Hitziges Nachspiel auf Schalke: Augsburg «wie eine Familie»

Der FC Augsburg marschiert nach oben. In einem hitzigen Spiel beim FC Schalke feiert das Team von Trainer Maaßen den dritten Sieg am Stück. Torhüter Gikiewicz steht mal wieder im Mittelpunkt.
Augsburgs Torwart Rafal Gikiewicz feiert vor den eigenen Fans. © David Inderlied/dpa

Auch im giftigen Nachspiel beim FC Schalke 04 war Augsburgs Torwart Rafal Gikiewicz mittendrin. Bierbecher flogen, sogar Feuerzeuge und das eine oder andere ätzende Wort sowieso. Das Nachspiel von 97 intensiven Bundesliga-Minuten zwischen Schalke und dem FC Augsburg hatte es in sich - auch wegen Gikiewicz.

«Der Rafa ist ja nicht immer ganz unschuldig», sagte Augsburgs André Hahn, der mit seinem Treffer in der 77. Minute den 3:2-Sieg in Unterzahl am Sonntag gesichert hatte: «Manchmal muss man ihn zurückhalten, aber natürlich schützen wir unseren Torwart.»

Das taten die FCA-Spieler, als Schalkes Torjäger Simon Terodde nach dem Schlusspfiff wutentbrannt auf Gikiewicz losrannte, obwohl dieser scheinbar nur sein Handtuch und seine Flasche aus dem Tor holte.

«Ich bin ein sehr emotionaler Spieler», erklärte Terodde hinterher. Zu verlieren nach aufgeholtem 0:2-Rückstand und dann gegen zehn Mann «tut weh», sagte er und wollte sich zum Wortgefecht nicht äußern. «Was auf dem Platz passiert, bleibt auf dem Platz.»

Gikiewicz wurde nach Angaben seines Trainers Enrico Maaßen nach Abpfiff mit einem Feuerzeug beworfen. «Er hat gesagt, dass er von einem Feuerzeug getroffen wurde. Er hat es abgewehrt und hat dann diese Gesten gemacht. Ich schaue es mir aber auf jeden Fall nochmal an, weil ich es selbst nicht mitbekommen habe», sagte Maaßen nach dem dritten Dreier seiner Mannschaft nacheinander. Zwölf Punkte nach acht Spielen hatten die Augsburger noch nie.

«Zum eigenen Schutz habe ich den Arm hoch gehalten und mein Handtuch und Trinkflasche aufgehoben», schrieb Gikiewicz in den Sozialen Netzwerken. Er habe «in keinster Weise die Fans des FC Schalke» provoziert.

FCA-Manager Stefan Reuter bemühte sich um Ausgewogenheit. Teroddes Attacke sei «ein Unding» gewesen, zudem sei der als emotional bekannte Gikiewicz das gesamte Spiel über «mit Würfen von Feuerzeugen und so» provoziert worden. «Dass einem irgendwann die Hutschnur platzt, ist dann eben so», sagte der Weltmeister von 1990: «Da sind der Schiedsrichter und der Heimverein aufgefordert, einzuwirken.»

Doch auch Gikiewicz, der schon nach dem Schlusspfiff des letzten Auswärtsspiels in Bremen mit den Werder-Fans aneinandergeraten war, will Reuter ins Gewissen reden: «Wir müssen fokussiert bleiben und nach dem Spiel heißt es: Mund abputzen, und sich mit unseren eigenen Fans freuen.»

Dass er selbst beim Gang von der Tribüne aufs Spielfeld mehrere Bierbecher abbekommen habe, wollte Reuter «nicht größer machen als es ist. Ich habe nix Brutales abbekommen.» Aber Bierduschen würden, so der Manager lachend, «in Bayern die Sieger machen».

Und in Augsburg herrscht beste Stimmung. Die Nervosität nach dem durchwachsenen Start ist längst verschwunden. «Wir sind nochmal enger zusammengerückt», beschrieb Verteidiger Maximilian Bauer die Entwicklung der Mannschaft. «Wir sind auf einem sehr guten Weg», befand auch Hahn. «Wir spielen einfach und geradlinig mit viel Wucht nach vorne.»

Für Ermedin Demirovic, der die Augsburger sogar mit 2:0 in Führung gebracht hatte, agiert die Mannschaft sogar «fast wie eine Familie auf dem Platz.» Und da hält man eben zusammen.

© dpa
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