Inzidenz über 1000: Brandbrief von Klinik-Betriebsrat

Die Corona-Welle in Bayern rollt weiter und lässt die Zahlen steigen. Gut eine Woche nach Ende des Oktoberfests ist die Lage in und um München angespannt. Und das dortige Gesundheitsreferat geht von einer massiven Dunkelziffer in der Stadt aus.
Einem Jugendlichen wird ein Nasenabstrich für einen Corona-Test entnommen. © Philipp von Ditfurth/dpa/Symbolbild

Die Corona-Zahlen in Bayern steigen und sorgen für immer mehr Druck auf die Krankenhäuser. Die offizielle Inzidenz im Freistaat hat nach Zahlen des Robert Koch-Instituts vom Dienstagmorgen die Schwelle von 1000 überschritten. Konkret sprang sie auf 1096,8. Das ist ein Plus von 286,3 im Vergleich zum Montag. Und auch in die Krankenhäuser kommen immer mehr Menschen mit Corona. Laut Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) waren es 2505 binnen sieben Tagen. Das ist ein Allzeithoch und ein Anstieg um mehr als 160 Prozent binnen einer Woche.

Zwar kommen viele Patienten mit und nicht wegen Corona in die Krankenhäuser, der Rekordwert gibt aber einen Eindruck, wie stark verbreitet das Virus derzeit ist. Selbst zu Hochzeiten früherer Wellen waren maximal Werte um 1500 erreicht worden.

Die offizielle Inzidenz liefert inzwischen nur noch ein sehr unvollständiges Bild der Infektionszahlen. Experten gehen von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus - vor allem weil bei weitem nicht alle Infizierte einen PCR-Test machen lassen. Nur positive PCR-Tests zählen in die Statistik. Zudem können Wochenenden und Feiertage zu Verschiebungen und Verzerrungen in der Statistik führen. Der Feiertag in der vergangenen Woche beispielsweise dürfte die Zahlen im Moment ein Stück weit nach oben drücken.

Was die aktuellen Zahlen für die Krankenhäuser bedeuten, verdeutlicht ein Brandbrief des Betriebsrates der städtischen München Klinik, aus dem die «Süddeutsche Zeitung» zitiert. «Die Situation ist ernst und es wird noch schlimmer kommen», heißt es demnach in dem Schreiben, das unter anderem an Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) gerichtet ist. «Die Notfallzentren sind überfüllt, die Patienten stapeln sich auf den Fluren.» Die Sicherheit der Patienten und Mitarbeiter sei «nicht mehr gewährleistet, die Gefährdung ist real und beweisbar».

Von der München Klinik heißt es dazu, die Intensiv- und Notfallversorgung in München sei «noch weitgehend sichergestellt, aber unter großem Druck». Das gehe stark auf Kosten der Mitarbeitenden. Zudem gebe es eine steigende Zahl coronabedingter Personalausfälle. Sollte sich die Situation weiter zuspitzen, gebe es eine Reihe von Maßnahmen, um das Personal für dringlicherer Versorgungen zu bündeln. Dazu gehörten auch «temporäre Abteilungsschließungen oder Zusammenlegungen».

Auch das Münchner Gesundheitsreferat bestätigt, dass die Lage in den Kliniken «sehr angespannt» sei. «Dennoch werden alle Personen, die eine dringliche medizinische Versorgung benötigen, behandelt» sagte ein Sprecher.

In und um München sind die Zahlen während und nach dem Oktoberfest, das vor gut einer Woche endete, stark gestiegen. In der Stadt beträgt die Inzidenz 1497,4, das Gesundheitsreferat geht allerdings davon aus, es in München zusätzlich eine Dunkelziffer von mindestens dem Dreifachen der offiziell gemeldeten Infizierten gibt. Trifft dies durchgehend zu, würde sich daraus rein rechnerisch auch eine mindestens viermal so hohe Inzidenz ergeben.

Im Münchner Gesundheitsreferat rechnet man damit, dass die Fallzahlen «noch einige Tage auf hohem Niveau bleiben und der Gipfel der Klinik-Aufnahmen demnach noch nicht erreicht ist». Zudem gebe es eine deutliche Zunahme von Influenza-Meldungen.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bekräftigte am Dienstag, dass die Wiesn aus seiner Sicht insgesamt ein Erfolg gewesen sei. Es sei klar gewesen, dass danach die Zahlen hoch gehen. «Wir müssen schauen, wie es da jetzt weitergeht.»

Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) erklärte auf Anfrage: «Ich habe das Gesundheitsreferat und die München Klinik um dringende Stellungnahme und Sachstandsbericht gebeten und erwarte mir bis morgen Vorschläge, wie mit der unbestritten schwierigen Situation weiter umgegangen werden soll.»

Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) rief die Bürger bayernweit mit Blick auf die steigenden Corona-Fallzahlen und die zunehmende Auslastung der Krankenhäuser zur Vorsicht auf. «Die Herbstwelle ist wie von den Experten vorhergesagt mit Schwung angelaufen. Deswegen sollten die Bürgerinnen und Bürger in den kommenden Monaten weiter die bewährten Schutzregeln befolgen. Abstand halten, Hände waschen, Maske tragen, Lüften - das sind einfache Mittel, um Coronaviren und auch Grippeviren auf Abstand zu halten.»

© dpa
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