G7-Gegner bauen Camp auf: Demo am Schloss noch unklar

24.06.2022 Endspurt bei den Vorbereitungen für den G7-Gipfel auf Schloss Elmau - auch für die Kritiker des Treffens. Sie reisen gerade mit Zelten an. Rund zwei Dutzend Demos sind geplant - hart verhandelt wird gerade noch um eine Kundgebung in Sichtweite des Tagungsortes.

Demonstranten stehen in Tracht mit Politiker-Masken auf einer Wiese und halten leere Weißbiergläser hoch. © Angelika Warmuth/dpa

Zwei Tage vor dem Beginn des G7-Gipfels auf Schloss Elmau bei Garmisch-Partenkirchen beziehen auch Kritiker des Treffens ihr Quartier: Auf einer Wiese an der Loisach wird ein Zeltlager aufgebaut. Rund 750 Menschen können hier kampieren, notfalls auch mehr, wie der Anmelder des Camps, York Runte, am Freitag sagte. Rund 30 Aktivisten waren am Freitag mit dem Einrichten des Lagers beschäftigt, an den Zugängen standen Dutzende Polizisten. Die Zusammenarbeit mit der Polizei funktioniere gut, sagte Runte.

Noch unklar ist, ob und wie es eine Demonstration nahe des Tagungsortes Schloss Elmau geben wird. «Mit Polizeibussen hingeshuttelt zu werden, hat mit Versammlungsrecht überhaupt nichts zu tun», kritisierte Runte den derzeit diskutierten Vorschlag. Man wolle wenigstens im eigenen Bus hinfahren. Bei der Polizei hieß es, hier liefen noch Abstimmungen zwischen Anmeldern und Behörde.

Laut Landratsamt Garmisch-Partenkirchen sind in der Gegend um den Gipfel etwa zwei Dutzend Veranstaltungen angemeldet, darunter eine große Demonstration mit bis zu 3000 Teilnehmern am Sonntag in Garmisch-Partenkirchen und ein Sternmarsch Richtung Schloss Elmau am Montag. Die bei weitem größte Demonstration ist allerdings am Samstag in München geplant, hier könnten mehr als 20 000 Teilnehmer kommen.

Das G7-Treffen findet vom 26. bis 28. Juni zum zweiten Mal auf Schloss Elmau am Fuße des Wettersteingebirges statt. Bereits 2015 hatten sich die G7 in dem alpinen Luxushotel getroffen.

Für das Protestcamp hat der Maurermeister Bernhard Raubal wie schon 2015 eine Wiese bereitgestellt, die sonst Futter für Schafe liefert. Er unterstütze die Aktivisten, «weil wir in einer Demokratie leben. Demonstrieren ist ein Grundrecht.» Zu schaffen mache ein neues Biotop quer durch das Gelände, das nicht betreten werden darf.

Knapp 20 mobile Klos, Küchen- und Versorgungszelte sind aufgestellt. Hunderte Kilogramm Nahrungsmittel - aus Öko-Anbau - seien eingekauft, darunter 600 Kilogramm Nudel und 100 Kilogramm Orangen, hieß es beim Verein Volxküche, der fürs Catering sorgt.

Nachdem beim G7-Gipfel 2015 Demonstranten beim versuchten Marsch zum Schloss an der gebirgigen Landschaft gescheitert waren, mahnten die Organisatoren auf ihrer Internetseite Anreisende, solides Schuhwerk und Wanderschuhe mit zunehmen: «Garmisch liegt in den Bergen.»

Der Markt Garmisch-Partenkirchen hatte vergangene Woche das Camp genehmigt. Es sei wichtig, die verfassungsmäßigen Rechte der Bürger zu achten, sagte Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU). «Offensichtlich gehört ein solches Camp für die Aktivistinnen und Aktivisten rund um das Bündnis "Stop G7" zur Choreographie dieser freien Meinungsäußerung dazu – das respektieren wir.»

Wegen Hochwassergefahr wollten die Behörden 2015 das Camp verbieten. Der Streit wurde gerichtlich entschieden, das Zeltlager durfte gebaut werden. Zeitweise übernachteten bis zu 1500 Demonstranten in Zelten.

© dpa

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