 2 wäre sicherheitstechnisch möglich. Für die Schaffung der rechtlichen Grundlagen wäre eine zügige Änderung des Atomgesetzes durch den Bund erforderlich.»

Seitens des Bundes hatte auch die Stellungnahme des TÜV Süd viel Kritik herbeigerufen, da sie weder den Kriterien eines Gutachtens entspreche, noch die dort gefällten Schlussfolgerungen legitim seien.

Seit Russland im Zuge seines Angriffskrieges gegen die Ukraine weniger Gas nach Deutschland liefert, wird über einen längeren Betrieb der drei verbliebenen Atomkraftwerke diskutiert. Pläne von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sehen vor, zwei Kraftwerke für den Fall von Engpässen noch bis Mitte April einsatzbereit zu halten: Isar 2 und Neckarwestheim.

© dpa
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